Publiziert 29. Sep. 2022, 09:25
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«Bohnenstück»

Am Oberen Graben ist die weisse Bohne Star in der Küche

Drei Winterthurerinnen lassen die weisse Bohne in ihrem Café am Oberen Graben in neuem Glanz erstrahlen. Mit ihrer Geschäftsidee waren sie im Frühjahr zu Gast bei der Show «Die Höhle der Löwen» und trafen im Anschluss an den Pitch eine folgenschwere Entscheidung.

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Ramona Kobe

Wenn sie in der Schweizer Küche noch zu finden sind, dann in Suppen, Eintöpfen oder als Salat: weisse Bohnen. Nicht so im Café «Bohnenstück» am Oberen Graben. Dort ist die Hülsenfrucht Star auf der Menükarte – in gesunden Shakes, als Creme für Früchtebowls oder als Eiweiss-Ersatz in süssen Gebäcken. «Wir wollten einfach etwas wagen», erzählt Monika Pfister. Zusammen mit ihrer Schwester Sarah und der gemeinsamen Freundin Nadine Aeberli eröffnete sie das Café in der Winterthurer Altstadt im April letzten Jahres. Fast klangheimlich. «Der Start mitten in der Pandemie war natürlich schwierig», blickt die 27-Jährige zurück. «Wir durften unsere Gerichte nur Take-away verkaufen. Ausserdem bestand zu diesem Zeitpunkt Homeoffice-Pflicht, sodass wir kaum Laufkundschaft hatten.»

Davon liess sich das Trio aber nicht unterkriegen und tüftelte weiter an kreativen Rezepten mit der Bohne. Entstanden ist dabei das «Bohnenstück», ein natürlicher Powersnack. Vegan, fettarm und ohne industriellen Zucker. Erhältlich ist das süsse Gebäck vorläufig nur im eigenen Café. Das könnte sich allerdings bald ändern, wie Monika Pfister verrät. «Wir sind dabei, verschiedene Snacks weiterzuentwickeln, um diese hoffentlich möglichst bald im Detailhandel verkaufen zu können.»

Ein Impuls-Entschluss, der im TV endete

Um dieses Ziel weiter voranzutreiben und finanzielle Unterstützung zu erhalten, hat sich das Start-up entschieden, seine Geschäftsidee in der Fernsehshow «Die Höhle der Löwen Schweiz» vorzustellen. «Das war eine Impuls-Entscheidung», erzählt Pfister. Und letztendlich eine sehr spontane Sache. Denn: Die drei Freundinnen standen nicht sofort als definitive Kandidatinnen fest, sondern nur als Back-up. Nur einen kurzen Vorlauf hätten Pfister und ihre beiden Geschäftspartnerinnen erhalten. Die Folge: «Wir haben die ganze Nacht durchgebacken», erzählt die Jungunternehmerin.

An den Pitch selbst erinnert sich die gelernte Mediamatikerin nur noch wage. «Es war irgendwie surreal. Wohl auch deshalb, weil die Zusage unerwartet kam.» Entsprechend gespannt ist sie auf die Folge, die am kommenden Dienstag ausgestrahlt wird. Dabei wollten die drei «Bohnen», wie sie sich auf ihrer Website selbst nennen, die Sendung zuerst gar nicht schauen. «Sich selbst im Fernsehen zu sehen ist ungewohnt», sagt Pfister und lacht.

Zwei Projekte sind eines zu viel

Der Dreh war im Frühjahr dieses Jahres. Seither hat sich bei «Bohnenstück» einiges getan. So backen sie nicht mehr nur mit weissen Bohnen wie zu Beginn, sondern experimentieren neu mit weiteren Bohnenarten. Auch Schweizer Bohnen werden in der Küche am Oberen Graben zu Kreationen verarbeitet. «Zudem haben wir uns neue Ziele gesetzt», sagt Monika Pfister und lässt verlauten, dass das Café nur noch bis Ende Oktober geöffnet sein wird. «Es ist schwierig, Produktentwicklung und Café gleichzeitig anzutreiben», nennt sie den Grund für die Schliessung. «Leider können wir die beiden Projekte nicht gleich schnell voranbringen. Deshalb haben wir uns nun für die Produktentwicklung entschieden, dafür schlägt unser Herz.»

Die Erfahrung bei den «Löwen» wollen sie nicht missen. «Wir haben wahnsinnig viel gelernt», fährt die gebürtige Thurgauerin fort. «Der Pitch hat uns in unserer Vision weiter bestärkt und erlaubt uns, anderen Leuten Mut zu machen, etwas Neues auszuprobieren.»

Ein lachendes und ein weinendes Auge

Ihren «Happy Place» in der Altstadt verlassen die drei mit einem lachenden und einem weinenden Auge, wie Monika Pfister erzählt. «Es ist schön zu sehen, was sich hier in den letzten eineinhalb Jahren alles getan hat. Wir freuen uns nun aber auf den nächsten Schritt und auf alles, was kommt. Und darauf, das Lokal in neue Hände zu geben.»

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