Publiziert 07. Feb. 2022, 12:01
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Teil 2 der Serie «Winti kocht»

«Mein Mami kochte für mich immer separat»

Auf einen echten Sonntagszopf muss Laura Eichhorn verzichten: Die 25-jährige Lehrerin darf keine glutenhaltigen Esswaren zu sich nehmen. Früher war Kochen nicht das Ding der Winterthurerin, seit sie aber von zuhause ausgezogen ist, steht sie gerne in der Küche.

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Michael Hotz
Seit sie alleine wohnt, kocht Laura Eichhorn gerne für sich und für Gäste. Die asiatische Küche mag sie besonders.

Seit sie alleine wohnt, kocht Laura Eichhorn gerne für sich und für Gäste. Die asiatische Küche mag sie besonders.
Michael Hotz

«Einen Berliner würde ich sehr gerne mal probieren», sagt Laura Eichhorn. Sie kann aber nicht. Denn: Die 25-jährige Winterthurerin leidet seit ihrer Geburt an Zöliakie, also an der Unverträglichkeit des Dünndarms gegenüber Gluten. Bei Betroffenen löst der Verzehr eine Entzündung der Dünndarmschleimhaut aus, was zu verschiedenen Symptomen führen kann. «Mir wird schwindlig, ich habe Kopfschmerzen und Atemprobleme und bekomme einen Hautausschlag», zählt Eichhorn einige gesundheitlichen Probleme auf, die bei ihr auftreten, wenn sie etwas Glutenhaltiges zu sich nimmt.

Das ist der zweite Teil der 84XO-Serie «Winti kocht». In Teil 1 berichteten wir über Ramesh Shanmuganathan, der als Koch im Kantonsspital Winterthur arbeitet.

Solche Vorfälle hat die Primarlehrerin in Winterthur jedoch selten, wie sie betont. Sie achte sehr darauf, was sie esse. Beim Einkaufen etwa kontrolliert Eichhorn die Zutatenangaben von jedem Produkt, bei dem sie sich unsicher ist, ob es für sie geeignet ist. Enthält das Lebensmittel eine der Getreidesorten Weizen, Dinkel und Ur-Dinkel, Grünkern, Gerste, Roggen oder Hafer, stellt sie es wieder ins Regal. Unproblematisch als Lieferanten von Kohlenhydraten sind für sie Reis, Kartoffeln und Mais. «Bei gewissen Schokoriegeln wie Mars oder Snickers wechseln die Zutaten regelmässig, da muss ich gut aufpassen», so Eichhorn.

Kein Kuchen an den «Gebifäschtli»

Weil sie mit Zöliakie zur Welt kam, kennt die Winterthurerin ein Leben ohne diese Krankheit gar nicht. Für sie ist der Umgang damit normal. «Ich wurde von meiner Familie immer gut unterstützt. Mein Mami kochte für mich immer separat», erzählt Eichhorn, die in Neftenbach aufgewachsen ist. Es gab etwa zwei Arten von «Knöpfli» oder immer eine glutenfreie Sauce.

Trotzdem erlebte sie in ihrer Kindheit Momente, die für sie schwierig waren. An Geburtstagsfesten ihrer «Gspändli» musste sie stets auf den Kuchen verzichten. Und im Teenie-Alter, wenn ihre Kolleginnen und Kollegen bei McDonald’s essen oder einen Döner holen wollten, fühlte sich Eichhorn ausgeschlossen. «Früher gab es keine glutenfreie Alternativen, wie sie heute schon viel öfter zu finden sind», sagt sie dazu. Dafür ist bei ihr die Begeisterung jeweils gross, wenn sie etwas Neues entdeckt, das sie essen darf. «Als ich das erste Mal sah, dass es im ‹Mac› einen glutenfreien Burger gibt, freute ich mich wie ein Kind», sagt sie und lacht. Ein weiteres freudiges Erlebnis: «Während meinen letzten Ferien in Spanien fand ich in Bilbao ein Restaurant, das frittierte Meeresfrüchte ohne Gluten anbietet. Ich bin fast ausgeflippt.»

Tipps für glutenfreies Kochen schnappt Eichhorn in den Heften der IG Zöliakie der Deutschen Schweiz auf.

Tipps für glutenfreies Kochen schnappt Eichhorn in den Heften der IG Zöliakie der Deutschen Schweiz auf.
Michael Hotz

Seit rund neun Monaten wohnt die 25-Jährige in ihrer ersten eigenen Wohnung. Nach dem Auszug entdeckte sie auch das Kochen für sich. Früher sei es nicht so ihr Ding gewesen. Nun aber stehe sie gerne in der Küche, habe Freude daran, ihre Familie oder Freundinnen und Freunde zu bekochen. «Ich liebe die asiatische Küche.» Aktuell sei das thailändische Gericht Pad Thai wohl ihr Lieblingsessen (siehe weiter unten). Auch ans Backen hat sich Eichhorn immer mehr herangewagt. «Letztens habe ich Zimtschnecken gemacht.» Wenn sie nämlich glutenfreies Gebäck essen wolle, müsse sie dieses meistens selber machen. Das Angebot dafür sei immer noch eher rar – auch wenn es besser geworden sei. So öffnete beispielsweise kürzlich in Hegi die Bäckerei Jackie’s, die glutenfreie Produkte anbietet, worüber sich Eichhorn freut. Für andere Menschen, die ebenfalls unter Glutenunverträglichkeit leiden, hat sie einen Back-Tipp bereit: Flohsamen. «Sie wirken wie Hefe», führt sie aus.

Sie weiss sich zu helfen

Solche Tipps schnappt Eichhorn in den Heften der IG Zöliakie der Deutschen Schweiz auf. Sie ist Mitglied des gemeinnützigen Vereins. Zudem hat sie Kochbücher für glutenfreies Essen von Betty Bossy bei sich zuhause und nutzt die App «Find Me Gluten Free», die ihr geeignete Restaurants und Einkaufsläden auf der ganzen Welt anzeigt. Zöliakie bedeutet für sie nämlich häufig etwas mehr Planung. Auf einen Ausflug nimmt die Lehrerin meistens als Notfallproviant ein selbstgemachtes Sandwich mit. Und bevor sie auswärts essen geht, schaut sie online noch die Speisekarte an. «Heutzutage finde ich aber eigentlich in jedem Restaurant etwas ohne Gluten. Ich habe es mir auch angewöhnt, nicht wählerisch zu sein und einfach das zu essen, was geht», so Eichhorn.

Gross eingeschränkt fühlt sich die Winterthurerin nicht. Die kleinen Umstände im Alltag bezeichnet sie als «Luxus-Probleme.» Und doch: Gewisse Esswaren würde sie liebend gerne mal probieren. «Ich wüsste gerne, wie eine normale Pizza schmeckt. Oder Chicken Nuggets.» Oder eben ein Berliner.

Laura Eichhorns aktuelles Lieblingsrezept: Pad Thai

Zutaten: (für vier Personen)

  • 200 g Reisnudeln

  • 200 g Tofu (gewürfelt)

  • 2 Schalotten (Ringe)

  • 2 Knoblauchzehen (gehackt)

  • 1 Frühlingszwiebel (gehackt)

  • 2 Eier (verquirlt)

  • 2 EL geröstete Erdnüsse (gemörsert)

  • 100g Mungbohnensprossen

  • 1 Limette (geachtelt)

  • Sauce:
    1 EL Kokosblütenzucker
    1 TL Tamarindenpaste
    4 EL Fischsauce
    0.5 TL Rote Chiliflocken
    2 EL Öl zum Braten

Zubereitung:

  1. Die Nudeln in lauwarmem Wasser für 15 Minuten einweichen.
  2. Für die Saucenmischung Kokosblütenzucker (Alternative:  brauner Zucker), Tamarindenmark, Fischsauce und die Chiliflocken zusammen mit 200ml Wasser in einer Schale verrühren.
  3. Die Nudeln aus dem Wasser nehmen und abtropfen lassen.
  4. Zum Braten am besten eine flache Antihaftpfanne mit 28cm Durchmesser verwenden. Damit kann man verhindern, dass das Ei anbrennt. Ausserdem einen flachen Holzspatel verwenden.  Die Pfanne auf mittlerer Stufe erhitzen, 2 EL Öl hineingeben. Die Schalotten und das Weisse der Frühlingszwiebeln andünsten, nach 30 Sekunden den Knoblauch hinzugeben. Darauf achten, dass nichts braun wird.
  5. Den Tofu dazugeben und unter Rühren weitere 30 Sekunden braten. Jetzt die Nudeln hinzugeben und alles gründlich vermischen. Zwei Drittel der Saucenmischung dazugeben und wieder gründlich vermischen. Die Nudeln sollten jetzt weich werden, aber nicht matschig. Sie dürfen aber auch nicht mehr zäh sein. Gegebenenfalls noch von der restlichen Saucenmischung oder etwas heisses Wasser zugeben.
  6. Mit dem Holzspatel die Nudelmasse in eine Hälfte der Pfanne schieben. Auf die freie Fläche einen Spritzer Öl geben. Die Eimasse hineingleiten lassen, kurz stocken lassen und dann mit dem Spatel zerteilen. Es sollte mehr einem Rührei als einem Omelett ähneln. Sobald das Ei zu einer festen Masse geworden ist, mit der Nudelmasse vermengen.
  7. Schliesslich die Mungbohnenkeimlinge, die Erdnüsse und das Grüne der Frühlingszwiebeln hinzufügen.
  8. Alles nochmals gründlich vermischen und solange weiterbraten, bis die Frühlingszwiebeln weich geworden sind.
  9. Servieren und mit Limette abschmecken. Eventuell noch mit etwas Chiliflocken nachwürzen.
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