Publiziert 08. Jan. 2023, 09:06
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Neue ECW-Geschäftsführerin im Interview

«Ich kann mein Hobby zum Beruf machen, das ist ein Traum»

Alyssia Kugler war viele Jahre ehrenamtlich für den Entrepreneur Club Winterthur tätig, nun verdient sie Geld für ihr Engagement. 84XO hat die neue Geschäftsführerin verraten, wie sie Winterthur zur Start-up-City machen will.

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Ramona Kobe
Alyssia Kugler erhofft sich von der neuen Position als Geschäftsführerin des Entrepreneur Club Winterthur, einen Impact zu hinterlassen.

Alyssia Kugler erhofft sich von der neuen Position als Geschäftsführerin des Entrepreneur Club Winterthur, einen Impact zu hinterlassen.
zvg

Am vergangenen Donnerstag teilte der Entrepreneur Club Winterthur (ECW) mit, dass er mit Alyssia Kugler als Geschäftsführerin eine erste Vollzeitstelle schuf. Damit knüpft er dort an, wo er 2019 von der Pandemie ausgebremst wurde. Denn schon damals stellte er eine Geschäftsführerin ein, ehe diese aufgrund von Corona und damit fehlenden Sponsoringbeiträgen im gemeinsamen Einverständnis weiterzog. «Wir stellten fest, dass die Stelle mehr Tempo und Professionalität bringt», sagt Kugler. Das solle sie nun wieder tun. 84XO hat mit der ehemaligen Co-Präsidentin über ihre neue Rolle gesprochen.

Alyssia Kugler, wieso ist der jetzige Zeitpunkt der richtige, dass der ECW wieder über eine Geschäftsführerin verfügt?

Alyssia Kugler: Wir sind in den letzten Jahren enorm gewachsen. Für die Vorstandsmitglieder, alle mit einem Fulltime-Job, wurde es zunehmend schwieriger, den Überblick zu behalten. Mit der Stelle können wir die vielen Freiwilligen entlasten, insbesondere in der Koordination. Dennoch braucht es ihre Leistungsbereitschaft nach wie vor. Die Freiwilligen haben den ECW zu dem gemacht, was er heute ist. Der Erfolg gehört ihnen und sie sollen sich auch in Zukunft an unserem Erfolg beteiligen können.

Wie ist die Wahl auf Sie gefallen?

Wir schrieben die Stelle extern und intern aus. Uns erreichten viele gute Bewerbungen – teilweise allerdings mit Lohnvorstellungen, die wir nicht hätten zahlen können. Der Vorstand entschied sich für jemanden aus dem eigenen Haus, der die Organisation bereits kennt und ein grosses Netzwerk hat, dafür aber weniger Management-Erfahrung mitbringt.

Nebst Ihnen bewarb sich jemand vom Vorstand auf die Stelle. Wie konnte eine faire Entscheidung getroffen werden?

Wir zogen eine externe HR-Person heran, die mit uns beiden sprach und uns aus einem neutralen Blickwinkel beurteilen konnte. Ich selbst und auch die andere Person wurden aus dem Entscheidungsprozess natürlich ausgeschlossen.

Wieviel hatte Raphael Tobler als Gründer des ECW mitzureden?

Er ist ja heute auch noch im Vorstand und kennt aus anderen Organisationen die Wichtigkeit von Wachstum und Professionalisierung. Darum hat er den Entscheid für die Geschäftsstelle absolut befürwortet. Beim Entscheid welche Person die Stelle bekommt, hatte er aber nicht teilgenommen. Er vertraut dem restlichen Vorstand und will sich nicht mehr überall involvieren.

Seit Juni waren Sie Co-Präsidentin, zusammen mit Michael Kubli. Wie werden sich Ihre Aufgaben nun unterscheiden?

Ich werde mehr operativ und weniger strategisch tätig sein. Zudem betreue ich eine Praktikantin, die ebenfalls angestellt ist. Der Vorstand – und somit auch das Präsidium – ist nun mein Vorgesetzter. Unser Verhältnis ist aber sehr kollegial; ich werde von ihnen nicht kritisiert, sondern viel mehr challenged.

Alyssia Kugler

«Zwei Tage pro Jahr reichen nicht, damit sich Winterthur weiter zur Start-up-City entwickelt»

Sie studierten Kommunikation, jetzt haben Sie eine Management-Funktion. Liess Sie Ihr Werdegang auch zweifeln?

Viele meiner neuen Aufgaben haben mit Kommunikation zu tun. Wenn ich mit unseren Partnern oder Volunteers spreche, muss ich kommunikativ stark sein, die richtigen Wörter und den richtigen Tonfall finden. Was hinzu kommt, ist, dass ich beim Kommunizieren unternehmerisch denken und inspirierend führen muss. Es ist also ein Mix aus Management, Leadership und Kommunikation. Bei für mich neuen Aufgaben, wie etwa der Buchhaltung, erhalte ich Unterstützung.

Was erhoffen Sie sich von der Vollzeitstelle?

Ich kann mein Hobby zum Beruf machen, das ist ein Traum. Deshalb hoffe ich, einen Impact zu hinterlassen.

Welche konkreten Pläne schweben Ihnen vor?

Wir möchten die «Startup Nights» noch grösser machen, uns aber nicht darauf reduzieren. Zwei Tage pro Jahr reichen nicht, damit sich Winterthur weiter zur Start-up-City entwickelt. Deshalb machen wir das ganze Jahr durch mit ungefähr 20 Events, darunter Workshops, Networking-Events, Sensibilisierungsprojekten in der Politik oder auch Programme für den unternehmerischen Nachwuchs, etwas für die werdende Start-up-City. Wir wollen zum Gründen inspirieren, den bestehenden Start-ups Hürden aus dem Weg schaffen und ihnen die richtigen Kontakte vermitteln.

Was braucht es noch?

Eines der Ziele, das ich in den nächsten Monaten angehen möchte, ist das Nachwuchsprogramm. Wir wollen die Gründung einer Firma als Karriereoption bekannter machen. Ausserdem möchten wir die Bedeutung von Start-ups für unsere Wirtschaft messbar machen und anhand von Zahlen und Fakten beweisen, wieso neue Unternehmen so wichtig sind.

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