Publiziert 14. Sep. 2022, 12:18
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Fahrverbot zum Reitplatz

Manch einer redet von einem behördlichen Schnellschuss

Vor allem die Folgen des Fahrverbots zum Ausflugsort und Sportplatz Reitplatz sorgen für rote Köpfe.

G
George Stutz
Ohne Stirnlampe oder Handylicht ist der Weg über die Töss zum  Reitplatz oder zurück zum Parkplatz Bannhalde kaum zu bewältigen.

Ohne Stirnlampe oder Handylicht ist der Weg über die Töss zum Reitplatz oder zurück zum Parkplatz Bannhalde kaum zu bewältigen.
Fotomontage: gs

Wolfgang Schickli, Präsident des FC Töss, ärgert sich im Zusammenhang mit dem Fahrverbot und den stark eingeschränkten Zufahrterlaubnissen über mangelndes Fairplay, Verantwortungsbewusstsein und Respektverhalten der Behörde (ausgenommen Sportamt). Nicht begreifen kann er, weshalb die vom Fahrverbot am stärksten Betroffenen, also die Gastwirte des Reitplatz-Restaurants und der FC Töss, nicht ernsthaft in die Entscheidung involviert wurden. Er erinnert sich: «Wir hatten mit Vertretern der Stadt zwei Meetings. Auf jedes Meeting haben wir eine ausführliche Stellungnahme geschrieben mit Vorschlägen, Anpassungen und Korrekturen am präsentierten Vorgehen. Auf keine Stellungnahme haben wir ein Feedback erhalten. Mit der Ankündigung der definitiven, abgeänderten Umsetzung wurden wir überrumpelt, obwohl wir vereinbart haben, dass die Kommunikation vorgängig mit uns abgesprochen wird.»

Schnellst umsetzbare Lösung durchgeboxt

Er, aber auch Reitplatz-Wirt Mario Bariffi verstehen nicht, weshalb keine für alle passende Lösung gesucht wurde. «Sie hängen alles an drei, vier prekären Wochenenden auf. Mit dem vorübergehenden Parkverbot entlang der Reitplatzstrasse konnten wir einigermassen leben, nicht aber mit dem seit 1. Juli geltenden Regime. Seither haben wir an unserem umsatzstarken Wochenendtagen bis 50 Prozent weniger Einnahmen. Längerfristig kann dies an die Existenz gehen.» Dabei nervt sich Bariffi nicht primär über das Fahrverbot an und für sich, sondern, dass die Signalisation nicht klar genug vorgibt, dass Restaurantbesucher auch weiterhin auf den vor der Gaststätte bezeichneten Parkplätzen parken dürfen. «Die meisten schreckt das Fahrverbotsschild so ab, dass sie gleich umdrehen und den Hinweis ‹ausgenommen Berechtigte› nicht beachten. Viele unserer Kunden sind schlecht zu Fuss, weshalb sie alternativ ihr Auto auch nicht auf dem Parkplatz Bannhalde abstellen, sondern eben irgendwo anders ihr Bierchen trinken gehen.»

Im Stockdunkeln über Töss und Waldpfade

Mit der eigenmächtigen Umsetzung und den Folgen des Fahrverbotes hat auch FC-Töss-Präsident Wolfgang Schickli seine liebe Mühe: «Wir haben einige Parkkarten, die wir unseren Funktionären, aber auch Schiedsrichtern oder Spielern aushändigen können. Trainieren aber mehrere Mannschaften gleichzeitig, oder finden Matches statt, reichen die Zufahrtsberchtigungen zum Reitplatz weder für die FC-Töss-Mitglieder, noch für die gegnerischen Teams, geschweige denn für die Zuschauer. Dann muss auf den Parkplatz Bannhalde auf die andere Seite der Töss ausgewichen werden. Jetzt im Herbst und im Winter fehlt aber eine Wegbeleuchtung, was den Pfad im Dunkeln durch ein Wäldchen, Treppenstufen und über die Brücke zum Parkplatz gefährlich macht.»
Ein bisher treuer Matchbesucher (Name der Red. bekannt) auf dem Reitplatz bestätigt diesen Umstand gegenüber «84XO» und hat auch gleich ein entsprechendes Video mitgeschickt: «Ohne Stirnlampe oder Handylicht ist der Weg aktuell bereits um 21 Uhr eine Zumutung. Da können sie darauf warten, bis sich jemand verletzt oder gar Opfer eines Verbrechens wird. Nicht nur ich überlege mir, abends überhaupt noch Matches des FC Töss zu besuchen.»

Brüttemertunnel kontra Notlicht

Wolfgang Schickli hat betreffend der fehlenden Beleuchtung Stefan Fritschi um eine Stellungnahme gebeten. Fritschi lehnt in seiner Antwort eine Beleuchtung ab und begründet dies so: «Die von Ihnen angeschnittene Frage eines beleuchteten Zugangs zum Areal vom Parkplatz Bannhalde ist nicht Gegenstand des laufenden Verkehrsprojektes. Aufgrund von übergeordneten Projekten (Brüttener-Tunnel der SBB, Revitalisierung der Töss durch den Kanton mit voraussichtlicher Verschiebung der Brücke) können wir hierzu zum jetzigen Zeitpunkt nicht weiter tätig werden und behalten das Anliegen bei diesen Planungen im Auge. Im Zuge des laufenden Projekts zur Ertüchtigung der Sportplatzbeleuchtung wird mit dem Sportamt geprüft, ob eine Beleuchtung wenigstens punktuell ermöglicht werden könnte. Mit dem auf dem Reitplatzareal aktuell weiterhin erlaubten Zubringerdienst und der vorhandenen Parkierungsmöglichkeit in Zusammenhang mit dem Fussball erachten wir die Sicherheitsthematik bezüglich der Bannhalde allerdings als nicht gravierend.» Fritschi weist zudem darauf hin, dass die Stadt 100’000 Franken in grundwasser-konforme Parkplätze im Reitplatz investieren und damit dazubeitragen wird, dass nicht auch jetzt noch zur Verfügung stehenden Parkplätze verschwinden werden.

Wolfgang Schickli zeigt sich aufgrund der Antwort Fritschis haltlos: «Ich teile die Meinung des Zuschauers, da muss aufgrund fehlender Beleuchtung beim Zugang Parkplatz Bannhalde, aber auch entlang der Reitplatzstrasse vermutlich zuerst ein Unglück passieren, um ein Umdenken der Stadt zu erzwingen.»

An Beleuchtung fehlts auch andernorts

Bereits seit Jahren wünschen die FC-Töss-Verantwortlichen eine Beleuchtung der Reitplatzstrasse, sodass ein Grossteil der 350 Junioren und Juniorinnen auch in den Herbst- und Wintermonaten möglichst sicher per Zweirad ins Training fahren kann. Stattdessen haben die Behörden «aufgrund des regen Wildwechsels» eine solche abgelehnt. Dies mit dem Resultat, dass viele Eltern ihre Kinder in der Dunkelheit weiterhin per Auto sicher zum Training und wieder nach Hause fahren. Da sie aufgrund der neuen Verkehrsanordnung nun die Kinder in der Regel nur noch aus- und einsteigen lassen dürfen und deshalb den Trainings nicht mehr beiwohnen oder sich in der Zeit nicht mehr am FC-Töss-Stand verköstigen können, fahren viele Elterntaxis viermal pro Abend durch den Wald. «Auch für die Eltern ist diese Situation extrem unbefriedigend. Einige überlegen sich, ihre Kinder in andere Klubs zu transferieren, was für unseren Verein schädlich und am Ende auch existenzgefährdend wäre», sagt Schickli.

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