Publiziert 23. Jan. 2023, 09:01
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Nach massiver Kritik

Graffiti-Kunst erhält ein Jahr Zeit

Die kontroverse Graffiti-Kunst im Clublokal des FC Tössfeld soll vorerst bleiben. Das entschied die Stadt Winterthur mit den Involvierten an einem runden Tisch.

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red
Nach grosser Kritik am Kunstwerk «Circuit Flow» im Clubhaus des FC Tössfeld  initiierte die Stadt Winterthur einen «Round Table» mit allen Involvierten.

Nach grosser Kritik am Kunstwerk «Circuit Flow» im Clubhaus des FC Tössfeld initiierte die Stadt Winterthur einen «Round Table» mit allen Involvierten.
Stadt Winterthur

Es sorgte für Schlagzeilen, noch bevor es überhaupt fertiggestellt war: Das Werk «Circuit Flow» der beiden Winterthurer Künstlerinnen Stefanie und Maureen Kägi im neugebauten Garderbobengebäude Talgut im Sportpark Deutweg – eine Kunst-und-Bau-Arbeit, welche die Stadt in Auftrag gab. Das Werk im Clublokal des FC Tössfeld, das dem Quartierverein Gutschick Mattenbach als Bistro und Quartierraum dient, der beiden Schwestern greift Symbole und Emotionen im Zusammenhang mit Sport auf und vermittelt Bewegung, Spontaneität und Teamgeist. Die Bildsprache pendelt dabei zwischen Abstraktion und Figuration, die Motive sind teilweise angelehnt an Comiczeichnungen oder Graffiti Tags.

Wie die Stadt Winterthur in einer Medienmitteilung schreibt, geben solche Projekte immer wieder Anlass zu gesellschaftspolitischen und künstlerischen Diskussionen. Die Heftigkeit der Auseinandersetzung über «Circuit Flow» habe aber – zumindest für Winterthurer Verhältnisse – noch einmal neue Massstäbe gesetzt. Bereits vor seiner Fertigstellung zirkulierten Bilder des Werks in den Medien und entfachten eine hitzige Diskussion darüber, was Kunst ist und muss. Vor allem die beiden Künstlerinnen, aber auch die Nutzerschaft hätten sich in der Folge heftigster Kritik ausgesetzt gesehen.

Das Werk bleibt vorerste

Vor diesem Hintergrund hat die Stadt einen «Round Table» mit allen Involvierten initiiert. Gemeinsam mit Vertretern des FC Tössfelds und des Quartiervereins Gutschick Mattenbach, dem Architekten des Gebäudes sowie den beiden Künstlerinnen sollte erörtert werden, wie es mit dem Werk im Talgut weitergeht. Dabei war man sich einig: Eine gemeinsame Lösung könnte nur gefunden werden, wenn alle Beteiligten aufeinander zugehen und sich kompromissbereit zeigen würden.

  • Als Kulturstadt legt Winterthur grossen Wert auf Kunst in und an seinen öffentlichen Bauten und in Verbindung mit Stadtraumentwicklung. Die Kunst-und-Bau-Arbeiten im öffentlichen Raum sollen Akzente setzen, Strahlkraft haben und die Identifikation der Bevölkerung mit ihrer Stadt stärken. Schauplatz für die über 200 Werke der Stadt Winterthur sind Schulhäuser, Alterszentren, Schwimmbäder und weitere öffentliche Gebäude, Plätze und Parks.

Und das wurde erreicht. Gemäss städtischem Schreiben wurde beschlossen, dem Werk Zeit zu geben. Darüber hinaus würden gemeinsame Vermittlungsaktionen geplant. Nach einem Jahr werde bei einem erneuten runden Tisch in der gleichen Besetzung ergebnisoffen über die weitere Zukunft des Werkes beraten.

Wie weiter mit den Kunst-und-Bau-Projekten?

Letztlich machte dieses Gespräch in den Augen der Stadt auch deutlich: «Der Vermittlungsarbeit bei Kunst-und-Bau-Werken kommt eine wichtige Bedeutung zu – nicht nur, aber gerade auch, wenn zwei unterschiedliche und eigenständige Systeme wie Kultur und Sport dabei aufeinandertreffen.» Die Stadt ihrerseits werde ihre Kunst-und-Bau-Praxis aufgrund der im Talgut gemachten Erfahrungen überprüfen und – falls nötig – entsprechend anpassen.

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