Publiziert 24. Nov. 2022, 14:40
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Aktionen in Winterthur

Während 16 Tagen auf Gewalt an Frauen aufmerksam machen

Jede zweite Woche verliert eine Frau in der Schweiz ihr Leben durch einen Femizid. In Winterthur machen diverse Aktionen auf das Thema aufmerksam. Das Ziel: die Bevölkerung zu sensibilisieren.

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Ramona Kobe
Zahlreiche Veranstaltungen machen vom 25. November bis am 10. Dezember auf die noch immer allgegenwärtige Gewalt gegen Frauen aufmerksam. Auch in Winterthur sind Aktionen geplant.

Zahlreiche Veranstaltungen machen vom 25. November bis am 10. Dezember auf die noch immer allgegenwärtige Gewalt gegen Frauen aufmerksam. Auch in Winterthur sind Aktionen geplant.
zvg

Sie fängt bei Alltagssexismus an und endet mit Femiziden: geschlechtsspezifische Gewalt. 42 Prozent der Frauen in der Schweiz haben bereits Gewalt in einer Beziehung erlebt. Wie eine Umfrage der Forschungsstelle Sotomo weiter zeigt, sind die meisten zwischen 26 und 45 Jahre alt. Alle zwei Wochen stirbt eine Frau an den Folgen eines solchen Übergriffs, die Dunkelziffer ist noch höher.

  • Der Orange Day ist ein jährlich abgehaltener Gedenk- und Aktionstag zur Bekämpfung von Diskriminierung und Gewalt jeder Form gegenüber Frauen und Mädchen. Ins Leben gerufen haben ihn die Vereinten Nationen, die seit 1991 mit der Kampagne «Orange The World» auf Gewalt aufmerksam machen: vom internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen am 25. November bis zum 10. Dezember, dem Tag der Menschenrechte.

Jeweils am 25. November, dem sogenannten Orange Day, wird weltweit auf das Menschenrechts-Problem aufmerksam gemacht – mit orange beleuchteten Gebäuden, Kampagnen und Informationsanlässen. 16 Tage lang, bis am 10. Dezember, dem internationalen Tag der Menschenrechte. Organisatorin ist die feministische Friedensorganisation cfd. Das Fokus-Thema dieses Jahr: der Feminizid. Es wird bewusst dieses Wort anstelle von «Femizid» benutzt, heisst es auf der Website, weil es stärker auf den strukturellen Aspekt von Gewalt an Frauen ziele und die Verantwortung des Staates aufzeige.

Die Spitze des Eisbergs

An der Aktion beteiligt sich auch das feministische Kollektiv Winterthur. Es wird morgen Freitag am Oberen Graben eine Mahnwache halten, um zum Diskutieren anzuregen und sichtbaren Raum zu schaffen, wie Anna Meier vom Kollektiv sagt. «Es gibt in unserer Gesellschaft immer noch viel strukturelle Gewalt gegen weiblich gelesene Personen. Die 14 Feminizide, die es dieses Jahr in der Schweiz bisher gab, sind nur die Spitze des Eisbergs. Viel geschlechterspezifische Gewalt wird bagatellisiert.» Meier erhofft sich einen regen Austausch mit der Bevölkerung. «Wir möchten die Menschen immer wieder aufs Neue sensibilisieren und erhoffen uns, ein Bewusstsein für geschlechterspezifische Gewalt in der Gesellschaft zu schaffen.»

Sensibilisieren und an Bekanntheit gewinnen

Zu den Mitwirkenden gehört zudem der Soroptimist International Club Winterthur, der wenige Meter weiter beim Justitia-Brunnen in der Marktgasse mit einer Standaktion auf Zwangsprostitution hinweisen will. Zusätzlich organisiert der 1971 gegründete Club am 4. Dezember eine Benefiz-Filmveranstaltung samt Diskussionsrunde mit Kerstin Jüngling, Leiterin des Frauenhaus Winterthur, im Kino Cameo. Gezeigt wird «Ala Kachuu – take and run», ein Oscar-nominierter Schweizer Kurzfilm, der die Geschichte einer jungen Kirgisin erzählt, die Opfer eines Brautraubs wird.

Mirjam Maag ist zukünftige Präsidentin des Soroptimist International Club Winterthur.

Mirjam Maag ist zukünftige Präsidentin des Soroptimist International Club Winterthur.
Ramona Kobe

Mirjam Maag

«Die Zahlen hier in
der Schweiz sind
erschreckend!»

«Wir haben entschieden, den Orange Day dieses Jahr grösser zu gestalten», erzählt Mirjam Maag, zukünftige Präsidentin des Clubs. In anderen Jahren zündete die Organisation Kerzen im Rathaus-Durchgang an, beleuchtete die Stadtkirche oder verteilte Orangen in der Altstadt. «Damit wollen wir auf die Gewalt an Frauen und Mädchen aufmerksam machen. Die Zahlen hier in der Schweiz sind erschreckend!», fährt Maag fort. Gleichzeitig würden die beiden Aktionen die Möglichkeit bieten, neue Mitglieder zu gewinnen und die Organisation bekannter zu machen.

Ein Club von Frauen für Frauen

Diese hat es sich unter anderem zum Ziel gesetzt, Frauen zu ermutigen, sie und ihre Anliegen zu fördern und ihnen ein weltweites Netzwerk zu bieten. «Wir wollen mit unserer Bewegung das Zusammenleben erleichtern und eine bessere Welt schaffen», erzählt Maag. So unterstützt der Club hier in Winterthur seit zehn Jahren den Jugendtreff Gutschick und jüngst auch die Nachbetreuung im hiesigen Frauenhaus. Die dafür notwendigen Gelder sammeln die Soroptimistinnen etwa am internationalen Frauentag im März, an dem sie jedes Jahr Tulpensträusse in der Altstadt verkaufen. Mirjam Maag: «Wer seinen Mitmenschen hilft, wird selbst zu einem besseren Menschen.»

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