Publiziert 16. Apr. 2022, 09:00
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Roman Sidorowicz steigt in die letzten Playoffs

Mit Pfadi nochmals angreifen vor dem Rücktritt

Ende Saison ist für Roman Sidorowicz Schluss: Dann beendet der Rückraumspieler von Pfadi Winterthur seine Handballkarriere. Vorher strebt er aber die Titelverteidigung an. Zuerst gilt es, sich im Playoff-Viertelfinal gegen St. Othmar durchzusetzen – obwohl die St. Galler ihn schon verabschiedet hatten.

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Michael Hotz
Das Karriereende im Hinterkopf: Der Fokus von Roman Sidorowicz liegt aber auf den nächsten Spielen.

Das Karriereende im Hinterkopf: Der Fokus von Roman Sidorowicz liegt aber auf den nächsten Spielen.
Martin Deuring

Es war eine schöne Geste. Nach dem zweitletzten Spiel der Hauptrunde, das Pfadi Winterthur Anfang April beim TSV St. Othmar St. Gallen souverän für sich entschied, zeichneten die Gastgeber Roman Sidorowicz als «best Player» aus. Es hätte nämlich sein letzter Auftritt in der Kreuzbleiche sein können, tritt der linke Rückraumspieler von Pfadi doch Ende Saison vom Spitzenhandball zurück und beendet seine erfolgreiche Karriere. 

Wie es aber im Leben und somit auch im Sport manchmal ist, kommt erstens anders, und zweitens als man denkt. Aber genug der Phrasen: Als zweitplatziertes Team nach der Hauptrunde trifft Pfadi nun im Viertelfinal der Playoffs auf St. Othmar. Die erste Begegnung ist am Donnerstag, 21. April, zuhause in der Axa-Arena. Zwei Tage später reisen die Winterthurer dann nach St. Gallen. Geschieht nichts Unvorhersehbares wie eine Verletzung, was Sidorowicz letztes Jahr im Playoff-Halbfinal gegen den HSC Suhr Aarau widerfuhr, dann kommt er also in der Kreuzbleiche zu mindestens einem weiteren Spiel in dieser Best-of-Five-Serie mit St. Othmar.

Rücktritt nicht präsent

Auf dem Playoff-Viertelfinal liegt auch der Fokus von Sidorowicz: «Wir haben entscheidende Spiele vor uns. Es ist wichtig, dass ich mich voll auf diese konzentriere. Darum ist mein bevorstehender Rücktritt aktuell noch nicht so präsent.» Er wolle die anstehenden Partien mit seinen Teamkollegen und dem Staff richtig geniessen und freue sich auf möglichst viele gute Spiele.

Den linken Arm in einer Schleife, im rechten den Meisterpokal: Der damals verletzte Roman Sidorowicz (2. v. r.) feierte Mitte Juni 2021 mit seinen 
Teamkollegen von Pfadi Winterthur den Schweizer Meistertitel nach dem Sieg über die Kadetten Schaffhausen.

Den linken Arm in einer Schleife, im rechten den Meisterpokal: Der damals verletzte Roman Sidorowicz (2. v. r.) feierte Mitte Juni 2021 mit seinen Teamkollegen von Pfadi Winterthur den Schweizer Meistertitel nach dem Sieg über die Kadetten Schaffhausen.
Martin Deuring

Seiner Mannschaft attestiert er – ausgestattet mit der Erfahrung aus gut 300 Spielen in der höchsten Schweizer Handballliga, 44 Auftritten in der Bundesliga und 76 Partien für die Nati – eine gute Form. «Bis anhin haben wir uns gut präsentiert, auch wenn wir in dieser Saison schon einige Tiefs hatten. Wir haben viel Potenzial.» Dass Pfadi aktuell durchaus gut drauf ist, bewies die Mannschaft zuletzt im «Testspiel» bei Wacker Thun. Die Winterthurer hatten den zweiten Platz im Hinblick auf die Playoffs schon vor dem letzten Spiel zum Abschluss der Hauptrunde auf sicher. Im Duell zweier ambitionierter Mannschaften sicherte Kevin Jud Pfadi mit einem verwandelten Siebenmeter zwei Sekunden vor Abpfiff einen Punkt beim 25:25 im Berner Oberland.

Auf die Stärken fokussieren

St. Othmar liegt den Winterthurern durchaus. Die drei Spiele in der Hauptrunde entschied Pfadi alle für sich. Damit sich dies in den Playoffs nicht ändert, soll sich das Team von Cheftrainer Goran Cvetkovic auf seine Stärken fokussieren, fordert Sidorowicz: «Wir wollen hinten kompakt stehen und dann schnelle Konter nach vorne fahren. Gleichzeitig müssen wir unsere Fehler minimieren.» Am besten gelinge dies, wenn sich jeder Spieler auf seine Aufgaben konzentriere. Darum versuche er, seinen Rücktritt während den Spielen auszublenden. 

Etwas üben, wie es sich anfühlt, wenn man für seine Karriere gefeiert wird, konnte Sidorowicz Mitte März nach dem verlorenen Rückspiel mit der Nati in der WM-Qualifikation gegen Portugal. Die Teamkollegen verabschiedeten ihn intern nach seinem letzten Länderspiel. Auf Klubebene darf der 30-Jährige noch davon träumen, mit einem Sieg aufzuhören und die Karriere mit dem Double zu beenden. Denn auch im Cup hat Pfadi noch die Chance auf den Titel. Am 7. Mai treffen die Winterthurer auf GC Amicitia Zürich, bei denen Sidorowicz einst den Sprung in die NLA schaffte. Im siegreichen Cup-Halbfinal bewies Pfadi, dass auch die in dieser Saison stark auftretenden Kadetten aus Schaffhausen schlagbar sind. Ein gutes Omen für eine mögliche Finalreprise.

Aber, um wieder zu leicht abgegriffenen Sportphrasen zurückzukehren, die letztlich doch etwas Wahres beinhalten: Für Sidorowicz und Pfadi gilt es, Spiel für Spiel zu nehmen. Der Rücktritt und damit der Wechsel ins «normale» Berufsleben kommen früh genug. 

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