Publiziert 11. Juni 2022, 08:00
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Hochschule nimmt Vorreiterrolle ein

Die ZHAW zelebriert Diversität nicht nur im Juni

Was macht die ZHAW für ihre LGBTIQ+-Community? Diese Frage stand im Zentrum einer Online-Veranstaltung, welche die Hochschule dem «Pride-Monat» widmete. Die Antwort: vieles. Und zwar nicht nur im Juni.

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Ramona Kobe
An der ZHAW wird ‹Diversity› gross geschrieben. Im «Pride Month» Juni ganz besonders.

An der ZHAW wird ‹Diversity› gross geschrieben. Im «Pride Month» Juni ganz besonders.
Ramona Kobe

Rund um den Globus zeigen viele Städte im «Pride Month» Juni Farbe und hissen die Regenbogenfahnen – das Symbol der weltweiten Pride-Bewegung – an Gebäuden und in den Strassen. So auch Winterthur. 2021 beteiligte sich die Stadt zum ersten Mal an der Aktion und beflaggte das Semper-Stadthaus, den Superblock und weitere städtische Gebäude in der Altstadt. Anfang Mai teilte der Stadtrat mit, dass er «diesem Bekenntnis zu Diversität nun längerfristig Nachdruck verleihen will» und lässt die Flaggen an den besagten Gebäuden daher in den kommenden Jahren bis 2027 wiederum im Wind wehen. Auch die Gassengemeinschaften vom Untertor und der Marktgasse wollen erneut ein Zeichen für Toleranz, Akzeptanz und eine vielfältige Gemeinschaft setzen, weshalb sie am 8. Juni bunte Stoffgirlanden aufhängten.

Neu zeigt sich dieses Jahr auch die ZHAW in Farbe. Sie hat sich allerdings nicht für die klassische Regenbogenfahne, sondern für die «Progress Flag» entschieden, die für mehr Inklusion steht und explizit die trans Community und BIPoC (Black, Indigenous, People of Color) abbildet. Es ist eine von verschiedenen Aktivitäten, welche die Hochschule dem «Pride»-Monat widmet. Eine weitere war die Online-Veranstaltung «Proud an der ZHAW?» vom Mittwochabend, 9. Juni. Im Fokus stand die Frage, was die ZHAW für ihre LGBTIQ+-Community macht.

All-Gender-WCs in Planung

«Wir verstehen ‹Diversity› als einen Organisationsentwicklungsprozess, der nicht nur von uns aus, sondern in Kooperation mit allen relevanten Akteuren stattfindet», sagte Svenja Witzig, Leiterin der Stabstelle Diversity an der ZHAW. Übergeordnetes Ziel der Stabstelle sei, die Chancengleichheit an der Hochschule umzusetzen und in den Strukturen der Organisation dauerhaft zu verankern. Einfacher gesagt als getan, wie ihre Kollegin Regula Kolar, Fachverantwortliche für das Kernthema LGBTIQ+, den rund 30 Teilnehmenden erklärte. «Als öffentliche Institution sind wir an rechtliche Vorgaben des Kantons gebunden.» Als Beispiel nannte sie den Vaterschaftsurlaub, den die Hochschule Regenbogenfamilien oder gleichgeschlechtlichen Eltern nicht ermöglichen könne. Eine weitere Herausforderung seien die verschiedenen Departemente. «Bei über 14'000 Studierenden und knapp 4000 Mitarbeitenden treffen verschiedene Kulturen mit unterschiedlichen Traditionen aufeinander», sagte Kolar. «Weil viele Einheiten in die Prozesse eingebunden werden müssen, ist die Umsetzung der Massnahmen sehr komplex.»

  • LGBTIQ+ beschreibt ein Identitäts- oder Persönlichkeitsspektrum, zu dem sich lesbische, schwule, bisexuelle, trans, intergeschlechtliche und queere Personen zugehörig fühlen. 

Ein Meilenstein, der bereits erreicht werden konnte, ist die Einführung der Nonbinarität – also weder Mann noch Frau – im Sprachleitfaden der ZHAW. Das heisst: Künftig gilt in der Kommunikation sowie in offiziellen Dokumenten eine nicht-binäre Sprache. Seit Februar können Studierende zudem ihren Namen oder ihre Geschlechtsangabe in der Datenbank ändern lassen. Mitarbeitende allerdings noch nicht. Grund dafür ist der enorme administrative Aufwand, erklärte Kolar. «Das Studiensekretariat passt die Daten jedes Semester manuell an, bevor sie diese dem Kanton weiterleitet.» Bei den Mitarbeitenden aber müsste die Anpassung aufgrund der Sozialversicherungen monatlich erfolgen, was den zeitlichen Rahmen sprengen würde. Aber: «Wir sind dran! Der Systemumbau der Datenbanken ist allerdings sehr komplex und kostspielig.»

Weiter möchte die Stabstelle All-Gender-Toiletten einführen. In Zürich und Wädenswil gibt es bereits je ein geschlechtsneutrales WC. «Wir haben 80 Bestandesbauten, weshalb die Umrüstung nicht ganz einfach wird», so Regula Kolar. Gerade bei den älteren Gebäuden seien bauliche Massnamen nötig. Denn: «Wir müssen trotz ‹Diversity› das gesetzliche Minimum an geschlechtergetrennten Toiletten einhalten.»

Zusammenarbeit mit Hochschulangehörigen

Als zentrale Kollaborationspartnerin der Stabstelle gilt die «Peer-to-Peer»-Gruppe, bestehend aus Studierenden, Dozierenden, Professorinnen und Professoren, Mitarbeitenden sowie einem Mitglied der Hochschulleitung und Verwaltungsmitarbeitenden. Diese Zusammenarbeit sei sehr wichtig, betonte Kolar. «Ich versuche die einzelnen Mitglieder bei den Massnahmen wenn immer möglich mit einzubinden und sie auf dem Laufenden zu halten.»

Die «Peer-to-Peer»-Gruppe war es auch, die Mitte 2020 ein Manifest zur Lage verfasst hatte. Dieses zeigt auf, wie an der ZHAW LGBTIQ+ Diversität integriert und Diskriminierungen abgebaut werden können. Als Folge beauftragte die Hochschulleitung die Stabstelle Diversity, die vorgeschlagenen Aktionsfelder zu priorisieren und Massnahmen zu konkretisieren, sodass die Hochschule in Sachen Förderung der Vielfalt mittlerweile eine Vorreiterrolle in der Schweiz einnimmt.

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