Publiziert 25. Aug. 2022, 10:01
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28 von aussen erschlossene Schulzimmer

In Oberwinterthur wird Schulbaugeschichte geschrieben

Rund drei Jahre nachdem das Winterthurer Volk dem neuen Schulhaus Wallrüti zugestimmt hatte, wurde es gestern Mittwochnachmittag eröffnet.

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George Stutz
Der Neubau mit geschwungener Erschliessung der drei Geschosse.

Der Neubau mit geschwungener Erschliessung der drei Geschosse.
George Stutz

In der Volksabstimmung vom 19. Mai 2019 wurde ein Kredit über rund 28 Millionen Franken für den Neubau des Schulhauses Wallrüti mit 84 Prozent Ja-Stimmen angenommen. Diese Woche hat nun das neue Schulhaus Wallrüti seinen Betrieb aufgenommen. 420 Sekundarschülerinnen und -schüler kommen in 24 lichtdurchfluteten und einzig direkt von aussen zugänglichen Schulzimmern in den Genuss eines neuartigen Unterricht-Ambientes.

Der vom Zürcher Architekturbüro Schneider Studer Primas konzipierte Neubau stellt mit seiner aussen liegenden, offenen Erschliessung das klassische Grundkonzept von Schulbauten auf den Kopf. Dieser radikale Ansatz ermöglicht ein kompaktes Gebäudevolumen mit einem Minimum an beheizter Fläche und haustechnischen Installationen.

Optisch sind die beiden Teile des Gebäudes – die Erschliessung und der Schulbereich – klar getrennt: Alle Räume für den Schulbetrieb bilden zusammen einen rechteckigen, dreigeschossigen Baukörper mit 69 Metern Länge und 23 Metern Breite. Um diesen herum ist die offene Erschliessungszone aus Beton mit verzinkten Stahlstützen und Geländern angeordnet. Die geschwungenen Laubengänge und die spiralförmig angelegten Treppenzugänge erinnern an eine Wolke, die sich sanft um das kubische Gebäude schmiegt. Die dreigeschossige Erschliessungszone ist eng mit dem baumbestandenen Grünraum verwoben. Dazu tragen auch die in den Öffnungen der Erschliessungsplattformen gepflanzten Bäume bei.

Schule auf dem Laubengang

Die drei Geschosse des Schulgebäudes werden unterschiedlich genutzt: Im Erdgeschoss sind alle Räume für Unterrichtsfächer wie Naturkunde, Handarbeit und Kochen untergebracht. Dazu gehören unter anderem drei Schulküchen. Das erste Obergeschoss umfasst neben zwölf Klassenzimmern und vier Gruppenräumen Sitzungs- und Arbeitsräume für die Lehrerpersonen, das Schulsekretariat, die Bibliothek sowie ein multifunktional nutzbares Foyer in der Zugangsachse. Das zweite Obergeschoss gehört ganz den Klassen und bietet Raum für 16 Schulzimmer sowie vier Gruppenräume.

Jeweils zwei Flügel der Schulzimmer-Verglasungen können komplett geöffnet werden – dies ermöglicht es im Sommer, einen Teil des Schulbetriebs ins Freie zu verlegen. Die vorgelagerten Lauben dienen nicht nur als Erschliessung und Schulzimmer im Freien, sondern spenden im Sommer auch Schatten.

Einiges muss sich noch einspielen

Wallrüti-Schulleiterin Maja Steffen zeigt sich von der ersten Erfahrungen grösstenteils begeistert: «Einiges wird sich aber auch erst noch einspielen müssen. Beispielsweise führen die grossen Fensterflächen insbesondere bei den Eck-Schulzimmern für lichtdurchflutete Räume, gleichzeitig werden die Schüler aber auch von Geschehnissen im Aussenraum abgelenkt.» Zudem sei ein Unterricht mit offenen Fenstern und teilweise im Freien abgehalten kaum durchführbar, da der Geräuschepegel für die danebenliegenden Schulklassen dadurch zu hoch werde.

Obwohl sich noch einiges einpendeln muss, setzt das neue Schulhaus Wallrüti aber durchaus einen Meilenstein. Wer trotzdem noch dem Cor-Ten-Schulhaus nachtrauert, kann im Moment noch Alt neben Neu betrachten. Das alte Schulhaus wird aktuell zurückgebaut, die ebenfalls hinter einer Rostfassade stehende Doppelturnhalle und der Singsaal wurden sanft saniert und sollen ihren Dienst noch rund zehn Jahre versehen.

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