Publiziert 26. Apr. 2022, 08:25
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Treffen mit Nina Christen

Winterthurer Waffenschrank für die Goldwaffe von Tokio

Die Schweizer Kleinkaliber-Olympiasiegerin Nina Christen war auf Sponsoren-Besuch im Deutweg. Nach Hause fuhr die 28-Jährige mit etwas Schwerem.

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George Stutz
Unterstützung für die Olympiasiegerin: Die Schützin Nina Christen durfte sich in Winterthur einen neuen Waffenschrank aussuchen.

Unterstützung für die Olympiasiegerin: Die Schützin Nina Christen durfte sich in Winterthur einen neuen Waffenschrank aussuchen.
George Stutz

Drei Mal holte die Schweiz an den Olympischen Sommerspielen im letzten Sommer in Tokio Gold. Neben Tennisspielerin Belinda Bencic und Mountainbikerin Jolanda Neff gelang dies der Nidwaldner Schützin Nina Christen. Sie räumte gleich doppelt ab. Neben Gold im Dreistellungsmatch mit dem Kleinkalibergewehr hatte sie zuvor bereits Bronze mit dem Luftgewehr über zehn Meter gewonnen. Die heute 28-Jährige schrieb damit Schweizer Sportgeschichte, war es doch vor ihr noch keiner Schweizerin gelungen, an denselben Sommerspielen zwei Medaillen in Einzeldisziplinen zu ergattern. Zudem ist Christen erst die siebte Schweizer Olympiasiegerin.

Und trotzdem kann die gebürtige Wolfenschiesserin von ihrem Grosserfolg nur dann davon leben, «wenn es um das Essen und andere kleinere Brötchen geht», wie sie anlässlich ihres Winterthurer Besuchs letzte Woche verriet. Eingeladen hatte die Spitzensportlerin die Firma Hartmann Tresore Schweiz AG, ein deutsches Traditionsunternehmen, das seinen Schweizer Hauptsitz an der Pflanzschulstrasse 3 in Winterthur hat. «Nein», lachte Nina Christen, «für die Olympia-, Europameisterschafts- und Weltmeisterschaftsmedaillen oder das Preisgeld brauche ich leider noch keinen Tresor. Letzteres war auch im Olympiajahr im Vergleich zu anderen Topsportlern eher bescheiden, und für die Auszeichnungen hat mir mein Vater aus Holz eine schöne Vitrine geschreinert.»

Ein sicherer Schrank für die Wunderwaffe

Beraten liess sie sich vom Winterthurer Verkaufsleiter Simone Pelleschi deshalb auch nicht betreffend eines neuen Tresors, sondern hinsichtlich eines neuen, sicheren Waffenschrankes. Denn: Im Zusammenhang mit einem Sponsoringabkommen mit Hartmann Tresore durfte sie sich einen diebstahlsicheren neuen Aufbewahrungsort für ihre rund 12’000 Franken teure Goldwaffe von Tokio und ihre weiteren Hightech-Wettkampfgeräte aussuchen. Sie freute sich: «Es war und ist mein Ziel, aus meinem Olympiasieg auch finanziell zu profitieren. Wir Schützinnen und Schützen haben es im Vergleich mit anderen Sportarten sehr schwer. Ich kann mich zwar nicht beklagen, da ich als Zeitsoldatin unter anderem auch von der Armee und auch von Swiss Shooting, vom Bundesamt für Sport oder Swiss Olympic unterstützt werde, um unter professionellen Bedingungen trainieren zu können. Aber auch, um wie zuletzt zum Weltcup in Rio reisen zu können. Jede Unterstützung bringt mich weiter und ermöglicht mir auch, meinen Sport auf diesem Niveau zumindest bis zu den Olympischen Sommerspielen 2024 in Paris weiterbetreiben zu können. Gerade deshalb sind für mich solch tolle Sponsoring-Abkommen wie mit Hartmann Tresore sehr wichtig.»

Nina Christen hat auch betreffend ihrem neuen Waffenschrank genaue Vorstellungen.

Nina Christen hat auch betreffend ihrem neuen Waffenschrank genaue Vorstellungen.
George Stutz

Weshalb springen aber nicht noch mehr Sponsoren auf, weshalb fristet der Schiesssport in der Beziehung weiterhin einem Mauerblümchendasein? Christen meint, es habe insbesondere mit dem Interesse der Medien zu tun: «Der Hype während und gleich nach Tokio war riesig, flachte aber danach auch schnell wieder ab. Spätestens auf die Olympischen Winterspiele in Peking hin wurde es wieder ruhig um meine Person.»

Kaum beachtete Europameisterin

Über sie zu lesen war zuletzt nurmehr im Magazin des Schützenverbandes. Dies war auch vor den letzten Sommerspielen so. Selbst ihre Siege an der European Shooting Confederation, den European Games 2019 oder an der Weltmeisterschaft ISSF waren vielen Medien nur eine Randnotiz wert. Sie hat ihre Hoffnung aber nicht aufgegeben, dass zumindest anlässlich der kommenden internationalen Grossanlässe der vergangene Olympiasieg seine Ausstrahlung nicht verfehlt und mehr über das Abschneiden der Schweizer Spitzenschützen berichtet wird.

Sportschützin Nina Christen

«Von meinem Olympiasieg will ich nicht nur rein sportlich profitieren können»

Auch neben Schiessständen weiterkämpfen

Sie, die einst mit einem Jungschützenkurs im Alter von elf Jahren ihre Leidenschaft entdeckt hatte und seither viel für ihren sportlichen Traumberuf investiert hat, ist das Kämpfen gewohnt. «Gespräche mit Firmen, die an mich glauben – wie heute in Winterthur – aber auch einige Anfragen aus der Privatwirtschaft für Referate zu Mentaltrainings-Themen oder zu meiner Olympiageschichte, machen mich Zuversichtlich, dass ich für unseren Sport und mich noch mehr bewegen kann.»

Es wäre der sympathischen Heldin von Tokyo zu gönnen, wenn sie ihren Erfolg nicht nur emotional, sondern auch wirtschaftlich noch vergolden lassen könnte. So dass sie bei ihrem nächsten Besuch im Zentrum Deutweg in Winterthur guten Grund hätte, sich nicht mehr nur in der Waffenschrank-, sondern auch in der Geldtresorabteilung kompetent beraten zu lassen.

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