Publiziert 23. Nov. 2022, 06:30
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Winterthurer baut Tinyhouse

Erst das Dach über dem Kopf bauen und dann Land suchen

Nico M. Nigg erfüllt sich mit einem von Grund auf selbst geplanten Zirkuswagen einen Traum. Der Wülflinger will künftig auf kleinstem Raum ohne fixen Standort leben.

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George Stutz

Wer sich eine eigene Bleibe bauen lässt, schaut sich in der Regel zuerst nach einem passenden Grundstück um. «Bei mir trifft beides nicht zu», lacht Nico M. Nigg. Er erklärt: «Natürlich bin ich auf den Support von Profis angewiesen, aber grundsätzlich baue ich mir meine Bleibe für die nächsten fünf bis zehn Jahre selber, beziehungsweise mit Freunden, zudem gehe ich erst danach auf die intensive Suche nach einer passenden Parzelle.» Denn Nigg plant seit gut einem Jahr nicht einfach an einem Hausbau auf einem festen Fundament, sondern erfüllt sich den Traum eines eigenen Wohnwagens. Dieser beruht auf dem Prinzip eines Zirkuswagens. «Entscheidend für mein Tinyhouse auf Rädern ist, dass dieses trotz einer Breite von 280 Zentimetern mit einem Traktor und einer Höchstgeschwindigkeit von 30km/h bewegt werden kann», so Nigg.

Fortan reduziert aufs Maximum leben

Seine Idee, reduziert auf das Maximum auf gut 25 Quadratmetern zu leben, hegt der Kunstmaler und selbstständige Berater für Unternehmen, die bei einer Verlagerung von Industriekomponenten ins Ausland Unterstützung brauchen, schon länger. «Als meine Kinder auszogen, verkaufte ich vor einigen Jahren mein Haus, kaufte sodann eine Wohnung in Frauenfeld und hegte irgendwann den Wunsch, künftig auf noch kleinerem Raum zu leben, ohne aber auf das Wesentlichste verzichten zu müssen», erzählt Nigg.

Zuerst sollte es ein fest platziertes Tinyhouse im herkömmlichen Sinn sein. Dafür eine geeignete Parzelle zu finden, erwies sich als sehr schwierig. «Diese Wohnform boomt, und trotzdem zeigen sich viele Gemeinden demgegenüber noch nicht aufgeschlossen», so Nigg. Durch einen Bekannten stiess er auf den Zirkus Pipistrello im Tösstal, dessen Mitglieder seit Jahren in Zirkuswagen wohnen. In diesem Zusammenhang kam auch der Kontakt zur Genossenschaft Holzlabor zustande, die im alten Busdepot Deutweg an der Tösstalstrasse von Grund auf solche Zirkuswagen konzipiert. «Toll ist, dass du dir hier selbst zurechtlegen kannst, was du selbst bauen kannst und möchtest und wo dir die Profis vom Holzlabor Hand anbieten», sagt Nigg, der im September seinen auf Ricardo günstig gekauften und nachträglich revidierten und verstärkten Unterbau eines Heuwagens im Busdepot stehen hat.

Nico M. Nigg

«Noch habe ich den ultimativen Stellplatz nicht gefunden, Tipps nehme ich deshalb gerne entgegen»

Während Holzlabor die Wand- und Dachträger aus Esche anfertigten und aufgerichtet haben, sägt, schleift und bohrt Nico M. Nigg seither in jeder freien Stunde, vorab am Samstag, mit seinem Sohn und Freunden an seinem zukünftigen zehn Meter langen Zuhause. Erst kürzlich feierten die Freizeit-Wagenbauer Aufrichte, bis im kommenden Juni soll eine topmoderne, dank Schmutzwasserfilter und Photovoltaik auch energetisch überzeugende Bleibe entstehen, die ihresgleichen suchen wird. Denn anders als einige Zirkuswagenbauer im Depot überlässt Nigg nichts dem Zufall. So hat er für den Innenausbau eigens eine Innenarchitektin engagiert. «Wenn schon, denn schon», lacht er.

Kleine Parzelle am Stadtrand gesucht

Und wo soll der etwas andere, aber nicht minder attraktive Wohntraum dereinst stehen? «Schreibe doch, dass ich noch einen geeigneten Stellplatz irgendwo am Winterthurer Stadtrand suche. Da ich dank Sonnenkraft, aber auch dank dem Abwassersystem nicht an einen Strom- oder Kanalisationsanschluss gebunden bin, brauche ich diesbezüglich keine Voraussetzungen. Schön wäre, rundherum Platz für einen Garten zu haben und natürlich eine ansprechende Aussicht.»

Und wenn es ihm dort dann doch einmal nicht mehr passen sollte, dann brauchts nur einen Traktor, um weiterzuziehen. «Und», lacht Nigg von der Leiter herunter noch: «Die festen vier Wände in Frauenfeld habe ich wohlweislich nicht verkauft, nur vermietet.»

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