Publiziert 19. Jan. 2023, 11:58
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Michael Künzle im Interview

Die Stadt will weiterhin preisgünstigen Wohnraum

Werden Minderbemittelte durch höhere Mieten aus der Stadt verdrängt? Der Stadtpräsident bezieht Stellung.

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George Stutz
Michael Künzle: «Der Stadtrat will eine durchmischte Bevölkerung, günstige Wohnungen bis zu Wohnungen für höhere Einkommen.»

Michael Künzle: «Der Stadtrat will eine durchmischte Bevölkerung, günstige Wohnungen bis zu Wohnungen für höhere Einkommen.»
Fotomontage: zvg

Die Besetzer der Stefanini-Häuser, die als «Häuservernetzung Winterthur» auftreten, befürchten, dass die ärmere Bevölkerung aus Winterthur vertreibt wird und kämpfen für den Erhalt des günstigen Wohnraums. Stadtpräsident Michael Künzle nimmt Stellung.

Herr Künzle, will der Stadtrat nur noch Reiche in Winterthur, so wie die Hausbesetzer der ehemaligen Stefani-Häuser argumentieren?

Michael Künzle: Der Stadtrat will eine durchmischte Bevölkerung, günstige Wohnungen bis zu Wohnungen für höhere Einkommen. Es braucht jedes Segment. Wenn bei den preisgünstigen Wohnungen die Mieten nach einer Sanierung sehr viel höher sind, dann wird dieses Wohnsegment kleiner.

Verschärfen die Sanierungen von Stefanini-Häusern auch aus Ihrer Sicht die Winterthurer Wohnungsnot zusätzlich?

Die Stadtregierung hat seit Jahren von Bruno Stefanini immer wieder gefordert, dass er seine Häuser sanieren muss, vor allem, wo es aus Sicherheitsgründen geboten war. Gewünscht wurde, dass dies mieterfreundlich vollzogen werden soll. Bettina Stefanini hat ausdrücklich erwähnt, dass sie den Grundsatz ihres Vaters weiterverfolgen und günstigen Wohnraum zur Verfügung stellen will. Aber auch, dass sie sich um die anstehenden Sanierungen kümmern will. Zweifellos hat Stefanini dazu beigetragen, dass die Stadt ein grosses Segment an günstigem Wohnraum hat. Und wenn in eine Sanierung investiert wird, wird üblicherweise die Miete höher.

Michael Künzle

«Die Hausbesetzenden haben die fremden Liegenschaften seit Jahren kostenlos bewohnt und sollten dankbar sein für das Wohlwollen von Bruno und Bettina Stefanini»

Droht eine Eskalation, falls besetzte Häuser polizeilich geräumt werden müssten?

Grundsätzlich ist es so, dass die Grundeigentümerschaft mit ihrem Grundeigentum im Rahmen der Bauvorschriften tun und lassen dürfen, was sie wollen. Das ist ein verfassungsmässiges Recht. Die Mieterschaft hat also nur die Möglichkeit, sich mit den Vermietenden auf einen Plan zu verständigen, wie die Sanierung von statten gehen und wie der Mietpreis festgesetzt werden soll. Der Entscheid liegt aber bei den Vermietenden. Bettina Stefanini saniert sorgsam, die folgenden Mieten sind meines Wissens moderat. Dagegen haben die Hausbesetzenden die fremden Liegenschaften seit Jahren kostenlos bewohnt und sollten dankbar sein für das Wohlwollen von Bruno und Bettina Stefanini. Sie dürften es schwieriger haben mit ihren Forderungen. Aber auch sie können verhandeln. Der Entscheid liegt letztendlich aber bei der Grundeigentümerschaft. Bei der Durchsetzung von Rechten muss die Polizei unterstützen. Aber so weit ist es ja noch nicht.

Was kann die Winterthurer Behörde dazu beitragen, dass Minderbemittelte auch weiterhin günstigen Wohnraum in Winterthur finden?

Der Stadtrat unterstützt die Bedürfnisse der Mietenden, die auf eine preisgünstige Wohnung angewiesen sind, indem er erst vor Kurzem wieder eine Liegenschaft erworben hat, um sie der Spekulation zu entziehen und günstigen Wohnraum anbieten zu können. Ausserdem werden Darlehen an Wohnbaugenossenschaften vergeben, um auch gemeinnützigen und preisgünstigen Wohnraum zu fördern. Desweitern werden auch entsprechende Vorstösse und Initiativen vom Stadtrat unterstützt.

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