Publiziert 24. Jan. 2023, 12:35
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Weil fast alle Baumgräber belegt sind

Beim Rosenberg gibts bald Waldgräber

Weil fast alle Baumgräber auf dem Friedhof Rosenberg belegt sind, bietet Stadtgrün Winterthur nun alternativ Gräber im Wald an.

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red
Die Bestattung bei einem Baum wird immer beliebter, weshalb auf dem Friedhof Rosenberg fast alle Baumgräber belegt sind. Als Alternative werden nun Gräber im Wald angeboten.

Die Bestattung bei einem Baum wird immer beliebter, weshalb auf dem Friedhof Rosenberg fast alle Baumgräber belegt sind. Als Alternative werden nun Gräber im Wald angeboten.
Christian Wieland

Der Friedhof Rosenberg bietet schon länger naturnahe Grabformen an. Seit 2008 gehören dazu das private Baumgrab und das Gemeinschaftsbaumgrab. Die Bestattungsformen sind so beliebt, dass bald keine Gräber mehr zur Verfügung stehen. Neu sollen Verstorbene darum im Wald beigesetzt werden. Für diese «Waldgräber» hat Stadtgrün eine Waldparzelle entlang des Seuzacherwegs ausgeschieden – angrenzend an den Friedhof Rosenberg. Das teilte das Departement Technische Betriebe am Dienstag, 24. Januar mit. Eine Untersuchung des Waldbodens habe bestätigt, dass dort Asche ausgebracht werden kann.

Die Waldgräber würden den gesetzlich streng geschützten Wald nicht verändern, zumal sie zurückhaltend angelegt und in die normale Waldpflege integriert würden. Ein Revierförster definiere wie üblich sogenannte Auslesebäume im Abstand von rund zehn bis fünfzehn Metern. «Das sind die gesündesten und kräftigsten Exemplare, die man bis zu hundert oder mehr Jahre stehen lässt», schreibt die Stadt Winterthur weiter. Dabei handelt es sich um zehn verschiedene Baumarten wie Eiche, Kirsche, Nussbaum oder Weisstanne. Rund um jeden dieser Auslesebäume werden auf der Waldparzelle beim Friedhof acht Grabstellen geschaffen; beigesetzt wird nur die Asche kremierter Verstorbener.

Pferde statt Maschinen

Damit die Gräber leicht aufgefunden werden können, ist das Gebiet mit Hilfe von nummerierten Holzpfählen in Sektoren unterteilt und jeder Auslesebaum mit einer Holzstele markiert. Neue Wege werden keine angelegt. Als Zugang dienen die bestehenden Pfade aus der Waldpflege, die, wo nötig, freigeräumt werden.

Der Waldteil mit den Gräbern wird gemäss Mitteilung zusätzlich ökologisch aufgewertet. Totholz werde gezielt liegen gelassen, Nistmöglichkeiten geschaffen, ein Laichgewässer aufgewertet, und der Waldsaum mit seltenen heimischen Baum-, Strauch- und Krautarten ergänzt. An geeigneten Orten sollen Holzbänke oder Baustämme als Sitzgelegenheit platziert werden. Bei der Waldpflege würden künftig Pferde statt grosse Forstmaschinen zum Einsatz kommen.

Platz für 1600 Waldgräber

Für die Bewilligung der neuen Grabform ausserhalb des Friedhofsareals hat Stadtgrün Winterthur ein Baugesuch eingereicht. Sofern die Bewilligung erteilt wird, werden auf der 3,2 Hektaren grossen Waldfläche ab Mitte 2023 zunächst 512 Waldgrabstätten zur Verfügung stehen. Insgesamt lassen sich 1600 Gräber realisieren. Die Kosten für die Umsetzung des Projekts belaufen sich auf rund 120'000 Franken.

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