Publiziert 01. Sep. 2022, 09:34
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An der Marktgasse 45

Winterthur gedenkt mit drei Stolpersteinen jüdischer Familie

Der Winterthurer Stadtrat liess gestern Mittwoch drei Stolpersteine in der Marktgasse setzen. Diese sollen an die Familie Levitus erinnern, die Opfer von Nazi-Deutschland wurden, und auf Diskriminierungen aufmerksam machen.

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red

Über 90’000 sogenannte Stolpersteine wurden weltweit schon gesetzt. Sie alle erinnern an die Opfer des Nationalsozialismus und tragen zur Aufarbeitung dieses dunklen Kapitels in der Geschichte bei. Auch Winterthur soll drei dieser Stolpersteine erhalten – das entschied der Stadtrat Ende 2021.

Gestern Mittwochabend war es nun so weit: Die Stolpersteine wurden an der Marktgasse 45 in feierlichem Rahmen gesetzt. Sie gedenken an Therese, Bertha und Lina Levitus, die dort während rund fünfzehn Jahren lebten, bevor sie – nach ihrer Auslieferung in die Tschechoslowakei in den 1920er-Jahren – zu Opfern von Nazi-Deutschland wurden. Das Winterthurer Bürgerrecht erhielten sie zwar nie, jedoch wurden die Kinder der Familie hier geboren, weshalb Winterthur als ihre Heimatstadt angesehen werden kann.

Vor Ort waren nebst Katja Demnig, Frau des Künstlers und Stolperstein-Initianten Gunter Demnig auch Stadtpräsident Mike Künzle und Jacqueline Fehr, Direktionsvorsteherin der Justiz und des Innern des Kantons Zürich. Musikalisch und lyrisch umrahmt wurde die Zeremonie – geleitet von Roland Diethelm, evangelisch-reformierter Pfarrer in Wangen an der Aare BE, Kolumnist und Vorstandsmitglied Verein Stolpersteine Schweiz – durch den Musiker Geri Züger sowie eine Klasse der Berufsbildungsschule Winterthur

Auf jegliche Diskriminierungen aufmerksam machen

Dass man sich in Winterthur an Opfer des Nationalsozialismus erinnert, soll auch als symbolischer Gegenpol zu den rechtsradikalen Strömungen in Vergangenheit und Gegenwart gesehen werden, wie der hiesige Historiker Miguel Garcia schreibt, der das Projekt angestossen hatte. Bereits in den 1930er-Jahren erfuhr die nationalsozialistisch gesinnte Frontenbewegung in Winterthur beachtlichen Zulauf. Und in jüngster Vergangenheit würde die Eulachstadt mit rechtsradikalen Gruppen wie der «Jungen Tat» Schlagzeilen machen. Das Gedenken an die Mitglieder der Familie Levitus könne auch auf den Umgang mit Minderheiten und Papierlosen oder auf geschlechtsspezifische Diskriminierung aufmerksam machen.

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