Publiziert 15. Juni 2022, 07:00
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Kommentar

Das riecht nach taktischer Schönrednerei

Unser Redaktionsleiter fand die Antworten des ehemaligen Stadtpolizei-Kommandant Fritz Lehmann gegenüber dem «Landbote» enttäuschend.

G
George Stutz
George Stutz ist Redaktionsleiter der Wochenzeitung 84XO.

George Stutz ist Redaktionsleiter der Wochenzeitung 84XO.
Fotomontage: rk / mh / zvg

Zugegeben, dass am Anfang des «Landbote»-Textes darauf hingewiesen wurde, dass das Lehmann-Interview von Katrin Comettas Departement Sicherheit und Umwelt eigentlich nicht toleriert worden war, förderte den Lese-Anreiz deutlich. Umso enttäuschender lasen sich in der Folge aber die Antworten auf durchaus passende Fragen. Geschickt gab Fritz Lehmann hier und dort kleine Führungsfehler zu, um aber sogleich wieder auf Eigenlob umzuschwenken, sich auszureden und auch das Verhältnis zu seinem damaligen Vize Marcel Bebié und beispielsweise die Story um seine Ferienabwesenheit nach dem zweiten Suizid schönzureden. Kein Wort, weshalb die Krankheitsausfälle und Burnouts auch ihn persönlich monatelang betrafen. Gefühlt wollte hier einer heldenhaft hinstehen, um die Probleme bei den Namen zu nennen und sich so auch im Hinblick auf den zu erwartenden Untersuchungsbericht eine bessere Position zu verschaffen. Herausgekommen ist jedoch ein eher peinliches Vorpreschen. Irgendwie passt zur Uneinheit in der Stadtpolizei-Führung, dass einerseits bekannt wurde, das Interview passe nicht in den Kram der Departementsführung, gleichzeitig wird diese Aussage aber von Departementsführerin Cometta dementiert… Fakt ist: Solange die zuständige politische Departementsleitung zu schwach ist, den Puls des Polizeikorps offensichtlich nicht spürt und sich weiterhin von selbstherrlichen Kommandanten auf der Nase herumtanzen lässt, wird sich bei der Winterthurer Stadtpolizei wohl leider kaum etwas ändern.

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