Publiziert 22. Nov. 2022, 06:30
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Städtepartnerschaft

Ostschweizer Städte müssen Hilfsprojekt im Südsudan abbrechen

Die Stadt Winterthur muss das Hilfsprojekt im Südsudan, das sie gemeinsam mit Frauenfeld, Schaffhausen und St. Gallen unterstützt, überraschend abbrechen. Grund dafür sind Kommunikationsprobleme.

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Ramona Kobe
Für Winterthur kam der Abbruch des Entwicklungsprojekts im Südsudan überraschend.

Für Winterthur kam der Abbruch des Entwicklungsprojekts im Südsudan überraschend.
zvg

Gemeinsam mit den Städten Frauenfeld, Schaffhausen und St. Gallen wollte Winterthur im Rahmen der Städtepartnerschaft dieses Jahr das Entwicklungsprojekt «My Body, My Right, My Future» der Stiftung Horyzon im Südsudan unterstützen. Dieses hat zum Ziel, Mädchen und Frauen vor Ort aufzuklären und ihnen einen Ausweg aus dem Teufelskreis aus sexueller Gewalt, grosser Armut und mangelnder Schulbildung aufzuzeigen.

Wie die Stadt Winterthur mitteilt, muss das Projekt, dessen Lead bei St. Gallen liegt, nun aber vorzeitig beendet werden. Grund dafür seien einerseits Sicherheitsbedenken für die Mitarbeitenden vor Ort und andererseits ein Leitungswechsel bei der Partnerorganisation YMCA Südsudan und den damit verbundenen Schwierigkeiten bei der Projektkommunikation und -umsetzung. Eine projektbezogene Verwendung der Gelder kann gemäss der Stiftung nicht mehr gewährleistet werden.

Geld fliesst zurück in die Stadtkasse

Der Abbruch kam für die Städtepartnerschaft völlig überraschend, wie Kathrin Howald, Kommunikationsbeauftragte im Departement Kulturelles und Dienste, auf Anfrage sagt. Den Entscheid habe die Stiftung Horyzon gefällt und dabei stets offen und transparent kommuniziert. «Bei Entwicklungsprojekten besteht immer die Gefahr, den Hebel ziehen zu müssen», fährt Howald fort. Trotzdem bedaure man den Abbruch. Dieser sei der einzige Ausweg gewesen, die Probleme mit dem Partner vor Ort seien letztendlich zu gravierend gewesen. Hinzu kommt, dass die Sicherheitslage im Südsudan so frappierend ist, dass Horyzon die eigenen Leute nicht mehr zum Controlling runterschicken konnte, erklärt Kommunikationsbeauftragte weiter.

75'000 der insgesamt 275'000 Franken, die für die Auslandhilfeprojekte jährlich budgetiert werden, konnten bereits eingesetzt werden. Der restliche Anteil fliesst prozentual zurück zu den vier Städten. Winterthur erhält gemäss vorgelegter Schlussrechnung 78'500 Franken zurück, die in die Stadtkasse fliessen. Wofür dieser Betrag nun eingesetzt wird, ist gemäss Howald noch nicht klar.

Budget zu tief angesetzt

«Gemäss der Organisation Horyzon wurden bereits Massnahmen getätigt auf den beiden Handlungsebenen ‹Sensibilisierung und gesundheitliche Rechte› sowie bei der ‹Gesundheitsversorgung und Aufklärung›», sagt Kathrin Howald. Die jetzt vorgelegte Schlussrechnung des Projekts widerspiegle aber einige der Herausforderungen, die Horyzon bei der Zusammenarbeit mit ihrer Partnerorganisation gehabt habe. So sei etwa das Budget von YMCA Südsudan im koordinativen und administrativen Bereich zu tief angesetzt gewesen.

«Es war dies nicht das erste Mal, dass YMCA Südsudan Mühe bei der Budgetierung und der Einhaltung des genehmigten Budgets zeigte», weiss Howald. «Horyzon hat ihre Partnerorganisation vor Ort darum sehr eng begleitet.» Noch im Januar habe die Stiftung einen Prozess eingeführt, der zu einer zeitnahen Kommunikation über Aktivitätsausgaben und mögliche Änderungen hätte verhelfen sollen. «Leider wurde dieser Prozess seitens der Partnerorganisation nicht eingehalten.»

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