Publiziert 03. Nov. 2022, 16:30
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Crowdfunding gestartet

Das erste Geburtshaus in Winterthur befindet sich auf der Zielgerade

Im August soll das erste Geburtshaus in Winterthur eröffnen. Das Initianten-Team ist auf Kurs. Am Dienstag startete das Crowdfunding für die gesamte Innenausstattung.

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Ramona Kobe
Das Geburtshaus-Initianten-Team um Lisa Bammatter (3. v. r.) ist optimistisch, per Crowdfunding 80'000 Franken für die Innenausstattung zusammenzubekommen.

Das Geburtshaus-Initianten-Team um Lisa Bammatter (3. v. r.) ist optimistisch, per Crowdfunding 80'000 Franken für die Innenausstattung zusammenzubekommen.
zvg

Jährlich gebären rund 100 Frauen aus Winterthur und der nächsten Region in Geburtshäusern – allerdings nicht in der Stadt selbst, sondern mindestens 25 Kilometer entfernt in Zürich, Bäretswil oder St. Gallen. Der einfache Grund dafür: In Winterthur gibt es kein solches Angebot. Noch nicht. Fünf hiesige Hebammen und ein Gesundheitsökonom befinden sich auf der Zielgerade, ihre Vision, Frauen nebst der Spitalgeburt eine Alternative zu ermöglichen, in die Tat umzusetzen. Im Juni 2021 gab das Initianten-Team den zukünftigen Standort bekannt: die Villa Lindeneck auf der gegenüberliegenden Seite der Lindbrücke vor dem Kantonsspital. Und seit dem 1. September dieses Jahres steht fest, dass das geplante Geburtshaus auf der Spitalliste 2023 des Kantons steht. Es erhielt einen provisorischen Auftrag bis Ende 2026. Die Freude darüber war gross, wie Lisa Bammatter vom Gründungsteam sagt. «Mit dem Spitallistenplatz ist ein elementarer Meilenstein auf dem Weg zur Eröffnung erreicht.» Dieser ermögliche es erst, allgemein versicherte Patientinnen zu betreuen, zumal ihre Kosten von der obligatorischen Krankenkasse übernommen würden.

An Zurücklehnen denken die Initiantinnen aber längst nicht. «Es gibt noch jede Menge zu tun, um im Spätsommer 2023 eröffnen zu können», erzählt Bammatter, die seit über 20 Jahren als Hebamme arbeitet. Am Dienstag startete das Crowdfunding, um Geld für die Innenausstattung zu sammeln. 80'000 Franken sollen für Betten, Wickelkommoden und Büromaterialen – kurz, die gesamte Ausstattung – zusammenkommen. «Es liegt nun an der Bevölkerung, unser Projekt mit kleinen Beiträgen mitzutragen. Jede 50er-Note zählt.» Einen Plan B gibt es nicht. «Den braucht es auch nicht», zeigt sich die Winterthurerin optimistisch gestimmt. «Wir sind schon so weit gekommen. Auch diese Hürde werden wir jetzt noch meistern.»

Bis zu 240 Geburten jährlich

Parallel läuft der Umbau der Villa Lindeneck. Viel muss am Gebäude, das 1896 von den Architekten Jung & Bridler im Stil der anglisierenden Neogotik erbaut und 2005 an die Architekten Lüscher und Lüscher verkauft wurde, nicht gemacht werden. «Es ist in einem guten Zustand», weiss Lisa Bammatter. «Es wird nur sanft renoviert, sodass Charme und Stil der Villa erhalten bleiben.» So würden die Sanitär- und Stromanlagen ersetzt, eine Küche eingebaut, ebenso zwei Badezimmer. Ausserdem benötige jedes Wochenbettzimmer ein «Brüneli». Im Sommer soll der Umbau abgeschlossen sein. Im Haus eingelebt haben sich Bammatter und ihre Mitstreiterinnen bereits jetzt. «Wir fühlen uns mega wohl hier.»

Den Mietvertrag haben sie befristet für zehn Jahre unterzeichnet. Es bestehe aber die Möglichkeit, diesen zu verlängern. «Beide Seiten sind an langfristigen Optionen interessiert.» Aus diesem Grund werde auch ein Nebengebäude gebaut, um dort, sollte es die Nachfrage verlangen, weitere Wochenbettzimmer unterzubekommen. Im Hauptgebäude gibt es vorläufig sechs davon, ausserdem zwei Gebärzimmer und ein «Jokerzimmer», wie es Bammatter nennt. «So können wir jährlich zwischen 220 und 240 Geburten betreuen.» Um diese Zahl zu stemmen, benötigt es weiteres Personal. Hebammen, natürlich. Aber auch einen Hausdienst und jemanden für die Küche müssen eingestellt werden. «Im ganzen Betrieb rechnen wir zu Beginn mit 13 Vollzeitstellen. Der Businessplan ist aber so ausgelegt, dass wir in den ersten drei Jahren stetig wachsen.»

Vorfreude steigt

Nebst der Personalrekrutierung beschäftigt man sich zudem mit dem Managementhandbuch und dem Betriebskonzept. Im Frühling sollen die ersten Anmeldungen entgegengenommen werden. «Wir möchten unsere Kundinnen, die im Geburtshaus gebären wollen, während ihrer Schwangerschaft betreuen», erzählt Bammatter, die selbst Mutter zweier Kinder ist. Mit jedem Meilenstein steige die Vorfreude zusätzlich. «Es ‹chribblet› unter den Fingernägeln Das Geburtshaus Winterthur wird endlich greifbar.»

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