Publiziert 21. Dez. 2022, 06:30
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Stadtrat Kaspar Bopp sagt, warum

Der Stadtrat entschliesst sich gegen eine Umzonung des Ponyhofs

31 Jahre lang erfreuten sich auf dem Ponyhof ob Wülflingen viele Kinder der Reitstunden, doch nun soll damit Schluss sein. Der Stadtrat hat eine Umzonung nicht bewilligt. 84XO hat mit dem zuständigen Stadtrat Kaspar Bopp über die Hintergründe gesprochen.

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George Stutz
Stadtrat Kaspar Bopp erklärt im Interview, weshalb eine Umzonung und damit die Rettung des Ponyhofs abgelehnt wurde.

Stadtrat Kaspar Bopp erklärt im Interview, weshalb eine Umzonung und damit die Rettung des Ponyhofs abgelehnt wurde.
Fotomontage: zvg / George Stutz

Vor 31 Jahren hatte Yvonne Germann die städtische Liegenschaft samt Umland am Schweikhofweg oberhalb Wülflingens gepachtet. Seither betreibt sie dort mit einem kleinen Team den Ponyhof und ermöglicht zahlreichen Kindern Reitstunden. Die Ferienkurse, die sie zusammen mit ihrer Tochter Maya Germann anbietet, zählen seit Jahren zu den beliebtesten Urlaubsangeboten der Stadt. Parallel dazu wird der Betrieb des Ponyhofs seit weit über einem Jahrzehnt von Einsprachen der Nachbarschaft begleitet. Zumal der Ponyhof sich in der Landwirtschaftszone befindet, wird das gewerblich betriebene Reitangebot als rechtlich nicht zonenkonform angeprangert. Dementsprechend gelangen immer wieder Anfragen an das Winterthurer Stadtparlament, die Gegnerschaft des Ponyhofs wandte sich aber auch an den Kanton. Letzterer sah lange Zeit genauso wenig Handlungsbedarf wie die Stadt Winterthur.

Erst als die Ponyhof-Betreiberinnen den Reitplatz, wie bereits 1998 geplant, vor zwei Jahren sanierten und vergrösserten, allerdings kein neues Baugesuch eingaben, sistierte die Baudirektion des Kantons Zürich die nachgereichte Baueingabe erst einmal bis Ende 2022. Ebenso auf Eis legte der Kanton ein Wiederaufbaugesuch des Ponyhof-Stalles, dies nachdem dieser im Oktober 2021 aus bis heute nicht bekannten Gründen abgebrannt war. Die Grundstückseigentümerin Stadt Winterthur hingegen stellte nach dem Brand einen raschmöglichen Wiederaufbau der Scheune in Aussicht und plante gleichzeitig, eine Umzonung von der Landwirtschafts- in die Erholungszone zu überprüfen, um somit dem Reitbetrieb endlich zu einer rechtlich fundierten Grundlage zu verhelfen. Zusammen mit der Nachbarschaft, die sich mittels Unterschriftensammlung gegen die Umzonung wehrte, hatte im vergangenen Herbst auch die Ponyhof-Seite bei vielen Unterstützern und Eltern der Reitkinder Unterschriften gesammelt und der Stadtbehörde überreicht.

Wie der Stadtrat nun Ende November in einem Schreiben an die Ponyhof-Betreibenden sowie an die rekurrierenden Nachbarn festhielt, hatte er sich nach einer Überprüfung doch gegen eine Umzonung und somit faktisch gegen den Weiterbetrieb des Ponyhofs entschieden.

84XO hat beim zuständigen Vorsteher des Departements Finanzen, Kaspar Bopp, schriftlich nachgefragt.

Herr Bopp, wie kommt es dazu, dass der Stadtrat den Ponyhof, der davor 30 Jahre viele Winterthurer Kinder glücklich machte, plötzlich fallen lässt? Wurden Sie vom Kanton zurückgepfiffen?

Kaspar Bopp: Auslöser für die Neubeurteilung waren die Baugesuche der Betreiberin (für den Ponyunterstand und die Sanierung des Dressurplatzes aus dem Jahr 2020) und das Baugesuch der Stadt (für den Wiederaufbau der Scheune nach dem Brand im Jahr 2021). Aufgrund der Lage des Grundstücks in der Landwirtschaftszone liegt die Zuständigkeit für die Beurteilung der Zonenkonformität der Baugesuche beim Kanton Zürich.

Das 1998 eingereichten Baugesuch für eine Dressurplatzsanierung wurde aber bewilligt...

Seit der letzten Baubewilligungsverfahren von 1998, als der Ponyhof gemäss dem damals geltenden Recht eine Ausnahmebewilligung für den Dressurplatz und den Anbau an die Scheune erhielt, hat sich die Gesetzgebung geändert. Bei seiner Beurteilung der aktuellen Baugesuche kam der Kanton zum Schluss, dass diesen nach den heute geltenden raumplanungsrechtlichen Vorschriften nicht entsprochen und die dafür erforderlichen Ausnahmebewilligungen nicht in Aussicht gestellt werden können. Im Zusammenhang mit dieser negativen Beurteilung der Baugesuche durch den Kanton beantragte die Betreiberin des Ponyhofs eine Prüfung einer Umzonung der Parzelle, auf welcher der Ponyhof steht. Mit einer Umzonung zum Erholungsgebiet würde eine neue Grundlage für die Beurteilung der Baugesuche vorliegen. Entsprechend hatte der Stadtrat diese Möglichkeit sorgfältig geprüft.

Im vergangenen Oktober brannte es im Ponyhof.

Im vergangenen Oktober brannte es im Ponyhof.
84XO

Ist es richtig, dass erst der dubiose Brand beziehungsweise der beantragte Wiederaufbau den Kanton betreffend der Betriebsbewilligung für Reitstunden in der Landwirtschaftszone auf den Plan rief?

Nein. Der Kanton hatte neben dem erwähnten Baugesuch der Stadt für den Wiederaufbau der Scheune nach dem Brand im Jahr 2021 auch die Baugesuche der Betreiberin des Ponyhofs für den Ponyunterstand und die Sanierung des Dressurplatzes aus dem Jahr 2020 zu beurteilen.
Im Rahmen dieser Baubewilligungsverfahren sind die Bauvorhaben zu beurteilen. Der Kanton fällt keine Betriebsbewilligung für Reitstunden.

Welche Voraussetzungen sind nicht gegeben, um den Ponyhof in eine Erholungszone umzuzonen?

Der Stadtrat hat die gesetzlichen raumplanerischen Vorgaben gegenüber den Interessen des Ponyhofs sehr sorgfältig abgewogen. Die betroffene Parzelle liegt in der Landwirtschaftszone und ausserhalb des Siedlungsgebiets. Der Wiederaufbau der Scheune und damit verbunden der weitere Betrieb des Ponyhofs ist rechtlich nur mit einer Umzonung in eine Erholungszone möglich. In einer solchen wären im Gegensatz zur Landwirtschaftszone auch Bauten und Anlagen, zum Beispiel für Sport- und Freizeitnutzungen, zulässig. Die sachlichen, rechtlichen und politischen Hürden für eine Umzonung von Landwirtschaftsland sind aber sehr gross. Einer Umzonung von Landwirtschaftsland muss eine verbindliche langfristige Entwicklungsperspektive zugrunde liegen. Das bedeutet, dass die Umzonung nicht nur für die jetzt aktuelle Nutzung, sondern auch für nachfolgende Nutzungen Gültigkeit haben muss.

Inwiefern spielte bei der Überprüfung das Zielbild «Stadtrandpark» eine Rolle?

Der Stadtrat hat das Anliegen sehr sorgfältig geprüft und musste feststellen, dass eine Umzonung und damit ein «Hineinwachsen» der Siedlung in die Landschaft dem Zielbild des Stadtrandparks widerspricht. Dieser grüne Saum rund um das Siedlungsgebiet hat der Stadtrat im Legislaturprogramm 2022 bis 2026 als Schlüsselelement der städtischen Freiraumplanung festgelegt. Der Stadtrandpark soll zu einem durchgehenden Naherholungs-, Natur- und Erlebnisraum entwickelt werden.

Kaspar Bopp

«Für eine Richtplanänderung und eine anschliessende Umzonung der Landwirtschaftszone braucht es ein überwiegendes öffentliches Interesse im Sinne des Gemeinwohls. Ein solches ist beim Ponyhof nicht gegeben»

Weshalb gilt ein öffentliches Interesse am Ponyhof als nicht gegeben?

Die heutige Nutzung des Ponyhofs stellt eine untergeordnete öffentliche Nutzung dar. Für eine Richtplanänderung und eine anschliessende Umzonung der Landwirtschaftszone braucht es aber ein überwiegendes öffentliches Interesse im Sinne des Gemeinwohls. Ein solches ist beim Ponyhof nicht gegeben. Damit sind die raumplanerischen und rechtlichen Rahmenbedingungen für den Fortbestand des Reitbetriebs auf der betroffenen Parzelle nicht vorhanden. Gegen die Umzonung spricht das langfristige übergeordnete öffentliche Interesse am Schutz der Landschaft und deren Freihaltung von Überbauungen im Sinne des Stadtrandparks.

Was heisst der Entscheid: Dürfen auf dem Ponyhof keine Pferde mehr für kommerzielle Reitstunden eingesetzt werden?

Wie bereits ausgeführt, sind die raumplanerischen und rechtlichen Rahmenbedingungen für den Fortbestand des Reitbetriebs auf der betroffenen Parzelle nicht vorhanden. Zurzeit sind die Baubewilligungsverfahren zum Ponyhof noch offen, sie wurden vom Kanton bis Ende Jahr sistiert. Sobald Klarheit über die noch laufenden Baubewilligungsverfahren besteht, wird sich der Bereich Immobilien mit der Betreiberin des Ponyhofs in Verbindung setzen, um das weitere Vorgehen zu besprechen.

Besitzt die Stadt keine anderen, verfügbaren Liegenschaften in Erholungszonen, um das Reitangebot Frau Germanns dort anzusiedeln?

Selbstverständlich wird die Stadt die Betreiberin im Rahmen des Möglichen beim weiteren Vorgehen unterstützen. Zurzeit hat die Stadt aber kein frei verfügbares Grundstück, das sich für einen Reitbetrieb eignen würde.

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