Publiziert 17. Okt. 2021, 09:00
Bericht
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Der Winterthurer Kater Lui

Eine Stadtberühmtheit auf vier Pfoten

Ob Kleiderläden, der Bibliothek oder eine Baustelle: Das Winterthurer Altstadtbüsi Lui erkundet alle Ecken der Stadt ganz genau. Einmal war sogar die Polizei involviert.

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Talina Steinmetz

Mit wachen Augen blickt er über die Steinberggasse. Zuerst links, dann rechts – die Luft scheint rein zu sein. Gemütlichen Schrittes überquert er die «Steibi». Velofahrern weicht er mühelos aus, plaudernden Passantinnen streicht er den Beinen entlang. Manch einer dreht sich nach ihm um, bückt sich und krault ihn kurz hinter den Ohren.

Doch die Neugier ist stärker, er will weiter, will die andere Seite der Steinberggasse erreichen. Dort angekommen, drückt er sich unter einem Gitter durch, legt hin und streckt seine samtigen Pfoten von sich, den Kopf darauf abgelegt. Seine grünen Augen stehen im Kontrast zu seinem getigerten Fell, die Ohren sind aufmerksam nach vorne gerichtet – Lui, das Altstadtbüsi, hat sein Plätzchen für diesen sonnigen Nachmittag gefunden.

Er hat sein Näschen überall…

Sein eigentliches Plätzchen, also sein Zuhause, ist bei Jonas Reolon. Der Winterthurer wohnt in der Nähe der Kirchenplatzes mitten in der Altstadt und ist der Besitzer von Lui. Wie er sagt, treibe sich sein eineinhalbjähriger Kater an den unmöglichsten Plätzen in der Stadt herum. «Ob im Coiffeursalon, in Kleiderläden, in die Bibliothek oder auf Baustellen – er steckt überall sein Näschen hinein.»

Lui in der Bibliothek - wonach er Ausschau hält, wird man wohl nie erfahren.

Lui in der Bibliothek - wonach er Ausschau hält, wird man wohl nie erfahren.
zvg

Ein Verhalten, das auch schon zu einem Polizeieinsatz führte: «Lui wurde von Bauarbeitern unwissend eingesperrt. Irgendwann rief jemand die Polizei, um ihn zu befreien.» Er selbst habe den Kater zu diesem Zeitpunkt nicht vermisst, da es völlig normal sei, dass er teilweise bis zu zwei Tagen nicht nach Hause kommt. «Als mir die Polizei am Telefon mitteilte, wo man ihn befreit hatte, war ich kurz geschockt, aber auch erleichtert.»

…und kennt kaum Hindernisse

 Vorfälle wie diese gehören aber der Seltenheit an. Meist streicht Lui durch die Altstadt, immer auf der Suche nach neuen Schlafplätzchen. Dabei gibt es für ihn fast keine Hindernisse, wie folgendes Beispiel zeigt: Über einen Hinterhof kletterte er in eine Wohnung an der Steinberggasse und nahm das Sofa in Beschlag. «Das ist typisch Lui: In fremde Gebäude eindringen und ein Nickerchen machen», sagt der Besitzer und lacht.

Der verschlafene Kater hat es sich im Kleiderladen PKZ gemütlich gemacht.

Der verschlafene Kater hat es sich im Kleiderladen PKZ gemütlich gemacht.
zvg

So auch schon geschehen im Kleiderladen PKZ an der Marktgasse, dem «Kafisatz» an der Spitalgasse oder dem Coiffeursalon Blond in der «Steibi». Gestört hat die Anwesenheit von Lui laut Besitzer bis jetzt noch niemanden. Im Gegenteil: Als der Kater neu in der Stadt unterwegs war und alles erkundetet, dachten viele, dass er weggelaufen wäre und vermisst werde. Da er ein Halsband mit Telefonnummer daran trägt, meldeten sich die Personen dann zu genüge bei Reolon: «Ich erhielt zu Beginn bis zu sechs Telefonanrufe pro Tag. Alle sorgten sich um Lui, da er ohne Scheu überall hineinspazierte.»

Ein kleiner Insta-Star

Mittlerweile habe man sich in der Altstadt aber an die Anwesenheit des Katers gewöhnt. Die meisten Menschen würden sich freuen, wenn er bei ihnen vorbeikommt. «Ich erhalte immer wieder Bilder oder Videos von ihm, spielend in der Altstadt oder schlafend in einem Café», sagt Reolon. Einige davon lädt er dann auf das eigens für Lui erstellte Instagram-Profil «lui_thecitycat» hoch.

In erster Linie habe er den Account eingerichtet, um aufzuzeigen, dass Lui ein Zuhause hat und keine Streunerkatze ist, auch wenn er sich manchmal so verhält. Weiter ist sich Reolon bewusst, dass Büsi-Content gut ankommt – «und wenn es sich um ein Winterthurer Stadtbüsi handelt, sowieso.»

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