Publiziert 01. Juni 2022, 08:48
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Bezugsdatum noch ungewiss

Stadt bereitet Zivilschutzanlage Mattenbach für Geflüchtete vor

659 Geflüchtete aus der Ukraine sind aktuell bei der Sozialberatung Winterthur gemeldet. Weil diese Zahl weiter steigen soll, macht die Stadt die Zivilschutzanlage Mattenbach als Übergangslösung bereit und hofft auf ein stärkeres Engagement des Bundes bei der Erstunterbringung.

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red
In der Zivilschutzanlage Mattenbach sollen schon bald Geflüchtete aus der Ukraine untergebracht werden.

In der Zivilschutzanlage Mattenbach sollen schon bald Geflüchtete aus der Ukraine untergebracht werden.
Stadt Winterthur

Nach wie vor fliehen Menschen vor dem Krieg in der Ukraine und suchen Schutz in der Eulachstadt. Aus diesem Grund hat die Stadt Winterthur entschieden, eine weitere Unterkunft für eine grössere Zahl an Geflüchteten zu eröffnen, wie sie mitteilt. Die Zivilschutzanlage Mattenbach sei vom Zivilschutz von Schutz & Intervention Winterthur (SIW) vollständig eingerichtet worden und könne innert weniger Tage in Betrieb genommen werden. Allerdings stehe noch kein Bezugsdatum fest, da die Situation momentan «sehr volatil» sei. Die Anlage unter dem Schulhaus Mattenbach, die bereits während der Fluchtbewegung 2015 genutzt wurde, bietet übergangsmässig Platz für rund 80 «erwachsene, nicht vulnerable Personen».

Falls die Zivilschutzanlage Mattenbach definitiv genutzt wird, werden die Anwohnenden und die Eltern der Schülerinnen und Schüler des Schulhauses Mattenbach vorab informiert, heisst es im medialen Schreiben weiter. Das Departement Soziales stehe im engen Kontakt mit der Schulleitung und der Schulpflege. «Mit der Schule wurden Vereinbarungen getroffen, damit der Schulbetrieb normal weitergeführt werden kann.» Die Unterkunft werde – wie die bereits existierenden an der Adlerstrasse und in der Mehrzweckanlage Teuchelweiher – rund um die Uhr betreut.

Keine optimale Lösung

Weil eine Zivilschutzanlage gemäss der Stadt Winterthur keine optimale Lösung für geflüchtete Menschen ist, sind Beschäftigungsmöglichkeiten und Tagesstrukturen ausserhalb der Unterkunft vorgesehen. Wer sich freiwillig engagieren und Geflüchtete begleiten möchte, kann sich bei Benevol Winterthur erkundigen.

Weiter existiert eine Begleitgruppe, die Verbindung zu den verantwortlichen Stellen der Stadtverwaltung herstellt, Anliegen aus dem Quartier sammelt, bei der Koordination der Freiwilligenarbeit hilft und sie auf die Bedürfnisse der Geflüchteten abstimmt. Interessierte aus dem Quartier können sich unter begleitgruppe.asyl@win.ch melden.

Stärkeres Engagement des Bundes gefordert

1068 Geflüchtete und Asylsuchende sind aktuell bei der Sozialberatung Winterthur gemeldet, davon 659 aus der Ukraine. Die Unterbringung von vielen Menschen in kurzer Zeit sei eine grosse Herausforderung für die Stadt Winterthur, zumal der Bund zurzeit keinen wesentlichen Anteil an die Erstunterbringung der Geflüchteten aus der Ukraine leiste, sondern diese Aufgabe – und die damit verbundenen Risiken bezüglich Planung und Finanzierung – praktisch vollumfänglich an Städte, Gemeinden und Kantone delegiere. «Das Departement Soziales bedauert, dass voraussichtlich unterirdische Unterkünfte in Betrieb genommen werden müssen, obwohl die Bundesasylzentren nicht ausgelastet sind», äussert sich die Stadt in der Medienmitteilung zum Asylsystem der Schweiz.

Sie sucht nach wie vor längerfristigem Wohnraum für Geflüchtete. Angebote und Hinweise nimmt die Wohnhilfe entgegen: wohnhilfe@win.ch. Allgemeine Fragen beantwortet die Ukraine-Stelle der Stadt Winterthur: ukraine-hilfe.sd@win.ch, Telefon 052 267 13 30.

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