Publiziert 29. Nov. 2022, 09:50
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Winterthur wird zum Karate-Mekka

«Wollen zeigen, wofür wir so viel Herzblut investieren»

Am kommenden Wochenende finden die Shotokan-Europameisterschaften in der Axa-Arena statt. Mittendrin: Die beiden Winterthurer Karatekas Arben Mustafi und Lars Friese.

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George Stutz

Die beiden Winterthurer Karatekas Arben Mustafi und Lars Friese sind seit acht Jahren dicke Kumpels – seit sie beim Karate Club Shotokan Winterthur zusammen trainieren. Gegenseitig und miteinander haben sie sich seither in den Trainings hochgepuscht bis hin ins Schweizer Nationalkader. Mit diesem haben sie erst vor knapp zwei Monaten in Liverpool ihre erste Weltmeisterschaft bestritten. Der heute 20-jährige Mustafi bei den Junioren bis 21 Jahre und bei der Elite, der drei Jahre jüngere Friese bei den bis 18-Jährigen und ebenfalls bei den bis 21-Jährigen. In der Disziplin Kata durfte sich Mustafi erstmals mit den weltbesten Shotokan-Kämpfern messen. «Gleich zu Beginn musste ich gegen einen Italiener ran, der schliesslich WM-Zweiter wurde, da hatte ich einen schweren Stand.» Auch Friese zahlte in seinem ersten WM-Abenteuer Lehrgeld. Die beiden sind sich aber einig: «Diese einmalige Erfahrung kann uns niemand nehmen.»

Auch der Nationaltrainer aus Winterthur

Bereits am kommenden Wochenende erhalten die beiden Freunde an der ESKA, den von Freitag bis Sonntag in der Axa-Arena stattfindenden Shotokan-Europameisterschaften, Gelegenheit, weitere Schritte in Richtung europäischer Spitze zu tun. Die kleine Winterthurer Delegation im 40-köpfigen Schweizer Nationalkader wird dabei von Hanspeter Rütsche ergänzt.

Rütsche wurde als Mitglied des Karate Club Shotokan Winterthur einst ESKA-Vize-Europameister und WM-Vierter. Heute ist der 47-Jährige nicht nur technischer Leiter seines Vereins und so auch Chef-Ausbildner von Mustafi und Friese, sondern auch deren Nationalcoach. «Dass wir in dieser Konstellation nach Liverpool reisen konnten und uns am Wochenende vor unserem Heimpublikum zeigen und dort im Kata Einzel und mit dem Kata-Team beweisen dürfen, ist schon speziell und freut mich sehr», so Rütsche. Eine Extrawurst erhalten seine beiden Schützlinge deswegen nicht. Arben Mustafi lacht: «Unser Team-Hotel liegt nur wenige Meter neben meinem Zuhause, trotzdem werde ich natürlich bei unserem Kader bleiben und mit Lars wie üblich das Zimmer teilen.»

Dieser Umstand ist auch für Friese kein Problem – im Gegenteil: «Der ganze Fokus liegt während der ESKA ganz klar bei unserem Sport und unserem Team. Da stacheln wir uns gegenseitig an und leben den hervorragenden Teamgeist. Eine bessere Motivation und Unterstützung gibt es nicht.» Da wird auch nur kurz Zeit bleiben, in der Axa-Arena selbst Freunde und Familie zu treffen und trotzdem freuen sich KV-Lehrling Friese und der sich im einjährigen Maturakurs befindende Mustafi auf eine wohl noch nie dagewesene moralische Unterstützung. «Über die drei Wettkampftage gesehen, werden sicher rund 200 Freunde und Bekannte auf der Tribüne sitzen. Wir freuen uns, diesen einfach mal zu zeigen, wie wir in den letzten Jahren und jetzt unser Herzblut und damit verbunden sehr viel Zeit in unseren Sport investierten und weiterhin investieren werden.»

Das Karate-Einmaleins den Kleinsten weitergeben

Die beiden sympathischen Sportler trainieren nicht nur beinahe jeden Tag in Winterthur, aber auch in Leuggern, wo sie zusammen mit einem Basler Nationalmannschaftskollegen an ihren Übungsformen für den Teamwettkampf feilen, sie bilden seit kurzem auch die jüngsten Talente des Karate Club Shotokan Winterthur aus. «Wir haben von Hanspeter Rütsche und den anderen Ausbildnern so viel Unterstützung, Leidenschaft und Know-how mit auf den Weg erhalten, sodass es für uns fast ein Selbstverständnis ist, dieses selbst mit viel Engagement und Freude an die nächste Karate-Generation weiterzugeben», betont Lars Friese.

Gut möglich, dass die Junioren- und Juniorinnenabteilung des Winterthurer Klubs nach den Europameisterschaften vor der Haustüre regen Zulauf erhalten wird. Davon geht auch Hanspeter Rütsche aus: «Gerade auch für Familien lohnt es sich, unseren spektakulären Sport am Wochenende kennenzulernen und auch einmal zu sehen, dass hinter Karate viel mehr steckt, als in Sequenzen von einigen Action-Filmen gezeigt wird.» Was die jungen Sportler und Sportlerinnen leisten, sei enorm. «Sie verdienen es, auch in Winterthur einmal im europäischen Rampenlicht zu stehen und werden entsprechend alles geben.»

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