Publiziert 22. Dez. 2022, 06:30
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Kommentar

Ein Brand, der die politische Kehrtwende einleitete

Der Stadtrat hat einer Umzonung des Ponyhofs nicht zugestimmt. 84XO-Redaktor George Stutz findet: Damit wird nicht nur ein Lebenswerk zerstört, sondern den Kindern auch eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung geraubt.

G
George Stutz
84XO-Redaktor George Stutz vergleicht das Hin und Her um den Ponyhof mit einem Kriminalfall.

84XO-Redaktor George Stutz vergleicht das Hin und Her um den Ponyhof mit einem Kriminalfall.
Fotomontage: 84XO

Vor 31 Jahren hatte Yvonne Germann den Ponyhof ob Wülflingen gepachtet und einen Reitbetrieb aufgebaut. Der Hof ist Teil des Immobilienportfolios der Stadt Winterthur. Dass das zuständige Departement Finanzen der Stadt einen Reitbetrieb – der heute von Yvonne Germanns Tochter Maya geleitete Ponyhof bietet unter anderem beliebte Ferienreitkurse an – und damit einen Gewerbebetrieb in einer landwirtschaftlichen Zone duldet, war in den letzten Jahren insbesondere vom ehemaligen SVP-Politiker und Ponyhof-Nachbar Hansruedi Hofer, aber auch von weiteren Nachbarn immer wieder angeprangert worden. Die Gegner des Ponyhofs beliessen es aber nicht dabei, auf politischer Ebene die Rechtmässigkeit des Reitbetriebs zu hinterfragen, sondern griffen Mutter und Tochter zusehends auch persönlich an, zweifelten deren Fähigkeiten für die Ausbildung von reitbegeisterten Kindern an und versuchten weitere Missstände an den Haaren herbeizuziehen. Ausgerechnet die nachbarschaftlichen Bauern und damit potenzielle Bezüger von Bundesubventionen griffen in diversen Anfragen an den Grossen Gemeinderat auch immer wieder die finanzielle Lage des Ponyhofs auf, witterten gar ein Sponsoring der Stadt, etwa im Zusammenhang mit der Montage einer Werbetafel.

Endlich schienen die Ponyhofgegner 2020 mit der ohne Baubewilligung erfolgten Sanierung des Dresseurplatzes und des Ponyunterstandes gewichtige Argumente in der Hand zu haben, zumal das nachgereichte Baugesuch, beziehungsweise das baurechtliche Bewilligungsverfahren, «aufgrund laufender Abklärungen» bis Ende 2022 sistiert wurde. Aus Sicht der Gegnerschaft dauerte der rechtsfreie Zustand deswegen weiter an. Bis dann in der Nacht auf den 22. Oktober 2021 die Scheune, in der die Ponys untergebracht waren, in Flammen aufging. Die Tiere konnten gerettet werden. Die Umstände vor und nach dem Feuer bieten aber durchaus Stoff zumindest für eine Verschwörungstheorie, auch wenn die Brandermittler der Kapo ein absichtliches Legen des Feuers nicht belegen konnten. Dass zwei Wochen vor dem Brand von Fäulnis befallene Futterballen geliefert wurden, diese aber trotz Reklamation nicht abgeholt wurden und später in Flammen aufgegangen waren oder dass etwas später im Tösstal ein Rucksack gefunden wurde mit einem Memorystick und just den Brandvideos, die Maya Germann einzig der Kapo zugespielt hatte, muten wie aus dem Drehbuch eines Kriminalfalls an.

Denn, Fakt ist, dass erst der Brand der Scheune den Stein zu Ungunsten des Ponyhofs so richtig ins Rollen brachte. Einen Wiederaufbau der Scheune in der Landwirtschaftszone legte die Baudirektion des Kantons denn auch erst einmal auf Eis. Gerettet hätte den Fortbestand des bei vielen Winterthurer Kindern beliebten Ponyhofs nur eine Umzonung in ein Erholungsgebiet. Diese wäre in der Macht des Stadtrates gestanden. Der zuständige Stadtrat Kaspar Bopp hatte denn kurz nach dem Brand auch in Aussicht gestellt, einen möglichst schnellen Wiederaufbau des für den Ponyhof existenziellen Stalls voranzutreiben und eine Umzonungsanfrage zu prüfen. Ende vergangenen November erhielten die Reithofbetreiberinnen nun aber den Bescheid der Ablehnung des Stadtrates. Begründet hatte er diesen damit, dass die Stadt in dem Gebiet keinen Bedarf für eine öffentliche Erholungsnutzung sehe. Viel eher aber erscheint, dass der Stadtrat den sich über Jahrzehnte hinziehenden Streitigkeiten mit den offenbar politisch gewichtigen Gegnern müde ist und die Gunst der Stunde – oder eben des Brandes – nutzt, um die Akte «Ponyhof» ein für alle Mal schliessen zu können. Damit würde aber gleichzeitig auch das Lebenswerk der Germanns zerstört und den jungen Reiterinnen und Reitern eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung genommen.

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