Publiziert 09. Sep. 2022, 14:30
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HCR-Trainer Philipp Krebs im Interview

«Wir wollen jedes Spiel gewinnen und trauen uns das auch zu»

Morgen Samstag im Cup in Urdorf, am Sonntag in der NLA bei Floorball Köniz: Der HC Rychenberg startet am Wochenende in die neue Unihockey-Saison − mit dem stärksten Kader der letzten Jahre. 84XO hat Cheftrainer Philipp Krebs zum Interview getroffen.

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George Stutz
HCR-Cheftrainer Philipp Krebs blickt zuversichtlich auf den Saisonstart am kommenden Sonntag.

HCR-Cheftrainer Philipp Krebs blickt zuversichtlich auf den Saisonstart am kommenden Sonntag.
zvg

Morgen Samstag reist der HC Rychenberg nach Urdorf in die Halle des Erstligisten Unihockey Limmattal. Was sich wie ein weiteres Testspiel anhört, ist der Start in die neue Unihockey-Saison. Denn nur einen Tag nach dem Cup-1/16-Finalspiel wartet am Sonntag, 11. September, der Meisterschaftsauftakt gegen Floorball Köniz. Obwohl der HCR in einem Vorbereitungsspiel und vor allem zuletzt im Final des Supercups gegen die Könizer verlor, rechnet sich der 28-jährige HCR-Cheftrainer Philipp Krebs durchaus Chancen aus, mit einem Sieg in die Meisterschaft zu starten, wie er im Interview verrät.

Philipp Krebs, wer in der Vorbereitung den Schweizermeister Grasshoppers gleich zweimal schlägt, muss ziemlich bereit sein für die am Sonntag startende Meisterschaft. Würden Sie das so unterschreiben?

Philipp Krebs: Das Resultat hätte auch zweimal anders aussehen können. Insgesamt ist unser Spiel auf einem guten Weg, aber selbstverständlich noch nicht dort, wo es am Ende der Saison sein muss. Ich würde aber zustimmen, dass wir für den Saisonstart bereit sind. Die Resultate dürfen aber nicht darüber hinweg täuschen, dass wir einige Neuerungen gehabt haben und noch etwas Zeit brauchen, bis wir komplett eingespielt sind. So haben wir zum Beispiel unsere besten Linienkombinationen noch nicht gefunden, denke ich. Es ist aber Zeit, dass die Saison beginnt, einverstanden.

Sind es primär die Neuzuzüge Pascal Meier, Nicola Bischofberger und Claudio Mutter sowie der Schwede Jonathan Nilsson, die den Unterschied zur letzten Saison machen dürften und das HCR-Kader vom Potenzial her zum stärksten der letzten Jahre machen?

Auch, definitiv. Wir haben aber letzte Saison mit vielen jungen Spielern in grossen Rollen gespielt − mit dem Plan, dass sie sich stark weiterentwickeln. So haben zum Beispiel Levin Conrad, Noah Püntener, Kimo Oesch und Severin Ott grosse Schritte gemacht. Die Leistung jener, die schon da waren, wird für unsere Zielerreichung genauso wichtig sein wie die der neuen. Im Idealfall können wir von einem doppelten Effekt profitieren.

Auch von Ihrer Seite her die vier absoluten Top-Transfers?

Falls damit die Top-Transfers der Liga gemeint sind: Diese Frage würde ich nicht beantworten wollen. Es gab auch sonst starke Zuzüge, insbesondere bei Köniz. Aber es sind für unser Team, unseren Prozess und unsere Bedürfnisse für den HCR sicher die idealen Zuzüge.
Es waren alle vier Wunschtransfers, und wir sind sehr glücklich und stolz, dass sie gekommen sind.

Vier Ausnahmekönner in die Mannschaft zu holen, kann auch dem einen oder anderen Bisherigen Spielzeit oder Einsätze kosten. Gab das keine Unruhe ins Team?

Im Leistungssport muss man sich seinen Platz jedes Jahr neu erarbeiten. Wir hatten sechs Abgänge und vier Zuzüge, nominell ist es also nicht enger geworden. Die Challenge besteht darin, dass man sich nicht hinter den Neuen versteckt.

Neuzugänge können zudem auch den Einbau eigener Nachwuchsspieler erschweren. Wird trotzdem der eine oder andere HCR-Rohdiamant seine Chance erhalten oder ist bereits auf dem Sprung zum Stammspieler?

Wir haben mehr Platz im Kader für die Förderung eigener Junioren. Dies bleibt unser Kerngeschäft. Letzte Saison hatten wir einen Wechsel auf der Ausländerposition und sonst keine externen Zuzüge. Es wird auch nicht jedes Jahr so sein, dass vier Spieler von diesem Kaliber hinzukommen. Wir haben gute Strukturen, einen guten Nachwuchs und werden auch weiterhin bestrebt sein, mindestens ein Top-Talent pro Jahr einzubauen. Gerne aber auch mehr.

Philipp Krebs

«Fehler gehören im Unihockey dazu – aber wir müssen diese Schritt für Schritt reduzieren»

Sie leben den Leitsatz «defense first» und haben nun mit Pascal Meier den besten Torhüter der Schweiz zwischen den Pfosten. Heisst das, dass es sich der HCR nun erlauben kann, noch offensiver zu agieren?

Ich denke, im Vergleich zu vielen anderen Mannschaften agieren wir schon recht offensiv. Auf diesem Weg wollen wir weiter arbeiten. «Defense first» heisst einfach, dass jeder Spieler seine Aufgabe kennen muss, dass wir nicht beispielsweise auf offene Bälle spekulieren, sondern im Zweifelsfall nach hinten arbeiten. Aber ich glaube, letzte Saison und auch in dieser Vorbereitung hat man gesehen, dass wir durchaus offensiv agieren.

Wie gehen Sie und Ihre Mannschaft mit einem schon lange nicht mehr so hohen Erwartungsdruck um? War die Supercup-Niederlage so gesehen vielleicht gar nicht so schlecht?

Wir hätten den Supercup gerne – wie jeden anderen Wettbewerb – gewonnen. Von aussen mag die Erwartungshaltung gestiegen sein, zurecht. Wir sind uns aber team- und clubintern im Klaren, wo wir stehen und was wir erreichen müssen. Es wäre falsch zu sagen, dass der HCR der klare Titelfavorit für diese Saison ist. Trotzdem wollen wir gewinnen, ganz klar.

Am kommenden Sonntag kommt es zur Neuauflage des Duells gegen Köniz, dieses Mal auswärts in der Liga. Wie wichtig ist das erste Saisonspiel, um in den «Flow» zu kommen?

Wichtig ist, dass man von Woche zu Woche besser wird. In unserer Sportart müssen wir im März/April die beste Form erreichen. Aber wir wollen dieses Spiel natürlich gewinnen. Das werden wir, wenn wir ein par Details besser machen als am Supercup.

Philipp Krebs (stehend mit Brille) freut sich mit starken neuen und bewährten Spielern wie Tim Aeschimann (Foto) in seine vierte Saison als HCR-Cheftrainer zu gehen.

Philipp Krebs (stehend mit Brille) freut sich mit starken neuen und bewährten Spielern wie Tim Aeschimann (Foto) in seine vierte Saison als HCR-Cheftrainer zu gehen.
Martin Deuring

Wo haben Sie in den Supercup-Partien noch Schwächen in Ihrem Team ausgemacht? Was muss für den perfekten Meisterschaftsstart noch besser werden?

Insgesamt fand ich den Supercup schon auf einem recht ansehnlichen Niveau. Klar fehlten bei allen Mannschaften noch Detailabstimmungen, aber die Intensität und das Feeling war eher so wie gegen Ende Saison. Besser werden müssen wir fast überall, alles andere wäre nicht normal im August. Wichtig wird aber sein, dass wir noch cleverer agieren. Drei der ersten vier Tore am Supercup von Köniz gegen uns waren Geschenke, bei denen wir den Ball einfach verloren hatten. Fehler gehören im Unihockey dazu – aber wir müssen diese Schritt für Schritt reduzieren.

Der HCR hat sich auf die Fahne geschrieben, spätestens ab 2025 zu den Titelaspiranten zu zählen. Trauen Sie Ihrer Mannschaft zu, unter Umständen diese Saison bereits ein dickes Ausrufezeichen zu setzen?

Ich habe auch schon meiner letztjährigen Mannschaft zugetraut, dass sie Titel gewinnen kann. Es ist wichtig, mit dieser Überzeugung zu agieren. Wir müssen hier unterscheiden zwischen der strategischen und der operativen Ebene. Strategisch geht es für uns darum, den HCR auf und neben dem Platz zu einem Top-Team zu formen. Operativ wollen wir eigentlich jedes Wochenende gewinnen und trauen uns das auch zu. Aber im Wissen darum, dass es auch viele andere gute Mannschaften gibt, eine Saison lang ist und es auch Hoch und Tiefs geben kann.

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