Publiziert 12. Jan. 2023, 08:27
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ZHAW-Studentinnen produzieren Spielfilm

Eine Liebeserklärung an die Ergotherapie

Mit einem Kurzspielfilm wollen drei ZHAW-Studentinnen die Ergotherapie bekannter machen. Obwohl sie kaum Erfahrung mitbringen, ist ihnen keine Hürde zu gross.

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Ramona Kobe
Anja Lahusen, Melanie Kym und Rebekka Bohni (von links) produzieren einen Kurzspielfilm, der mit der Ergotherapie ein in der Gesellschaft wenig bekanntes Berufsfeld thematisiert.

Anja Lahusen, Melanie Kym und Rebekka Bohni (von links) produzieren einen Kurzspielfilm, der mit der Ergotherapie ein in der Gesellschaft wenig bekanntes Berufsfeld thematisiert.
zvg

Rebekka Bohni, Melanie Kym und Anja Lahusen studieren alle drei Ergotherapie an der ZHAW in Winterthur. Gemeinsam verfolgen sie ein Ziel: Ihr zukünftiges Arbeitsfeld bekannter zu machen. «Weil es sich um einen jungen Beruf handelt, ist die Ergotherapie vielen kein Begriff», sagt Kym. «Sowohl aufseiten der Patienten wie auch auf jener der Fachkräfte im Gesundheitswesen.» Dadurch bleibe ein grosses Potential ungenutzt. «Insbesondere in Situationen, in denen Ergotherapie nachweislich helfen würde», fährt die Studentin fort und nennt die Psychiatrie als Beispiel.

Genau diesen Fachbereich wollen die drei der Gesellschaft näherbringen. Und zwar mit einem fünfminütigen Kurzspielfilm auf Schweizerdeutsch. Dieser entsteht im Rahmen des Praxismoduls «Projektwerkstatt» an der Fachhochschule. Doch Kym und ihre Kommilitoninnen denken über das ZHAW-Modul hinaus. Sie sehen viel Potenzial in «Ergo…was?» und wollen den Film bei Festivals in der ganzen Schweiz einreichen, so auch an den Kurzfilmtagen Winterthur. Die 29-Jährige zeigt sich zuversichtlich, dass es klappt mit der Nomination. «Wir stellen mit einer chronisch psychischen Krankheit ein topaktuelles Thema dar.»

«Tschugger»-Schauspielerin mit dabei

Noch sind Lahusen, Kym und Bohni mit den Vorbereitungen beschäftigt. Einzig Letztere hat bereits Erfahrung, für die anderen beiden ist die Filmlandschaft komplettes Neuland. «Da es unsere erste Produktion ist, wird uns ‹art4um›, eine Schweizer Filmproduktionsfirma, unterstützen», sagt Kym. Professionalität ist ihr ein grosses Anliegen: «Uns ist wichtig, keinen belustigenden Film über Betroffene zu machen. Ihre Stimme soll zum Tragen kommen.» Aus diesem Grund lassen sie das Drehbuch, das Bohni verfasst, von ausgebildeten Ergotherapeuten und deren Klienten gegenlesen. «Wir setzen auf Humor, weil das Thema so am besten vermittelt werden kann. Eine gewisse Ernsthaftigkeit brauchts aber trotzdem.»

  • Durch die Ergotherapie sollen Menschen, die etwa durch einen Unfall oder eine Krankheit im Alltag eingeschränkt sind, durch Betätigung aus einer Starre zurück ins Leben finden. Ziel ist es, dass die Betroffenen für sie wichtige Handlungen möglichst selbstständig ausführen können. 

Anfang März wollen sie mit den Dreharbeiten beginnen. Wo, ist noch unklar. «Sicher in der Natur», verrät Kym, die früher als Flugbegleiterin arbeitete. Drei Drehorte hätten sie bereits in Aussicht und die Bewilligungen werden in den nächsten Tagen angefragt. Auch ein Protagonist fehlt ihnen noch, der den Betroffenen spielen wird. Wer in die Rolle der Ergotherapeutin schlüpfen soll, steht hingegen schon fest: Annalena Miano der SRF-Fernsehserie «Tschugger». «Weil Annalena selbst Ergotherapie studiert, konnten wir sie schnell für uns gewinnen», freut sich Kym.

Finanzierungsschwelle fast erreicht

Um den Kurzfilm möglichst breit zugänglich zu machen, sind deutsche, englische und französische Untertitel geplant. So soll er nicht nur Betroffene, die an einer psychischen Krankheit leiden, erreichen, sondern auch deren Angehörige und insbesondere künftige Ergotherapeuten im ganzen Land. Der Fachkräftemangel sei riesig, weiss Melanie Kym. «Nur: Wie will man sich für das Studium entscheiden, wenn man nicht weiss, dass dieser Beruf existiert?»

Finanziert wird das Ganze durch Spenden sowie private Gönnerinnen und Gönner. 60'000 Franken müssen zusammenkommen, um unter anderem Material, Produktion und involvierte Personen bezahlen zu können. Damit zähle das Projekt zu den teuersten, die an der ZHAW im Rahmen der «Projektwerkstatt» je umgesetzt worden seien. «Wir brauchten sogar eine Bewilligung der Hochschule», betont Kym. Die Finanzierung, die schon fast abgeschlossen ist, sei sodann auch die grösste Hürde in den letzten Monaten gewesen. Weil sie parallel ihr dreimonatiges Praktikum absolvierten, sassen sie jeweils bis spät abends dran, so Kym. «Es war schwierig, unsere Energie einzuteilen.» Bereuen tut sie das «Monsterprojekt» aber keineswegs. Im Gegenteil. «Auch wenn es nicht immer einfach war: Ich stehe zu 100 Prozent dahinter. Mein Herz schlägt für die Ergotherapie.»

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