Publiziert 19. Juni 2022, 08:00
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Neues Co-Präsidium im Interview

«Es macht Sinn, die Last auf zwei Schultern zu verteilen»

Der Entrepreneur Club Winterthur hat eine neue Doppelspitze: Alyssia Kugler und Michael Kubli haben das Zepter per sofort in der Hand. Im Interview verraten die beiden, weshalb sie sich perfekt ergänzen und wie sie die Eulachstadt zum Start-up-Hotspot Europas machen wollen.

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Ramona Kobe
Übernehmen das Präsidium des Entrepreneur Club Winterthur gemeinsam: Alyssia Kugler und Michael Kubli.

Übernehmen das Präsidium des Entrepreneur Club Winterthur gemeinsam: Alyssia Kugler und Michael Kubli.
Fotomontage: rk / zvg

Noch ist Raphael Tobler auf der Website des Entrepreneur Club Winterthur als Präsident aufgeführt. Doch nicht mehr lange. Der Gründer gibt sein «Baby» in die Hände von Alyssia Kugler und Michael Kubli, die den Verein im Co-Präsidium weiterführen werden. 84XO hat mit den beiden gesprochen – über Verantwortung, visionäres Denken und die Zukunft der hiesigen Start-up-Szene.

An der letzten «Startup Night» hat Raphael Tobler offiziell kommuniziert, dass er in seiner Rolle als Präsident des Entrepreneur Club Winterthur zum letzten Mal auf der Bühne steht. Wie überraschend kam diese Aussage für Sie?

Alyssia Kugler: Für uns war es nicht überraschend, weil Raphael uns bereits davor mitgeteilt hatte, dass er das Präsidium baldmöglichst abgeben möchte, weil er aufgrund seiner vielen Engagements keine Zeit mehr dafür hat. Für Externe war es vermutlich überraschend, weil Raphael den Entrepreneur Club Winterthur so stark verkörpert, dass man sich den Verein ohne ihn an der Spitze im ersten Moment nicht vorstellen konnte. Aber er bleibt uns ja im Vorstand erhalten. Als Nachfolgemöglichkeit fürs Präsidium waren wir uns einig, dass sein Amt jemand aus dem Vorstand, der schon lange dabei und stark involviert ist, übernehmen soll

So wie Sie beide.

Michael Kubli: Genau. Raphael hat enorm viel Power. Um mit ihm mithalten zu können, machte es in unseren Augen Sinn, das Präsidium gemeinsam zu übernehmen. Auch deshalb, weil wir uns sehr gut ergänzen.

Inwiefern?

Alyssia Kugler: Michael kennt sich in Sachen Infrastruktur, Technik und Eventorganisation gut aus, ich bin auf Kommunikationsseite und im Marketing stark.

Michael Kubli: Ich denke, wir können es zu zweit besser rocken als allein. Wir werden immer grösser, sind mittlerweile eine riesige Organisation. Da macht es Sinn, die Last auf zwei Schultern zu verteilen.

Sie sprechen es an; der Entrepreneur Club Winterthur zählt bereits über 2500 Mitglieder. Sie übernehmen eine ziemliche Verantwortung…

Michael Kubli: Das ist so. Je mehr Leute der Verein zählt, desto mehr Augen schauen auf dich. Das führt zu einem gewissen Druck. Es ist aber auch ein schönes Gefühl, ein Team aus Ehrenamtlichen zu führen, in dem alle am selben Strick ziehen.

Alyssia Kugler: Gleichzeitig steigt aber auch die Erwartung, dass wir zu zweit noch mehr Power haben – in einer Zeit, in der das Kernteam seit Januar wöchentlich wächst. Dadurch können wir zwar viele operative Aufgaben anderen Motivierten verteilen, jedoch nehmen auch der Initialaufwand für die Onboardings und der laufende Koordinationsaufwand zu.

Raphael Tobler übergibt Ihnen immer mehr seiner Aufgaben – der Wechsel an der Spitze verläuft fliessend. Wissen Sie bereits, was Sie anders machen werden als Ihr Vorgänger?

Michael Kubli: Raphael ist ein Vorbild für uns und hat uns super Weichen gestellt. Wir knüpfen dort an, wo er aufgehört hat.

Alyssia Kugler: Was wir unbedingt beibehalten wollen, ist das Momentum und das visionäre Denken. Wir überlegen nicht, was schiefgehen könnte, sondern was wir als Team erreichen können. Oder in anderen Worten: Wir haben stets die Lösung und nicht das Problem im Blick.

Michael Kubli: Wir müssen aber schauen, dass nicht alles bei uns hängen bleibt und wir die Verantwortung sowie das Wissen im Kernteam verteilen. So können wir uns besser aus das «Big Picture» konzentrieren. Dank der Doppelfunktion haben wir die Möglichkeit, uns auch mal rauszunehmen und unsere Arbeit aus einer Vogelperspektive zu betrachten.

Sie beide konnten als Vorstandsmitglieder wichtige Erfahrungen sammeln. Was bringen Ihnen diese für das neue Amt?

Alyssia Kugler: Um den Entrepreneur Club als Kommunikationsverantwortliche und Co-Präsidentin überhaupt repräsentieren zu können, hilft es, alle Ressorts im Überblick zu haben. Ausserdem weiss ich, wie ich kommunizieren muss, damit ich richtig verstanden werde.

Michael Kubli: Da kann ich anknüpfen. Weil ich bei den Events für die Infrastruktur zuständig war, kenne ich die Abläufe und weiss, wie diese zu organisieren sind. Zudem weiss ich auch, was alles schieflaufen kann, sodass nicht mehr die gleichen Fehler gemacht werden.

Wie kam es überhaupt dazu, dass Sie im Entrepreneur Club tätig sind?

Michael Kubli: Ich bin selbst Gründer eines Start-ups, welches ich direkt nach meinem Studium an der ZHAW gegründet habe. Damals hatte ich keine Ahnung, wie man ein Unternehmen aufbaut. Im Technopark habe ich dann andere Start-ups und Unternehmen kennengelernt. Diesen Austausch habe ich enorm geschätzt, und ich konnte stets von anderen Erfahrungen profitieren. Im Entrepreneur Club kann ich mich nun revanchieren und andere Jungunternehmer unterstützen. Ausserdem habe ich gemerkt, dass Vernetzen das A und O ist. Wer die richtigen Leute kennt, kommt sehr schnell sehr viel weiter.

Und Sie, Frau Kugler?

Alyssia Kugler: Ich wollte noch während des Studiums Praxis-Erfahrung sammeln – in einem Umfeld, in dem ich einfach machen durfte. Ich konnte ab Tag eins mitentwickeln und Verantwortung übernehmen. Das Unternehmertum fand ich schon immer inspirierend. Der Unternehmergeist wird noch viele innovative Ideen hervorbringen, die uns helfen, die Zukunft besser bewältigen zu können.

Das müssen Sie genauer erklären…

Alyssia Kugler: Grossunternehmen schaffen Stellen ab, weil sie Prozesse automatisieren oder ins Ausland abwandern. Start-ups hingegen schaffen Arbeitsplätze in der Schweiz – spannende Jobs der Zukunft, die nicht von Maschinen ersetzt werden können. Unser Ziel ist es auch, dieses Start-up-Ökosystem, zu dem etwa auch Universitäten und Investoren gehören, weiterzuentwickeln, indem wir immer mehr Player involvieren. Diese sollen Synergien künftig noch mehr nutzen – auch ohne «Anstupser» von uns.

Wie wollen Sie das erreichen?

Alyssia Kugler: Unter anderem durch die «Startup Nights», deren Organisation uns sehr viel bedeutet. Sie präsentiert die Start-up-Szene in Winterthur nach aussen und hat eine nationale, gar internationale Ausstrahlung. Unser Ziel ist es, dass 2024 hier in der Eulachstadt der grösste Start-up-Event Europas stattfindet. Gleichzeitig wollen wir Winterthur als Start-up-Hotspot weiter fördern.

Michael Kubli: Wir erhoffen uns, dass junge Unternehmen oder Start-ups in Winterthur hängen bleiben, weil sie wissen, dass die Stadt über ein gutes Ökosystem verfügt, das stetig wächst. Nur schon was sich in den letzten fünf Jahren getan hat, ist crazy. Und das Potenzial ist längst nicht ausgeschöpft.

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