Publiziert 31. Okt. 2022, 07:58
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Viertagewoche ab 2023

In Sachen Arbeitsplatz-Attraktivität einen innovativen Schritt weitergehen

Die Hasler + Co AG wird als eines der ersten Unternehmen der Region in ihrem Winterthurer Proficenter die Viertagewoche einführen.

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George Stutz

Seit der Gründung vor 169 Jahren wird die Winterthurer Firma Hasler + Co AG als Familienunternehmen geführt. Christof Hasler steht der Hasler-Gruppe als Vertreter der fünften Generation vor. An fünf Standorten in der Schweiz betreibt das Traditionsunternehmen Detailgeschäfte der Eisenwaren- und Werkzeugbranche. Neben dem «Profi Onlineshop» und dem für professionelle Sicherheits- und Zutrittstechnik stehenden Bereich «Die Zutrittsexperten» wird der Firmenhauptsitz in der Winterthurer Grüze vom «Hasler Proficenter» geprägt. Im grosszügig gestalteten Laden findet sich alles, was das auf Qualität bedachte Handwerkerherz begehrt – egal, ob für den professionellen Baufachmann- oder den privaten Heimwerker.

Arbeitsbedingungen, die ihresgleichen suchen

Seit jeher standen und stehen bei Hasler aber nicht nur die kleinste Schraube, der längste Nagel, Werkzeuge für jegliche Bedürfnisse, die neusten Verbindungssysteme, trendige Arbeitsbekleidung und Sicherheitskomponenten im Zentrum der Verkaufstätigkeiten, sondern primär das entsprechend ausgebildete, kompetente Personal, wie Ernst Modalek, Mitglied der Geschäftsleitung, erklärt. «Wir setzen auch bezüglich unseren Mitarbeitenden auf hohe Qualität und verlangen von ihnen entsprechend viel ab. Gleichzeitig sind wir in unserer Branche eines der wenigen Unternehmen, die noch Lehrlinge ausbilden.» Um willige Nachwuchsberufsleute, aber auch erfahrene Verkaufsprofis motivieren und begeistern zu können, habe Hasler schon jeher für ein überdurchschnittliches Arbeitsklima und beste Rahmenbedingungen gesorgt. Trotz dieser Bemühungen sei es in den letzten Jahren aber zusehends schwieriger geworden, die ausgebildeten Lehrlinge halten und offene Stellen im Winterthurer Laden mit Fachpersonal besetzen zu können.

Ernst Modalek

Ernst Modalek
George Stutz

Ernst Modalek, Mitglied der Geschäftsleitung

«Wir hinterfragen unser Personalmarketing stetig zugunsten noch besserer Arbeitsbedingungen»

«Wir haben beispielsweise rund 15 Monate lang vergeblich zwei neue Verkaufsberatende im Bereich Beschläge oder eben solange einen Teamleiter gesucht», so Modalek. «Dies hat uns Anfang Sommers dazu bewogen, unser Personalmarketing zu überdenken und verschiedene Modelle hin zu einer zusätzlichen Steigerung der Arbeitsplatzattraktivität auszuarbeiten.»

Eine Stunde pro Tag leisten Mitarbeitende täglich mehr, die andere übernimmt Hasler

Kürzlich stellte die Hasler-Geschäftsleitung die Neuerungen – mit Start am 1. Januar 2023 – den Mitarbeitenden vor. Dabei wird dem gesamten Personal neben der bisherigen grosszügigen Auslegung von Teilzeitarbeitsmodellen oder der Gewährung von unbezahlten Urlauben neu eine Woche mehr Ferien genehmigt. Das Winterthurer Ladenpersonal kommt zudem neu in den Genuss einer Viertagewoche. «Wir wollen dies als eines der ersten Unternehmen in der Region testhalber ein Jahr lang durchziehen, mit der Option es danach weiterzuführen und möglichweise auch auf zusätzliche Geschäftsbereiche auszuweiten», sagt Ernst Modalek.

Wo in anderen Firmen der Arbeitsaufwand von fünf Tagen neu mit täglich deutlich längeren Arbeitszeiten in vier Tagen bewältigt werden muss, kommt Hasler seinen Mitarbeitenden gleich noch einmal entgegen. «Bei uns wird ab nächstem Jahr während vier Tagen die Woche nur je eine statt gut zwei Stunden länger gearbeitet, das heisst statt wie bisher 8,5 werden neu 9,5 Stunden gearbeitet. Dies bei einem 100-Prozent-Lohn», so Modalek. Da dieses tägliche Arbeitspensum den Ladenöffnungszeiten von Montag bis Freitag entspreche, würden die bisherigen zusätzlichen Arbeitsschichten wegfallen.

Nachhaltiger Nebeneffekt

Der Geschäftsleitung von Hasler + Co ist bewusst, dass bis zur Umsetzung im Januar noch einige Hürden zu nehmen sind. «Natürlich sind nicht alle der rund 30 in den Genuss der Viertagewoche kommenden Mitarbeitenden auf Anhieb restlos begeistert, zumal auch die Einteilung, wer, wann seinen freien Tag beziehen kann, erst in der kommenden Zeit durch die Teamleiter vorgenommen wird», sagt Ernst Modalek. Die positiven Rückmeldungen würden aber deutlich überwiegen, zwei der freien Stellen habe das Unternehmen mit der Aussicht auf die Neuerung erfreulicherweise bereits besetzen können.

Zumal einige der Mitarbeitenden aus dem süddeutschen Raum fortan nur noch vier Tage die Woche nach Winterthur zur Arbeit und zurückfahren müssen, leiste das neue Arbeitsmodell nicht nur einen Beitrag fürs Arbeitsklima, sondern auch an den Klimaschutz.

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