Publiziert 10. Juli 2022, 19:00
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Freizeitangebote von Energieknappheit betroffen

Wird auch in Winterthurer Bädern bald kalt geduscht?

Gas- und Strommangel könnten unter anderem den Betrieb von Bädern in der Schweiz gefährden. 84XO hat bei Sportamt-Chef Dave Mischler nachgefragt, wie es um die Winterthurer Schwimmbäder steht.

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George Stutz
Sonnennutzung so wie auf dem Dach des Restaurants der Badi Wolfensberg soll gemäss Sportamt-Chef Dave Mischler im Bereich der Schwimmbäder gezielt ausgebaut werden.

Sonnennutzung so wie auf dem Dach des Restaurants der Badi Wolfensberg soll gemäss Sportamt-Chef Dave Mischler im Bereich der Schwimmbäder gezielt ausgebaut werden.
Fotomontage: George Stutz / zvg

Dreht Russland Europa den Gashahn wie angedroht zu, könnte dies auch die Schweiz empfindlich treffen. Dies obwohl der gesamte Energiebedarf der Schweiz im Bereich Gas nur elf Prozent beträgt. Mögliche Folgen wären eine Gas-Rationierung, diese wiederum wäre mit einem weiteren Preisanstieg verbunden und würde die Wirtschaft als auch Privathaushalte hart treffen. Letztere müssten an kälteren Tagen mit weniger Heizleistung auskommen. Gleiches gilt aber auch für Freizeitanlagen, wie etwa auf Gas angewiesene Schwimmbäder. So kommt beispielsweise der Säntispark in Abtwil nicht ohne Gas aus. Wie Martin Enz, Geschäftsführer des Verbandes Hallen- und Freibäder gegenüber «20 Minuten» sagte, wäre eine Rationierung von Gas, aber auch von Strom fatal für die Branche. Gemäss ihm droht älteren Bädern, die ihre Energiegewinnung noch nicht optimiert haben, gar die Schliessung.

Kein Gas, aber vermehrt PV-Anlagen

Wie Dave Mischler, Vorsteher des Sportamts Winterthur, gegenüber 84XO erklärt, sind die Winterthurer Freibäder und insbesondere das Hallen- und Freibad Geiselweid nicht von Gas abhängig: «Das ‹Geisi› wird mit Fernwärme aus der KVA geheizt, die anderen Freibäder sind unbeheizt.» Was das Warmwasser – etwa für die Duschen – betrifft, verfügen die Schwimmbäder Oberwinterthur, Töss und Wolfensberg bereits über eine Solaranlage. Im Strombereich ist das neue Restaurant des Schwimmbades Wolfensberg mit einer Photovoltaik-Anlage versehen. «Sowohl auf dem Dach des Schwimmbads Oberwinterthur als auch auf den Dächern des Schwimmbads Wülflingen werden nach der diesjährigen Freibadsaison PV-Anlagen installiert. Auch auf den Dächern des Schwimmbades Geiselweid ist eine PV-Anlage in Planung», ergänzt Dave Mischler.

Permanentes Energie-Monitoring

Gemäss dem Chef des Sportamtes gilt das Hauptaugenmerk in Bezug auf die Energiefrage dem ganzjährig betriebenen Hallenbad Geiselweid. Dieses wird ab kommenden Montag, 11. Juli bis 5. August für die jährliche Revision geschlossen. Massnahmen zur Verbesserung der Energieeffizienz würden gemäss Mischler aber nicht nur in dieser Phase umgesetzte: «Solche Massnahmen werden laufend ergriffen. Insbesondere beim Hallen- und Freibad Geiselweid läuft permanent ein Energie-Monitoring aus welchem Massnahmen abgeleitet werden. Grosse Fortschritte konnten natürlich bei der Totalsanierung des Hallenbades 2016 dank einer viel effizienteren Wasseraufbereitung, Grauwasserkreislauf, Spar-Duschköpfe und vielem mehr erzielt werden.»

Keine Erhöhung der Eintrittspreise

Obwohl in den Winterthurer Bädern permanent in eine optimierte Energieversorgung investiert wird und sich gleichzeitig der Bezug von Gas und Strom weiter verteuern dürfte, ist laut Dave Mischler eine Erhöhung der Eintrittspreise zurzeit nicht geplant.

Dank dem Wegfall der Corona-Massnahmen und aufgrund des schönen Wetters im Mai erfolgte in Winterthur ein ausgezeichneter Freibadsaisonstart. «Die Eintrittszahlen sind bisher sehr erfreulich und auch die Sportpass-Verkäufe nähern sich langsam wieder den Zahlen vor der Pandemie», freut sich Mischler.

Erfreuliche Eintrittszahlen

Auch wenn punkto Reisefreudigkeit die Pandemie noch nicht ganz ausgeheilt scheint und auch die Flugbranche dazu beiträgt, dass der eine Stadtbewohner oder die Winterthurerin in den kommenden Ferien zuhaus bleiben wird, glaubt Dave Mischler nicht, dass die Freibäder deshalb an ihre Kapazitäten kommen. Er meint dazu: «Die Engpässe in den Freibädern gibt es immer an den heissen Wochenenden vor den Sommerferien und nur ganz selten während den Ferien. Das wird ganz bestimmt auch dieses Jahr so sein, da im Gegensatz zu den letzten beiden Sommern ja reisen wieder möglich ist.» Trotzdem gibt der Sportamt-Chef einen Tipp für die Winterthurer «Baderatten» ab: «Nutzt den Sportpass und besucht auch einmal eine andere, als eure ‹Heim-Badi›. Insbesondere Töss ist eine sehr schöne Anlage und übrigens das einzige Freibad in Winti mit einem 5-Meter-Turm. Zudem bietet es seit neustem eine Boulder-Kletterwand an der Rückseite des WC-Gebäudes und ein Corn-Whole-Spiel.»

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