Publiziert 25. Nov. 2022, 11:47
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Wegen RS-Virus

Kinderklinik Winterthur ist am Limit

Schweizweit sorgt eine Atemwegsinfektion für volle Betten in den Kinderspitälern. So auch in Winterthur, wo gar von einem Notstand gesprochen wird.

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red
Das Kinderspital in Winterthur vermeldet derzeit einen Notstand. Der Grund ist unter anderem das RS-Virus.

Das Kinderspital in Winterthur vermeldet derzeit einen Notstand. Der Grund ist unter anderem das RS-Virus.
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Nicht das Coronavirus, sondern das Respiratorische-Synzytial-Virus, kurz RS-Virus, sorgt derzeit dafür, dass in vielen Kinderspitälern sämtliche Betten belegt sind. Neu ist das Virus nicht, verursacht es doch gemäss dem Bundesamt für Gesundheit jährlich im Herbst und Winter für Epidemien. Diese sind alle zwei Jahre besonders stark – derzeit ist die Welle aber auf einem Maximalbereich, wie Christoph Berger, Chefarzt Infektiologie und Spitalhygiene am Kinderspital Zürich, gegenüber «SRF» sagte. «Wir gehen davon aus, dass während den zwei Jahren der Pandemie weniger dieser Viren zirkuliert sind, weil wir Massnahmen zur Einschränkung der Zirkulation der Covidviren getroffen haben.» Jetzt würden die Viren wieder frei zirkulieren, weshalb nicht nur Säuglinge, sondern mehr ältere Kinde daran erkranken würden.

Dass die Infektionszahlen diesen Herbst besonders hoch sind, spürt auch das Kantonsspital Winterthur. Wie Traudel Sauernmann, Chefärztin der Kinder- und Jugendmedizin am KSW, gegenüber dem «Landboten» sagte, sei die Klinik komplett überlastet. «Wir haben sehr viele kleine Patienten und oft keine freien Plätze mehr für sie.» Dabei sind gerade Säuglinge, die am RS-Virus erkrankt sind, auf eine medizinische Versorgung angewiesen: Während bei Jugendlichen und Erwachsenen Schnupfen, starker Husten, Fieber und häufig auch eine Bindehautentzündung zu den Symptomen zählen, kann das Virus bei Kleinkindern zu akuter Bronchitis oder in schweren Fällen zu einer Lungenentzündung führen. Gemäss der Chefärztin verstopft das sehr zähe Sekret Nasen und Bronchien und behindert die Atmung. «Sie benötigen oft zusätzlichen Sauerstoff», so Sauernmann gegenüber dem «Landboten».

Finanzielle Mittel fehlen

Die Kinder in andere Spitäler zu verlegen, sei schwierig, zumal auch diese überlastet sind. So behalte man die Kinder teilweise über Nacht im Notfall oder verlege sie temporär auf andere Stationen im KSW, die freie Betten hätten. In der Pädiatrie genügend Kapazitäten bereitzustellen – Laut Saurenmann sind rund 20 Prozent der Betten wegen Unterbesetzung geschlossen – erweist sich als kompliziert, weil es sich um ein saisonales Geschäft handelt: Während die Kinderkliniken im Sommer unterbelegt sind, stossen sie im Winter an ihre Kapazitätsgrenzen. Neben dem Fachkräftemangel nannte die KSW-Chefärztin gegenüber dem «Landboten» einen weiteren Grund für den derzeitigen Notstand: «Die Kindermedizin gehört zu den am stärksten unterfinanzierten Bereichen in der Medizin. Für die Behandlung von Kindern wird zu wenig vergütet.»

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