Publiziert 13. Mai 2022, 10:35
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Plus von 16 Millionen Franken

Gewinn von Stadtwerk hat sich gegenüber 2020 halbiert

Stadtwerk Winterthur hat 2021 einen Gewinn von 16 Millionen Franken nach Abzug der Vergütung von 12 Millionen Franken an den städtischen Haushalt erzielt. 2020 war das positive Ergebnis noch doppelt so hoch. Grund sind die letztes Jahr um ein Vielfaches gestiegenen Energiepreise.

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red
2021 hat Stadtwerk Winterthur einen Gewinn von 16 Millionen Franken erzielt.

2021 hat Stadtwerk Winterthur einen Gewinn von 16 Millionen Franken erzielt.
Talina Steinmetz

Die stark angestiegenen Energiepreise auf den europäischen Märkten wirkten sich im vergangenen Jahr negativ auf das Betriebsergebnis von Stadtwerk Winterthur aus. Wie die Stadt in einer Medienmitteilung verkündet, hat sich der Gewinn 2021 gegenüber dem Vorjahr halbiert. Das Plus beträgt 16 Millionen Franken – nach Abzug der finanziellen Vergütung von 12 Millionen Franken an den steuerfinanzierten Haushalt der Stadt. Hingegen ist der Gesamtumsatz mit 239 Millionen Franken nahezu gleich ausgefallen wie im Vorjahr. Aufgrund der «weiterhin angespannten Situation der Energiemärkte», wie die Stadt weiter schreibt, müsse auch mit Folgen für das laufende sowie die kommenden Jahre gerechnet werden.

Einen Einfluss aufs Stadtwerk-Ergebnis hatte laut der Mitteilung, dass 2021 die Heizgradtage zunahmen. Sowohl der Fernwärmeabsatz (+15 Prozent) wie auch die durchgeleitete Menge Gas (+13 Prozent) ist letztes Jahr angestiegen. Diese zusätzliche Menge Gas habe Stadtwerk Winterthur teuer einkaufen müssen. Nur leicht erhöht habe sich dagegen die durchgeleitete Menge Strom. Zwar benötigen die vermehrt installierten Wärmepumpenheizungen mehr Strom, insbesondere bei kalter Witterung. Aber wegen Corona bezogen gewisse Gewerbekunden 2021 weniger Strom, beispielsweise Fitnesscenter und Restaurants.

Versorgung jederzeit sichergestellt

Die Leistungserbringung des Tagesgeschäfts sei auch 2021 trotz der Pandemie zu keiner Zeit eingeschränkt gewesen, betont die Stadt im Schreiben. «Stadtwerk Winterthur hat für die sichere Versorgung von Winterthur mit Wasser, Strom, Gas, Wärme und Glasfaserkommunikation gesorgt, ebenso wie für eine funktionierende Abwasserreinigung und Kehrichtverwertung. Dies ist nicht zuletzt auch der vorausschauenden Infrastrukturplanung und deren Unterhalt durch Stadtwerk Winterthur zu verdanken.» Die bereits vor der Pandemie erarbeiteten Schutzkonzepte hätten funktioniert.

Im vergangenen November kommunizierte die Stadt, dass der Gastarif auf Anfang 2022 erhöht werden soll. Weil jedoch ein Rekurs dagegen noch hängig ist, bleiben die Gaspreise von 2021 in Kraft. «Dies führt bei Stadtwerk Winterthur zu Einnahmenausfällen in der Höhe von mehreren Millionen Franken», schreibt die Stadt dazu.

Mehr Wärmepumpen als fossile Heizungen

Gemäss Stadt hat der eingeschlagene Weg zu einer nachhaltigeren Wärmeversorgung von Winterthur 2021 erste Früchte getragen. So wurden letztes Jahr erstmals mehr Wärmepumpen als fossile Heizsysteme in Betrieb genommen. Ein Zeichen dafür, dass die Sensibilisierung der Bevölkerung gegenüber nachhaltigen Wärmelösungen generell stark zugenommen habe, sei die deutlich angestiegene Nachfrage nach Energieberatungen.

Das Winterthurer Netto-Null-CO2-Ziel bis 2040 und das neue kantonale Energiegesetz – beide Vorlagen wurden 2021 vom Stimmvolk angenommen – bilden die Grundlage für den Umbau zu einer klimafreundlichen Energieversorgung. Die Gasversorgung wird stufenweise reduziert und so der Ausstieg aus der fossilen Wärmeversorgung vorangetrieben. Gleichzeitig erfolgt ein Ausbau der Wärmenetze. «Dieser stellt eine grosse Herausforderung dar und erfordert sehr hohe Investitionen», so die Stadt.

Den neuen Wärmeverbund an der Rudolf-Diesel-Strasse, der im Herbst in Betrieb geht, bezeichnet die Stadt als «ein erster Meilenstein im Umbau der Winterthurer Wärmeversorgung». Weitere Wärmeverbünde würden folgen beziehungsweise bestehende verdichtet. Für mehr Wärme werde auch die Kehrichtverwertungsanlage nach Abschluss des geplanten Erneuerungsprojekts sorgen. Jedoch seien solche umweltfreundliche Wärme nur in beschränkten Mengen vorhanden, weshalb die energetische Sanierung von Winterthurer Gebäuden ebenfalls ein wichtiger Pfeiler zur Erreichung der städtischen Energie- und Klimaziele sei.

«Unvorhersehbare Folgen» des Kriegs

Die Stadt geht davon aus, dass die Energiepreise für die Kundschaft von Stadtwerk steigen werden. Eine Entspannung an den europäischen Energiemärkten sei nicht in Sicht, die Preise für Gas und Strom seien weiterhin auf hohem Niveau. Auch sonst sieht die Zukunft nicht so rosig aus. Zwar stützen gewisse Corona-Hilfen des Bundes momentan die Wirtschaft noch. Wie lange diese davon noch profitiert, ist aber unklar. Und mit dem Krieg in der Ukraine ist die Welt bereits in die nächste Krise geschlittert. «Folgen und Ausgang sind momentan nicht vorhersehbar», so die Stadt. Es sei jedoch davon auszugehen, dass sich die Geschehnisse negativ auf die Geschäftstätigkeit von Stadtwerk auswirken würden.

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