Publiziert 25. Apr. 2022, 08:02
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Geheimgang 188 feiert Jubiläum

Fünf Jahre Achterbahnfahren

Noch im Oktober stand der Geheimgang 188 kurz vor dem Aus, nun feiert er sein fünfjähriges Bestehen mit einer grossen Feier. Co-Gründer Cédric Holenstein blickt zurück auf die letzten fünf Jahre mit vielen Highlights, aber auch Tiefpunkten.

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Ramona Kobe
Miro Hintermüller (l.) und Cédric Holenstein brachten aus einer Bier-Idee den Geheimgang 188 hervor und feiern nun sein fünfjähriges Bestehen.

Miro Hintermüller (l.) und Cédric Holenstein brachten aus einer Bier-Idee den Geheimgang 188 hervor und feiern nun sein fünfjähriges Bestehen.
Nadine Kägi

«Die beiden Studenten Cédric Holenstein und Miro Hintermüller eröffnen im Frühjahr 2017 das erste ‹Escape Game› in Winterthur.» So lautete der erste Satz der ersten Medienmitteilung vom Geheimgang 188, publiziert am 30. September 2016. In einem klassischen «Escape Game» gehe es darum, dass man in einer Stunde aus den Spielräumen ausbricht, folgte die Erklärung von Hintermüller zum neuen Freizeitangebot auf dem Lagerplatz. Am 25. März 2017 war es dann so weit: Die ersten Besucherinnen und Besucher schlüpften in die Rolle des Detektivassistenten Watson und mussten innerhalb einer Stunde ihren Weggefährten, Sherlock Holmes, retten.

Heute, rund fünf Jahre später, besteht der Rätselraum noch immer. Studenten sind die Co-Gründer allerdings längst keine mehr. Und auch eine Erklärung für das Spielkonzept ist mittlerweile überflüssig. Der Geheimgang 188 ist in Winterthur etabliert und hat in der Zwischenzeit einige Mitbewerber mit ähnlichen Angeboten bekommen. Was aus der ursprünglichen Bier-Idee der beiden Freunde, die sich vor über 20 Jahren in der Pfadi kennenlernten, entstanden ist, können sie selbst kaum glauben. «Absolut crazy», versucht Cédric Holenstein die letzten fünf Jahre in einem Satz zu beschreiben. «Unser Escape Room ist heute grösser und cooler, als wir es uns jemals hätten erträumen können.» Ihre Freude wollen die Escape-Room-Betreiber nun an einer grossen Jubiläumsfeier mit ihren Freunden, Bekannten und allen weiteren «Geheimgang-Fans» teilen.

Diese findet am Freitag, 29. April, statt – mit Hotdogs von Frau Hund, einer aufgebauten Bar in den Katakomben sowie einem Konzert im Raum «Auf Sherlocks Spuren» von Carole Brunner von «Ginger And The Alchemists». «Und natürlich kommt auch das Spielen nicht zu kurz», so der 28-Jährige. Im mobilen Spiel «Giftige Rache» können die Gäste in 20 Minuten einen Kurz-Escape-Room spielen und die VR-Escape-Games testen und ausprobieren. Das Fest soll auch «exklusive Einblicke» in das neue Spiel ermöglichen und zeigen, was sich seit den Anfängen getan hat, fährt Holenstein fort.

Ehrgeizig und detailversessen

Eine einzige Achterbahn seien sie gewesen, die letzten fünf Jahre. «Zum Glück mit mehr Höhen als Tiefen», erzählt der ehemalige Publizistik- und BWL-Student. Als Highlight nennt er die Eröffnung neuer Spiele. Nebst dem Rätselraum «Auf Sherlocks Spuren» können die Besucherinnen und Besucher auch als Sondereinheit des Geheimdienstes das Versteck von Mr. Gschwind untersuchen oder in eine verlassene Mine herabsteigen und das tragische Geheimnis lüften, das sich im Inneren des Berges verbirgt. Auch virtuelle Abenteuer bietet der Escape Room im Untergrund der Sulzerhalle 188. «Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, wenn du die Freude einer Gruppe siehst, die dein Spiel, an dem du fast zwei Jahre rumgetüftelt hast, das erste Mal spielt», sagt Holenstein, der während des Studiums auf dem Bau jobbte und dadurch wichtiges Know-how sammelte. Denn: Die Winterthurer bauen ihre Spiele komplett eigenhändig.

Cédric Holenstein

«Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, wenn du die Freude einer Gruppe siehst, die dein Spiel, an dem du fast zwei Jahre rumgetüftelt hast, das erste Mal spielt»

Dabei sind sie sehr ehrgeizig und detailversessen; heute noch mehr als zu den Anfängen, findet Holenstein. «Unsere Ansprüche haben sich geändert. Uns wurde je länger je wichtiger, dass die Spielenden komplett in die verschiedenen Welten eintauchen können.» So würde er im ersten Escape Game in Winterthur einen Parkettboden reinlegen, könnte er die Zeit zurückdrehen. Auch deshalb geht dieser Ende Juli in den Ruhestand. «Vieles im Raum hat noch den Charme von unserem damals studentischen Entwicklergeist. Wir wollen aber Erlebnisse anbieten, die auf dem neusten Stand der Technik sind.» Zudem wollen die Geschäftsleiter, zu denen neu auch Technikspezialist Simon Eugster gehört, Raum für Neues schaffen. So sind sie im Moment mit dem Bau eines neuen Spiels beschäftigt, das noch dieses Jahr Eröffnung feiern soll. Worum es gehen wird, will Holenstein aber noch nicht verraten. «Nicht mal unsere 14 Spielleiterinnen und -leiter wissen Bescheid.»

Finanzielle Lage bleibt angespannt

Holenstein blickt nebst Freudemomenten auch auf einige Tiefpunkte zurück; insbesondere die Coronapandemie war «taff», wie er sagt. Der Spielbetrieb musste vorübergehend komplett eingestellt werden; die Einnahmen fielen auf einen Schlag komplett weg – die Kosten aber blieben bestehen. «Lange konnten wir uns gegen eine finanzielle Schieflage wehren und mit neuen Angeboten erfolgreich auf den Ausnahmezustand reagieren.» Weil die Kassen dennoch leer blieben, mussten die Winterthurer handeln und starteten im Oktober 2021 ein Crowdfunding. «Dieses war ein voller Erfolg. Innerhalb einer Woche hatten wir 50’000 Franken zusammen», zeigt sich der Co-Gründer nach wie vor überwältigt von der riesigen Solidarität. «Mit dem gesammelten Geld konnte der Standort ausgebaut und das neue Spiel fertig entwickelt werden.»

Cédric Holenstein: «Unsere Ansprüche haben sich geändert. Uns wurde je länger je wichtiger, dass die Spielenden komplett in die verschiedenen Welten eintauchen können.»

Cédric Holenstein: «Unsere Ansprüche haben sich geändert. Uns wurde je länger je wichtiger, dass die Spielenden komplett in die verschiedenen Welten eintauchen können.»
Nadine Kägi

Finanziell bleibt die Lage aber angespannt: «Wir haben die Einnahmen vom Crowdfunding grösstenteils aufgebraucht. Nun hoffen wir auf hohe Umsätze in den nächsten Monaten», sagt Holenstein. Dies sei entscheidend. Denn: Der Geheimgang 188 hat noch viel vor. Das Konzept Escape-Room sei noch nicht fertig entwickelt und verberge viel Potenzial. «Wir haben noch viele Ideen, wie wir die Rätsel-Erlebnisse weiterentwickeln können.»

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