Publiziert 31. Dez. 2022, 07:04
8412

Rück- und Ausblick von Markus Griesser

Das war das Himmelsjahr 2022

So richtig in die Gänge gekommen ist die Sternwarte Eschenberg auch im scheidenden Jahr nicht. Der langjährige Leiter Markus Griesser blickt zurück auf einen heissen Sommer, dicke Wolken, eine Sonnenfinsternis. Und gibt einen Vorgeschmack, was 2023 zu bieten hat.

r
red
Begeisterte Gäste an der Sonnenfinsternis-Sonnenführung am 25. Oktober probieren hier neben dem Teleskop gerne die bereitgestellten Finsternisbrillen aus.

Begeisterte Gäste an der Sonnenfinsternis-Sonnenführung am 25. Oktober probieren hier neben dem Teleskop gerne die bereitgestellten Finsternisbrillen aus.
Sternwarte Eschenberg

Im Sommer berichteten die Medien ausführlich über den Mangel an Lehrkräften für unsere Volksschulen und über die möglichen Ursachen. Auch die Sternwarte Eschenberg bekommt diese Probleme hautnah zu spüren: Die Himmelskunde als ein frei in den Unterricht eingebettetes Thema findet immer weniger Platz. Massiv zugenommen haben dafür Spezialwünsche, zum Beispiel für Sternwartebesuche mit Jugendlichen mitten in der Nacht. Nur funktionieren solche Veranstaltungen nie, weil übermüdete Kinder zu fortgeschrittener Stunde schlicht keine komplexen Wissensinhalte aufnehmen können. Und als reines Plausch- oder Abenteuer-Erlebnis sind die Angebote der Winterthurer Sternwarte einfach nicht geeignet.

Im Spätherbst sorgte die wieder angespannte Infektions-Lage für deutlich weniger Gruppenführungen. Da der Vorraum der Sternwarte im Winter nur ungenügend belüftet werden kann, wurden nur wenige Gruppen und Schulklassen empfangen.

Bei der Mondfinsternis am 16. Mai und auch bei der seltenen Planetenparade am 22. Juni wartete der Himmel mit Wolken auf. Die öffentliche Führung zur Partiellen Sonnenfinsternis in den Mittagstunden des 25. Oktober war hingegen ein voller Erfolg: An gleich drei mit Spezialfiltern bestückten Instrumenten konnte das seltene Himmelsereignis in voller Länge mitverfolgt werden. Faszinierend für so manchen Gast waren die Gasauswürfe am Sonnenrand, die mit einem sogenannten H-Alpha-Filter am Teleskop gut verfolgt werden konnten.

Gerne angenommen wurde das im Juni erschienene neue Buch des Sternwarte-Leiters «Den Sternen nahe sein – Erinnerungen und Einsichten eines Astronomen». Da die Produktion des schön illustrierten Buches durch Sponsoren ausfinanziert war und der Autor auf ein Honorar verzichtete, werden viele Exemplare gerade auch an jüngere und entsprechend wenig lesegewandte Gäste verschenkt. Etliche Schulklassen wurden sogar mit einem Klassensatz überrascht, wobei der Autor jedes einzelne Exemplar persönlich signierte.

Was bietet uns das Himmelsjahr 2023?

Nächstes Jahr steht leider keine Sonnenfinsternis auf dem Programm. Dafür erwarten uns 2023 gleich zwei Mondfinsternisse, wenn auch nicht gerade spektakuläre: Die Partielle Halbschatten-Finsternis am 5. Mai fällt auch noch in die Abenddämmerung, wo sie kaum gesehen werden kann. Besser ist da die Partielle Mondfinsternis vom 28. Oktober, auch wenn dann bei uns der Erdschatten nur eine kleine Delle in die Mondscheibe knabbern wird. Aber immerhin…

Die Venus wird uns in der ersten Jahreshälfte als heller Abendstern begleiten. Im März und April zaubert sie mit ihrer hohen Lage im Nordwesten einen unübersehbaren Fixpunkt an den Abendhimmel. Der Planet Mars hat bereits am vergangenen 8. Dezember seine erdnächste Position durchlaufen. Er begleitet uns bis in den Sommer hinein als auffällig rot gefärbter Lichtpunkt am Abendhimmel.

Jupiter bietet zum Jahresbeginn seine Abschiedsvorstellung in den noch frühen Abendstunden und taucht dann im Frühsommer wieder am Morgenhimmel auf. Er durchläuft am 3. November seine Erdnähe. Saturn offeriert uns bereits im Spätsommer mit seinem einzigartigen Ringsystem und seinen vielen Monden ein grossartiges Schauspiel.

Hoffnung auf eine zusätzliche «Sternstunde»

Natürlich ist es gut möglich, dass uns im Himmelsjahr 2023 eine aussergewöhnliche Himmelserscheinung überrascht. Die Betreiber der Sternwarte Eschenberg sitzen mit ihren guten Kontakten zur Fachwelt, ja für solche Natur-Spektakel, jeweils in der ersten Reihe. Und es versteht sich von selbst, dass für die regionale Bevölkerung bei einem kurzfristig angekündigten spektakulären Himmelsereignis auch nächstes Jahr eine zusätzliche öffentliche Sonderführung organisiert wird.

Von Markus Griesser

Das könnte Sie auch interessieren