Publiziert 05. Jan. 2023, 08:20
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Kam, spielte und ging wieder

Als «O Rei» Pelé in Seen ein paar Tennisbälle schlug

Der Winterthurer Pelé-Fan Ernst Deller hatte den dreifachen Fussballweltmeister 1988 in seine Heimat gelockt – ins Tenniscenter Grüze.

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George Stutz

Edson Arantes do Nascimento, genannt Pelé, ist am 29. Dezember im Alter von 82 Jahren in São Paulo gestorben. Bis heute gilt er als der vielleicht beste Fussballer der Geschichte. Er kickte in der brasilianischen Liga 17 Jahre lang für den FC Santos und gewann mit diesem 26 nationale und internationale Titel. In Europa war Ausnahmetalent Pelé vor allem durch seine begeisternden Auftritte mit der brasilianischen Nationalmannschaft bekannt, für die er im Alter von erst 16 Jahren debütierte und für die er in 92 Länderspielen 77 Tore beisteuerte. Als bislang einziger Fussballer gewann Pelé dreimal die Fussballweltmeisterschaft.

Plötzlich stand Pelé auf dem Court

Der Ausnahmefussballer hatte auch in Winterthurer viele Bewunderer, darunter der verstorbene Winterthurer ZKB-Banker Ernst Deller. Er war nebenbei im Tenniscenter Grüze für die Finanzen zuständig. Als Pelé Ende Mai 1988 für eine Autogrammstunde in Liestal weilte, fuhr auch Deller in den basellandschaftlichen Hauptort. «Irgendwie muss er dort Pelé überzeugt haben, für eine Tennisstunde nach Seen zu kommen», lacht der heutige Leiter des Tenniscenters Grüze, André Müller.

Tatsache war, dass der damals 48-jährige Weltstar drei Tage später tatsächlich in Sportlermontur in der Seemer Tennishalle aufkreuzte und mit dem damaligen Winterthurer Tennislehrer Christian Hasler ein paar durchaus sehenswerte Bälle schlug. Hasler erinnert sich an das Highlight seiner Zeit als Tennislehrer: «Ich wurde zwischen zwei Lektionen ins Büro des Tenniscenters gerufen. Da hatte man mich orientiert, dass Pelé in der Stadt weile und sein Manager angefragt habe, ob er sich in Seen in einer Tennisstunde etwas bewegen dürfe.» Er war damals 25-jährig und Pelé ihm natürlich ein grosser Begriff. Selbstverständlich habe er sofort zugesagt. «Wir hatten etwas später dann tatsächlich eine Stunde gespielt. Pelés Tenniskönnen war durchaus okay. Auch wenn nicht jeder Schlag sass, merkte man ihm das Ballgefühl deutlich an, zudem bewegte er sich sportlich-geschmeidig – ähnlich wie er einige Jahre früher die Fussballwelt begeistert hatte.»

Vage Erinnerung

Daran, wie ihr Vater Pelé nach Winterthur locken konnte und ob er nach dem überraschenden Auftritt mit dem Brasilianer in Winterthur noch essen ging, kann sich Ernst Dellers Tochter Verena Braun nicht mehr erinnern: «Auf Fotos von damals habe ich einen Herren von Swiss Tennis entdeckt. Gut möglich, dass dieser mit in die Organisation des kurzfristig organisierten Events integriert war.»

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