Publiziert 20. Jan. 2023, 06:30
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Vor Geburt

Schwangere erhalten drei Wochen Urlaub

Drei Wochen vor Geburtstermin erhalten schwangere Mitarbeiterinnen der Stadt Winterthur offiziell Urlaub. Der Stadtrat erachtet die im Juni eingereichte Forderung verschiedener Parlamentarierinnen als sinnvoll.

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Ramona Kobe
Schwangere Mitarbeiterinnen der Stadt Winterthur können neu bereits drei Wochen vor Geburt offiziell Mutterschaftsurlaub beziehen.

Schwangere Mitarbeiterinnen der Stadt Winterthur können neu bereits drei Wochen vor Geburt offiziell Mutterschaftsurlaub beziehen.
zvg

Zwei Wochen vor Geburt sind rund siebzig Prozent der schwangeren Frauen krankgeschrieben. Das hat ein vom Bund in Auftrag gegebener Forschungsbericht gezeigt. Auch in der Stadt Winterthur kennt man diese Zahlen: 2021 sind ungefähr achtzig Prozent der schwangeren Mitarbeiterinnen drei Wochen vor Geburtstermin mit Krankheitsabsenzen ausgefallen, wie das Departement Kulturelles und Dienste in einer Medienmitteilung schreibt.

Weil es in der medizinischen Fachwelt unbestritten ist, dass – auch wenn es nicht für alle Frauen zwingende medizinische Gründe für eine Krankschreibung gibt – für den Geburtsverlauf und die Gesundheit von Mutter und Kind eine möglichst stressfreie Vorbereitung auf das Geburtsereignis entscheidend ist, haben Nina Wenger (Grüne), Marilena Gnesa (SP), Barbara Huizinga (EVP) und Nora Ernst (GLP) dem Stadtrat im vergangenen Juni eine Motion übergeben. Diese fordert die personalrechtliche Verankerung eines vorgeburtlichen Mutterschaftsurlaubs von drei Wochen. Dieser soll freiwillig sein und muss nicht zwingend bezogen werden, wenn eine Mitarbeiterin das nicht möchte. Insgesamt 30 Stadtparlamentarierinnen und -parlamentarier unterstützen die Motion.

Dem Stigma «krank machen» entgegenwirken

Auch der Stadtrat empfindet diesen Urlaub gemäss Mitteilung als sinnvoll und beantragt dem Parlament deshalb, die Motion als erheblich zu erklären. Zwar biete das städtische Personalrecht mit der Lohnfortzahlung bei Krankheit im Fall von schwangerschaftsbedingten Arbeitsunterbrüchen schon heute sehr gute Rahmenbedingungen. Für viele schwangere Frauen sei es allerdings unangenehm, sich frühzeitig krank schreiben zu lassen, obwohl sie im Grunde nicht krank seien.

Mit einem vorgeburtlichen Mutterschaftsurlaub wäre es zudem sowohl für die Stadt Winterthur als Arbeitgeberin als auch für die werdende Mutter einfacher, die Stellvertretung und Arbeitsplanung entsprechend und vorzeitig zu organisieren. Plötzliche Absenzen am Arbeitsplatz seien damit zwar nicht vom Tisch, aber deutlich seltener, was sowohl Arbeitgeberin als auch Arbeitskolleginnen und -kollegen entlasten würde. Die Mehrkosten dieser personalrechtlichen Neuerung wären für die Stadt marginal, da bereits heute die Kosten für die krankgeschriebenen Mitarbeitenden von der Stadt getragen werden, heisst es im städtischen Schreiben weiter.

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