Publiziert 27. Dez. 2022, 06:30
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Energiesparmassnahmen der katholischen Kirche

«Als Behörde haben wir eine Vorbildfunktion»

Aufgrund einer drohenden Mangellage macht sich auch die katholische Kirchgemeinde Winterthur Gedanken, wie sie Energie einsparen kann. Erste Projekte hat sie bereits umgesetzt, weitere sind in Planung.

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red

Wenn man Hans Hollenstein anspricht, leuchten seine Augen. Denn der Präsident der katholischen Kirchgemeinde Winterthur weiss als ehemaliger Departementsleiter Sicherheit und Umwelt der Stadt, wie Energiesparmassnahmen erfolgreich umgesetzt werden können. So wurden in den letzten Monaten verschiedene Projekte im Verwaltungsgebäude Laboratoriumstrasse 5 realisiert: eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach, neue Fenster mit optimalen Dämmwerten und eine neue, effiziente und umweltschonende Holzpellets-Heizung für das gesamte Gebäude. Hollenstein betont: «Wir haben eine Vorbildfunktion als katholische Kirche, als Behörde – und das nehmen wir sehr ernst. Trotzdem muss bei uns niemand frieren.»

Die rund 30 sakralen und profanen Bauten der Kirchgemeinde zu verwalten, die sich nicht nur im Alter sondern auch in der Nutzung und im baulichen Zustand sehr stark unterscheiden, sei aber keine leichte Aufgabe, wie die katholische Kirche schreibt. Der Grossteil der Bauten ist im Inventar der schützenswerten Bauten der Stadt Winterthur oder des Kantons Zürich verzeichnet. Aus diesem Grund seien energetische Anpassungen stets im Zusammenhang mit der Substanz der jeweiligen Baute vorzunehmen. Regula Mayer, bei der Kirchgemeinde Verantwortliche des Ressorts Bau und Liegenschaften, sagt dazu: «Die meisten unserer Liegenschaften sind heute mit unterschiedlich alten Gasthermen ausgerüstet, die nach und nach ersetzt werden sollen. Je nach Lage im städtischen und geologischen Kontext bieten sich unterschiedliche Energiequellen an.»

Verschiedene Renovationen in Planung

Nebst den Anpassungen am Verwaltungsgebäude ersetzt im ehemaligen Pfarrhaus an der Nägelseestrasse 144 eine neue Wärmepumpe die alte Ölheizung. Noch in der Vorbereitung ist die Renovation der Kirche St. Laurentius in Wülflingen, die nächstes Jahr ausgeführt werden soll. Sie beinhaltet neben weiteren Anpassungen die Dämmung des Daches und der Fenster. Ausserdem werde derzeit die Möglichkeit eines Wärmeverbunds mit einer Grundwasser-Wärmenutzung abgeklärt, heisst es seitens Kirchgemeinde.

Auch das Pfarrhaus St. Josef Töss soll möglichst bald an neue Bedürfnisse angepasst werden. Vorgesehen seien «kritisch ausgewählte» Massnahmen zur Dämmung der Gebäudehülle, der Ersatz der Fenster sowie der Einbau einer Wärmepumpe. Ebenso ist eine Renovation der Kirche – so auch der Kirche St. Marien in Oberwinterthur – vorgesehen. Beide Anlagen bräuchten eine neue Haustechnik wie Lüftungs- und Heizsysteme.

Aussenbeleuchtung bereits reduziert

«In mehreren Bauten unserer Pfarreien sind Lüftungsanlagen installiert», sagt Regula Meyer weiter. «Diese werden überprüft, ersetzt oder hinsichtlich des Energieverbrauchs optimiert. Auch die Beleuchtungsmittel und ihre Betriebsdauer werden angepasst.» An verschiedenen Orten biete sich die Möglichkeit, sich an das Fernwärmenetz der Stadt Winterthur anzuschliessen, zum Beispiel in den Pfarreien Herz Jesu und Peter und Paul, bei denen das Stadtwerk Winterthur bereits fortgeschrittene Projekte erarbeitet hat und Fernwärme anbietet.

Auch bezüglich Strom, Licht und Standby-Funktionen sei man am Ball, ergänzt Marcus Scholten, Gemeindeleiter von St. Ulrich Rosenberg. «Die Aussenbeleuchtung der Kirche haben wir bereits reduziert.» Aufgrund der exponierten Lage beim Einkaufszentrum Rosenberg wolle man aber nicht ganz darauf verzichten. «Gerade die Standby-Funktionen von Kaffeemaschinen, Druckern, Kopierern und Computern sind grosse Stromfresser, die wir sehr im Blick haben.»

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