Publiziert 09. Mai 2022, 15:01
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Neues Ultimate-Frisbee-Team

Winterthurerinnen entdecken den Frisbee-Sport für sich

Einmal die Woche gemeinsam Sport machen. Das war die Ausgangslage, weshalb sich einige Winterthurer Frauen zusammenschlossen und nun jeweils mittwochs an ihren Wurftechniken mit der Kunststoffscheibe feilen. Sie haben sich Ultimate Frisbee als Sportart ausgesucht – und heissen neue Mitspielerinnen gerne willkommen.

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Michael Hotz
Haben mit Ultimate Frisbee einen Sport für sich entdeckt, den sie nun in einem neuen Frauenteam ausleben (v. l.): Nadine Bodenmann, Irene Papageorgiu und Sissel Svahn.

Haben mit Ultimate Frisbee einen Sport für sich entdeckt, den sie nun in einem neuen Frauenteam ausleben (v. l.): Nadine Bodenmann, Irene Papageorgiu und Sissel Svahn.
Michael Hotz

Es hätte auch Fussball, Unihockey oder Basketball sein können. Sissel Svahn hatte bloss den Wunsch, in einem Plauschsportteam dabei zu sein. Die Sportart war für die 27-jährige Winterthurerin zweitrangig. «Ich habe rumgefragt, was es denn so für Angebote gibt» erzählt Svahn. Gleichzeitig lernte sie Irene Papageorgiu kennen, die gerade ein Praktikum in Winterthur absolviert. Diese hatte in ihrer Heimatstadt Bern bereits ein Ultimate-Frisbee-Team mitgegründet. Somit war die Sportart gefunden, eben: Ultimate Frisbee (siehe Box weiter unten).

Also machte sich das Duo an die Arbeit. Die spielerfahrene Papageorgiu hat die Trainingsleitung übernommen, Svahn kümmert sich darum, Mitspielerinnen zu finden. Eine davon ist Nadine Bodenmann. Auch sie war auf der Suche nach einem «Plauschteam ohne zu hohen Leistungsanspruch», wie die 26-Jährige erzählt. Mit dem neuen Ultimate-Fribee-Frauenteam hat sie nun ein Zuhause gefunden, in dem sie mit anderen Frauen einen neuen Sport lernen kann. Genau das ist auch das Ziel, wie Svahn ausführt: «Wir möchten andere Sportlerinnen ansprechen, die etwas Neues ausprobieren wollen.» Fast jede Woche kämen weitere dazu, aktuell bestehe der «harte Kern» aus sechs bis zehn Frauen.

Erstes Training war im Februar

Das Ultimate-Frisbee-Frauenteam trainiert zurzeit einmal in der Das Ultimate-Frisbee-Frauenteam trainiert zurzeit einmal in der Woche, jeweils um 19.30 Uhr auf einem der Rasenfelder am Rennweg. Seit Februar, als die Gruppe zum ersten Mal zusammenfand, ist das der Fall. Das eineinhalbstündige Training ist so aufgebaut, wie es auch in anderen Teamsportarten abläuft. Zuerst wärmen sich die Frauen auf, dann feilen sie an den verschiedenen Wurftechniken und üben einzelne Spielsituationen. Zum Schluss gibt es meistens noch ein «Mätchli». Trainerin Papageorgiu ist zufrieden, wie die Mitspielerinnen Fortschritte machen. «Es ‹fäggt›», so die Bernerin, «wir sind schon auf einem Niveau, das ein anständiges Spiel zulässt.»

Über die letzten Monate hat Svahn festgestellt, wie abwechslungsreich Ultimate Frisbee ist: «Ich hätte nicht gedacht, dass so viel Taktik dahintersteckt.» Das Zusammenspiel von Technik, Taktik, Ausdauer und Spielfreude zeichne die Sportart aus. «Es hat durchaus seinen Charme, dass nicht mit einem Ball gespielt wird», ergänzt die Organisatorin, deren Vater Basketballtrainer ist. Dem pflichtet Mitspielerin Bodenmann bei: «Ultimate Frisbee ist auch für Menschen geeignet, die nicht so stark im Ballwerfen sind.»

Mehr Fairness als im Fussball

Ein zentraler Bestandteil von Ultimate Frisbee ist der sogenannte «Spirit of the Game». So ist in einem Spiel kein Schiedsrichter und keine Schiedsrichterin im Einsatz, sondern die Spielerinnen und Spieler machen einen Regelverstoss unter sich aus. Nach einer Partie bilden die zwei Teams einen Spirit-Kreis, um das Spiel zu reflektieren. Und an einem Turnier wird neben der siegreichen Gruppe auch die fairste gekürt. «Weil wir uns noch im Aufbau befinden, müssen wir den ‹Spirit of the Game› noch richtig kennenlernen», führt Svahn aus. Dieser reize sie aber sehr und sei ein «mega schöner Aspekt». Diesbezüglich zieht sie einen Vergleich zum Fussball, den der FC Winterthur gleich neben ihrem Trainingsplatz auf der Schützenwiese zurzeit ziemlich erfolgreich praktiziert. «Das Macho-Gehabe und die Wut, die ich beim Spiel gegen Vaduz zwischen Gästefans und leider einigen FCW-Anhängern gesehen habe, ist mir eingefahren. Ansonsten ist der FCW ja als friedlicher und vorbildlicher Verein bekannt», sagt Svahn. Sie erhoffe sich, mit dem neuen Team dem «Spirit of the Game» gerecht werden zu können.

Für die Zukunft wünscht sich die begeisterte Ultimate-Frisbee-Akteurin, dass sich eine grössere Gruppe bilden wird, die fix einmal die Woche trainiert. In diesen Tagen absolviert das neue Team deshalb auch ein Probetraining mit den Sky Hawks, dem bereits bestehenden Winterthurer Frisbee-Verein. Diesem könnte sich das Frauenteam allenfalls anschliessen, so die Hoffnung. Und wenn es nicht klappt? «Dann gründen wir vielleicht unseren eigenen Verein», sagt Svahn.

  • Ultimate Frisbee ist ein wettkampforientierter, weitgehend berührungsloser Teamsport, der in den 1960er-Jahren von US-amerikanischen Studenten gegründet wurde. Er ist eine Art American Football – aber mit einem Frisbee statt mit einem Football und ohne Tacklings, also ohne Körperkontakt. In einem Spiel treten zwei Teams gegeneinander an. Das Ziel ist es, die von einem Mitspielenden geworfene Kunststoffscheibe in der gegnerischen Endzone am Ende des Feldes zu fangen. Mit dem Frisbee zu laufen ist verboten, lediglich ein Sternschritt ist erlaubt. Das gegnerische Team gelangt in Scheibenbesitz, wenn es den Frisbee abfängt, diesen zu Boden schlagen kann oder das angreifende Team das Spielgerät nicht fängt.

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