Publiziert 18. Mai 2022, 08:10
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Am Sonntag ist Winterthur Marathon

21 Kilometer Zeit, um neue Songs zu komponieren

Ruedi Brem ist Teilrentner, leidenschaftlicher Musiker und immer wieder mal auch ambitionierter Läufer. Am Sonntag startet er am Winterthur Marathon.

G
George Stutz
Es sei zwar hart, dass die Strecke des Winterthur Marathons nahe seinem Haus in Seen vorbeiführe, meint Ruedi Brem. Ans Aufgeben werde er dann aber kaum mehr denken, zu nahe sei das Ziel bei den Reithallen.

Es sei zwar hart, dass die Strecke des Winterthur Marathons nahe seinem Haus in Seen vorbeiführe, meint Ruedi Brem. Ans Aufgeben werde er dann aber kaum mehr denken, zu nahe sei das Ziel bei den Reithallen.
George Stutz

Am Donnerstag hat Ruedi Brem seine neuen Laufschuhe für die Halbmarathon-Hauptprobe geschnürt. Gut 17 Kilometer hat er zehn Tage vor seinem Start am 22. Winterthur Marathon mit Start und Ziel bei der Reithalle absolviert. «Ziemlich o. k., aber auch ziemlich k. o.», lautete sein Fazit. In den kommenden Tagen gibts noch ein, zwei kürzere Einheiten, dann müsste Brem sein Renn-Level erreicht haben, «um einfach gut und zufrieden um die Runde zu kommen», wie er sagt.

Mit Laufen begann der bald 66-Jährige 1998. «Ich hatte bis dahin kaum Sport betrieben, immer gut gegessen und getrunken. Für Ballsportarten war ich nicht geeignet, deshalb versuchte ich mit Laufen etwas Fitness aufzubauen», erinnert er sich. Bereits im Job, aber auch als Musiker war und ist er einer, der gewisse Zielsetzungen braucht(e), um sich zusätzlich zu motivieren. «Einfach so im Wald
herumspringen war auch in meinen läuferischen
Anfängen nicht mein Ding, weshalb ich mich auch gleich für den Winterthurer Laufsport anmeldete», so Brem.

Im ersten Lauf Letzter geworden

Die rund elf Kilometer absolvierte er denn auch tapfer, wurde aber Letzter seiner Alterskategorie. «Ich musste mir da schon ein paar Sprüche von Kollegen anhören, das stachelte mich aber an, schneller zu werden», lacht der Winterthurer. 1999 bestritt er bereits seinen ersten Halbmarathon, um diesem 2002 den ersten von sieben Swiss Alpine Bergmarathons über 78 Kilometer und viele Schweizer Städtemarathons in Zürich, Lausanne, Luzern und auch Winterthur folgen zu lassen, dazu 2006 noch einen Frauenfelder Waffenlauf. In den letzten Jahren hatte er in Sachen Langstreckenläufen jedoch etwas zurückgeschraubt. «Bin ich zu meinen besten Zeiten 70 bis 80 Kilometer die Woche gelaufen, so sind es jetzt noch maximal die Hälfte davon. Ich brauche einfach mehr Zeit, mich zwischendurch zu erholen», erzählt er weiter.

Umgestellt hatte er auch seine Trainingsmethoden. So trainierte er bis vor fünf Jahren fast ausschliesslich mit Rock- und Popmusik in den Ohren. «Irgendwann habe ich jedoch rausgefunden, dass ich auch ohne Kopfhörer gut vorwärts komme, so besser nachdenken und nicht selten beim Laufen auch neue Song-Ideen kreieren kann.» Gut möglich also, dass er auch am kommenden Sonntag gleichzeitig läuft, komponiert und zumindest in den ersten Kilometern aber auch genug Luft haben wird, um mit Mitlaufenden einen kurzen Schwatz abzuhalten. Zwei Stunden und 20 Minuten gibt er sich über die 21 Kilometer Zeit, wie er lachend meint: «Ein bisschen eine Challenge brauche ich schon noch und Letzter meiner Alterskategorie möchte ich schliesslich nicht mehr werden.»

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