Publiziert 16. Sep. 2022, 08:36
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EHCW-Sportchef Mario Antonelli im Interview

«Wir sind schneller und gefährlicher als zuvor»

Am Samstag, 17. September, findet das erste Heimspiel des EHC Winterthur gegen die Ticino Rockets statt. 84XO hat Sportchef Mario Antonelli zum Interview getroffen.

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George Stutz
EHCW Geschäftsführer und Sportchef Mario Antonelli.

EHCW Geschäftsführer und Sportchef Mario Antonelli.
Fotomontage

84XO sprach mit dem Geschäftsführer und Sportchef des EHCW Mario Antonelli nicht nur über die sportlichen Aussichten im Hinblick auf die am Wochenende startende Meisterschaft.

Vor knapp drei Wochen sprachen Sie an einer Medienkonferenz noch von einer «Völkerwanderung» in den beiden obersten Eishockeyligen der Schweiz, das heisst von Clubs, die überzählige Spieler noch abgeben würden, wovon der EHCW profitieren könnte.

Mario Antonelli: Ja die Völkerwanderung ist noch in vollem Gang. Viele Spieler von National League (NL)-Teams werden aktuell herumgeschoben oder weiterverkauft. Bei vielen Spielern zögern die NL-Teams aber auch noch; Die Ligareform hat in diesen Prozessen einiges verändert. Da wir hier nur mithalten können, wenn kein grosses Geld im Spiel ist, sind der eine oder andere Spieler noch offen. Als erster «Gewinn» ist Virgile Thévoz von Lausanne zu uns zurückgekehrt. Er kann sicher die Defensive noch stabilisieren. Ob uns noch ein Ausländer punktuell verstärkt, wird sich wohl in ein paar Wochen zeigen, wenn in der NL der Betrieb mal läuft.

Konnten die Abgänge aus Ihrer Sicht nicht nur anzahlmässig, sondern auch von der Qualität her kompensiert werden?

Das würde ich auf jeden Fall bejahen. Wir sind zwar noch etwas jünger geworden, konnten aber auch erfahrene Spieler ergänzen. Und ich denke, wir sind schneller und gefährlicher als letztes Jahr.

Einige Spieler werden auch von Partnerclubs wie dem EHC Kloten in Winterthur «parkiert», besteht dahingehend die Gefahr, dass die Spieler mitten in der Saison abberufen werden?

Nein, wir sind kein Parkplatz. Wir sind eine attraktive Hockey-Adresse, welche Top-Talenten einen Platz für den weiteren Karriereschritt bietet. Unsere Vereinbarungen sehen kein Hinundher vor, wir haben Leihverträge für die ganze Saison.

Die Vorbereitung war alleine von den Resultaten her gesehen nicht berauschend, was macht Ihnen Hoffnung, die Top 8 und damit die Playoffs dennoch erreichen zu können?

Einige Resultate waren vielversprechend und vor allem wurden wir gegen Ende der Vorbereitung immer stabiler. Wir konnten uns von Spiel zu Spiel steigern. Und genau das wollen wir weiterhin tun. Unser Team besteht aus hungrigen Spielern, die wir weiterbringen wollen. Wir haben die Rahmenbedingungen deutlich verbessert, um diese Fortschritte zu erzielen. Zudem ist das Team besser aufgestellt als letzte Saison. Ich sehe mehr Talent in der Kabine und vor allem einen Top-Charakter als gesamte Gruppe.

Mario Antonelli

«Wir werden endlich Stehplätze in der Eishalle Deutweg haben»

Die Finanzen des EHCW werden aktuell durch fehlende TV-Gelder, aber auch die Wirtschaftslage allgemein strapaziert. Weshalb hält der EHCW trotzdem an der – nach dem TV-Gelder Debakel mehr denn je ihrem Ruf als Pleiteliga gerecht werdenden – Swiss League fest und startet nicht eine Liga tiefer neu durch?

Ja unsere finanzielle Situation ist sehr angespannt. Von «Pleiteliga» zu sprechen, scheint aber unangebracht. Die Swiss League und die SIHF müssen hierzu ihre Hausaufgaben machen, so wie wir hier in Winti unsere machen müssen. Ich halte es für einen Irrglauben, dass bei einem freiwilligen Abstieg einfach alles besser und einfacher würde. Der EHCW hat eine Verantwortung gegenüber den Angestellten, die er wahrnehmen will. Zudem glauben wir daran, dass Profi-Eishockey in Winterthur einen Platz haben kann.

Wie will der EHCW die vielen Winterthurer Eishockeyfans vermehrt wieder für ihren eigenen Klub begeistern können?

Wir haben im vergangenen Jahr in allen Bereichen extrem hart gearbeitet. Wir haben sehr viele Gespräche geführt mit Fans, Zuschauern, Sponsoren etc., ihre Anliegen ernst genommen und vieles dazu umgesetzt. Wir haben sehr viel verändert, um das Fundament für Weiterentwicklung und Wachstum zu schaffen. Wir werden noch nicht in der erweiterten Spitze mitspielen, aber die Vorwärtsbewegung ist da!

Was wird ab kommendem Samstag, 17. September, für die Zuschauer neu oder anders sein als bisher?

Fast alles ist anders! Gastronomie, Fanartikel, Ticketing sind beispielsweise neu. Wir haben endlich Stehplätze in der Eishalle! Unter der Decke prangt ein topmoderner Videowürfel, in den Gängen zeigen Flachbildschirme das Geschehen. Jedes Spiel wird auf swissleague.tv live übertragen. Wir können ein Hockeyerlebnis bieten. Und vor allem haben wir ein sehr attraktives Team, welches bis zur letzten Sekunde Unterhaltung bieten kann.

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