Publiziert 23. Aug. 2022, 07:19
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OK-Präsident Christian Brunner im Interview

«Ein Fest für alle Wülflinger und alle Dorfet-Freunde»

Seit 20 Jahren ist Christian Brunner OK-Präsident der am nächsten Wochenenden stattfindenden Wülflinger Dorfet. Mit 84XO hat er über den Traditionsanlass gesprochen.

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George Stutz

Die Wülflinger Dorfet gilt als «die Mutter aller Dorffeste der Winterthurer Stadtquartiere.» Wäre da nicht der zweijährige Pandemie-Unterbruch, würde die älteste Dorfet der Stadt am kommenden Samstag, 27. und Sonntag, 28. August ihr 45-jähriges Bestehen feiern können. Auf ein kleineres Jubiläum kann auch OK-Präsident Christian Brunner anstossen, übernahm er die Geschicke des Wülflinger Festbrauchs just vor 20 Jahren von seinem Vorgänger, einstigem Dorfet-Gründer und Dorforiginal Charly Ruf.

Christian Brunner, was hat an der Wülflinger Dorfet seit 45 Jahren Bestand?

Christian Brunner: Die Dorfet unterstreicht seit 1977 den grossen Zusammenhalt der Wülflinger Bevölkerung, des Gewerbes und der Vereine. Es ist ein Fest der Wülflinger für die Wülflinger. Jedes Jahr lassen es sich auch längst in andere Regionen oder gar ins Ausland weggezogene Wülflingerinnen und Wülflinger nicht nehmen, am Dorfet-Wochenende zurückzukehren und hier ein paar gesellige Stunden zu verbringen. Selbstverständlich waren und sind aber auch alle anderen Besucher aus der Stadt und der Region sehr willkommen.

Bekundet Ihre Dorfet wie andere Feste auch Mühe, weil Vereine sich auflösen oder das Dorffest personell nicht mehr stemmen mögen?

Die Guggenmusik Rhythmasia hat sich aufgelöst und der Volleyballclub setzt aus, da er zu wenig Helfer mobilisieren kann. Ansonsten sind alle Vereine dabei, sodass der Bestand an Festbetrieben beinahe gleich ist wie vor Corona. Wir sind aber stets bemüht, neue Vereine oder Gruppierungen motivieren zu können und so einzelne Lücken wieder zu füllen.

Auch der Zusammenhalt der Vereine ist in Wülflingen sehr ausgeprägt. Wie äussert sich das?

Man hilft sich bereits beim Aufstellen teilweise gegenseitig oder trinkt am Freitagabend nach dem Einrichten zusammen ein Bier.

Apropos Freitagabend: Alle anderen Dorffeste starten bereits am Freitag, Wülflingen hält an Samstag und Sonntag fest. Lohnt sich der Aufwand für die kurze Zeit?

Grundsätzlich hätten wir eine Bewilligung auch für Freitag, aber Umfragen unter den Vereinen ergeben immer wieder, dass sie am Bewährten festhalten wollen. Viele könnten gerade auch aufgrund ihres Personals nicht noch mehr Arbeitsschichten besetzen. Ob wir zudem insgesamt mehr Besucher hätten an drei Tagen, wage ich zu bezweifeln.

Christian Brunner

«An unserer Dorfet gibts für alle, ob Jung oder Alt, gemütliche Geselligkeit, Action und top Unterhaltung»

Neben dem Personal machen den Vereinen auch steigende Gebühren für Strom, Wasser und Abfall zu schaffen.

Wir haben uns in den letzten Jahren immer um bestmögliche Lösungen bemüht, einig hohe Abgaben konnten wir jedoch auch nicht verhindern. Dieses Jahr kommt auch bei uns erstmals die vom Stadtrat verdankenswert abgesegnete Leistungsvereinbarung zur Geltung. Damit erhoffen wir günstigere Konditionen, von denen zu 100 Prozent die Vereine profitieren würden.

Auf was freuen Sie sich besonders?

Einfach, dass wir nach zwei Jahren, in denen wir stets eine Durchführung planten, jedes Mal aber absagen mussten, endlich unser Fest wieder durchführen dürfen. Ich freue mich auf die vielen Darbietungen auf dem Festplatz, aufs «Meersäulispiel», Kirchturm- und Kirchenführungen, die Ausstellung «Rund um den Lindenplatz», auf unsere Musikbühne mit coolen Bands und auf die vielen Begegnungen auf den Gassen und in den Festhütten.

Zusammen mit Ihrem OK-Team dürften Sie auch der einen oder anderen kulinarischen Versuchung nicht entkommen können...

Klar werde ich mich mit meinen geschätzten OK-Kollegen und -Kolleginnen auch mal hinsetzen oder mit Besuchern etwas trinken. Aber wir wollen es nicht soweit kommen lassen wie vor meiner Zeit (lacht). Da hatte Charly Rufs Kassier, der alle Platzgebühren bar eingezogen hatte, in einer Festhütte deutlich über den Durst getrunken, war am Tisch eingeschlafen und fand nach dem Erwachen die Mappe mit dem Geld nicht mehr vor. Diese wurde aber später mit vollem Inhalt wieder gefunden.

Hat der OK-Präsident noch wertvolle Tipps für die Festbesuchenden?

Aufgrund von Bauarbeiten kann die Wülflingerstrasse im Bereich des Festgeländes dieses Jahr nicht gesperrt werden, deshalb bitten wir alle Verkehrsteilnehmer, im besagten Bereich die nötige Vorsicht walten zu lassen. Natürlich wäre es top, wenn die Festbesucher mit dem ÖV oder Velo nach Wülflingen kämen, für alle anderen stehen in der Nähe des Strassenverkehrsamtes jedoch Parkplätze zur Verfügung.

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