Publiziert 12. Juni 2022, 08:00
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Jasin Ferati gibt Gas

Ist das Visier einmal unten, will er der Schnellste sein

Jasin Ferati hat im Porsche Sports Cup eingeschlagen. Nach zwei Rennwochenenden steht der Winterthurer auf dem zweiten Tabellenrang der Gesamtwertung – und träumt weiter von der Formel 1, wie er beim Zmittag mit 84XO verriet.

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George Stutz
Auf dem Red Bull Ring in Spielberg gewann Jasin Ferati gleich sein zweites Rennen im Porsche GT3.

Auf dem Red Bull Ring in Spielberg gewann Jasin Ferati gleich sein zweites Rennen im Porsche GT3.
zvg

Die Formel 1 ist das Ziel des Winterthurers Jasin Ferati, seit er als siebenjähriger Go-Kart-Pilot erstmals am Start eines Rennens stand. Heute ist Ferati fast 19-jährig und hat sein grosses Talent vorab in diversen internationalen Kartserien längst bewiesen. Der Gesamtsieg der deutschen Elektro-Kart-Meisterschaft hat ihm 2019 den Weg in den Formel-Sport geebnet. Von der Formel-4-Academy Jacques Villeneuve ausgebildet, wechselten in den folgenden zwei Jahren Licht und Schatten. «Wir hatten oft Probleme mit dem Material», erinnert sich Jasin Ferati.

Dankbar für sein Privileg

Viele Zwischenfälle und Probleme prägten 2021 auch den Sprung in die Formel 3. Der Vertrag mit dem erstmals in jener Klasse startenden italienischen Team Monolite wurde deshalb gekündigt, im finnischen Team KIC Motorsport beendete Ferati eine schwierige Saison. «Um in der Formel 3 in einem konkurrenzfähigen Team unterzukommen, brauchst du ein gewaltiges Budget. Das fehlte uns aber, weshalb wir uns für den Umstieg in GT-Klasse entschieden», so Ferati. Wir? Ferati wird seit seinen Kart-Anfängen von einer Gruppe von Winterthurern um den Journalisten und Formel-1-Experten Peter Lattmann betreut und finanziell unterstützt.

«Ohne sie, aber auch ohne Familie, zu der auch mein Grossvater und stadtbekannter Rosenkavalier Sazo Ferati zählt, hätte ich es niemals so weit gebracht», erzählt Ferati beim Mittagessen im Restaurant Freieck in Seen. «Ich weiss sehr wohl um mein Privileg, den Rennsport betreiben zu dürfen und bin deshalb allen sehr dankbar, die mir dies ermöglichen.»

Zu diesen zählt auch Alexander Fach, der mit seinem Rennsport-Unternehmen Fach Auto Tech dem Förderpiloten einen 510 PS starken Porsche 992 GT3 Cup für die Porsche Sprint Challenge Suisse zur Verfügung stellt. Ferati, der seine Mechatroniker-Lehre bei der Schloss-Garage Winterthur absolviert hatte, arbeitet zudem für Fach an dessen Sitz in der Innerschweiz. «Es hat von Beginn weg alles gepasst, ich fühle mich bei Fach sehr gut aufgenommen und wohl», so Ferati.

Eine Boxenstopp-Premiere

Unterstrichen hatte er dies mit einem fulminanten Einstieg in den Porsche Sports Cup Anfang Mai. «Ich hatte auf dem GT3 keinen einzigen Trainingslauf bestritten, aber wurde im ersten Rennen in Spielberg auf Anhieb Zweiter und konnte tags darauf das Rennen gar gewinnen», freut er sich. Vor zwei Wochen kletterte der klar jüngste Pilot des Porsche Sports Cup Suisse in Le Castellet als Dritter erneut auf das Podest. Nach zwei Rennwochenenden steht Ferati auf dem zweiten Tabellenrang der Gesamtwertung.

«Ich will mich weiter verbessern können und dazulernen. Wie in Le Castellet. Da absolvierte ich meinen ersten Boxenstopp. Die Mechaniker wollten mir etwas zu trinken geben, diese gutgemeinte Ablenkung war für mich völlig ungewohnt», lacht Ferati. Habe er das Visier seines Helms nämlich einmal unten, so befände er sich in einem Tunnel, einfach nur darauf fokussiert, der Schnellste zu sein. Und wenn der unmittelbare Gegner sein gut befreundeter Teamkollege sei? «Dieser Zustand dauert jeweils bis das Rennen gelaufen und das Visier wieder oben ist», versichert Ferati mit einem Augenzwinkern.

Mit der Bestätigung des gelungenen Saisonstarts will er sich für höhere Aufgaben empfehlen. Sei dies auch auf internationaler Ebene im GT-Sport, für Einsätze bei 24-Stunden-Rennen oder auch für eine Rückkehr in den Formel-Sport. Denn: Von der Formel 1 träumt der ehrgeizige Winterthurer auch fast zwölf Jahre nach seinem ersten Rennen weiterhin.

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