Publiziert 23. Mai 2022, 17:31
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Simon Marquart und Jörg Stucki wurden geehrt

Erfolgreichem BMX-Fahrer und «Akro-Papa» gehen die Ziele nicht aus

Kürzlich zeichnete der Panathlon-Club Winterthur Simon Marquart als hiesiger Sportler des Jahres und Jörg Stucki als Sportförderer 2021 aus. Kurzporträts des 25-jährigen BMX-Fahrers und des 53-jährigen «Akro-Papas».

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Michael Hotz
Für Erfolge und Verdienste ausgezeichnet: Simon Marquart (l.) ist Winterthurer Sportler des Jahres, Jörg Stucki, einst aktiver Turner wie hier an der Tumbling-EM 1993, heute Trainer und Vereinspräsident, wurde als Sportförderer des Jahres geehrt.

Für Erfolge und Verdienste ausgezeichnet: Simon Marquart (l.) ist Winterthurer Sportler des Jahres, Jörg Stucki, einst aktiver Turner wie hier an der Tumbling-EM 1993, heute Trainer und Vereinspräsident, wurde als Sportförderer des Jahres geehrt.
Fotomontage: Michael Hotz / zvg / Instagram

Simon Marquart: WM als Saisonziel

Vor einem Jahr, im Mai 2021, setzte Simon Marquart zu zuvor unerreichten Höhenflügen an. In Verona gewann er als erster Schweizer BMX-Fahrer überhaupt ein Weltcuprennen. Am Tag darauf standen gleich zwei Winterthurer zuoberst: David Graf siegte im Nordosten Italiens vor Marquart, dessen beide Podestplätze schliesslich die Basis für den noch grösseren Triumph zum Saisonende sein sollten. Er fuhr im Abschlussrennen der BMX-Saison Ende Oktober des letzten Jahres seinen insgesamt dritten Saisonsieg ein, wodurch er seinen schärfsten Konkurrenten Ramirez Yepes aus Kolumbien noch abfing und den Gesamtweltcup für sich entschied.

Für diesen Erfolg zeichnete der Panathon-Club letzte Woche Marquart als Winterthurer Sportler des Jahres aus.  «Ich bin ja nun ein Weilchen ein Winterthurer», so der gebürtige Mönchaltorfer. Es sei deshalb schon länger eines seiner Ziele gewesen, diese Auszeichnung irgendwann einmal zu erhalten. «Sportler des Jahres zu sein, ist eine grosse Ehre für mich.»

Corona war ein Glücksfall

Der Titel ist für Marquart das Tüpfelchen auf dem i nach der bisher besten Saison seiner Karriere. Neben den Erfolgen im Weltcup kam letztes Jahr noch ein starker 4. Platz an den Weltmeisterschaften sowie die Olympia-Premiere dazu. Die Grundlagen für seinen Leistungssprung – vor 2021 hatte er in über 30 Anläufen nie den Vorstoss in den Final der Top 8 geschafft – schuf er im Corona-Jahr 2020, wie der heute 25-Jährige rückblickend sagt. Ohne Rennen bestreiten zu müssen, habe er rund eineinhalb Jahre voll trainieren und dabei grosse Fortschritte machen können. «Die Lockdowns taten mir gut. Nachdem ich zuvor von Verletzungen zurückgeworfen worden war, konnte ich einen Neustart wagen.» Enorm profitiert habe er zudem, dass mit Niek Kimmann seit letzter Saison einer der erfolgreichsten BMX-Profis überhaupt seiner Trainingsgruppe angehört. Der Niederländer holte sich in Tokio den Olympiasieg und gewann letztes Jahr auch WM-Gold.

Die Weltmeisterschaften sind dieses Jahr das grosse Ziel von Marquart. Aktuell laboriert er noch an einer Schulterverletzung, weshalb er beim Weltcupauftakt in Glasgow kommendes Wochenende nicht am Start sein wird. «Weil ich die zwei Rennen in Schottland verpasse, wird es schwierig, meinen Gesamtweltcupsieg zu verteidigen», sagt er. Darum fokussiere er sich lieber auf die WM Ende Juli in Nantes. Die Weltcup-Rennen am 11. und 12. Juni im holländischen Papendal will Marquart für eine Standortbestimmung nutzen. «Zurzeit weiss ich nicht, wo ich stehe.» Vor seinem ersten Sieg in Verona wusste er dies auch nicht.

Jörg Stucki: Erstmals an einem Weltcup?

Die Passantinnen und Passanten im Oberen Graben staunten nicht schlecht.  1993 wirbelten junge Männer mit Flick-Flacks, Rückwärtssalti und weiteren imposanten Turnelementen über eine eigens installierte Sprungbahn, die sie zuvor mitten in der Winterthurer Altstadt aufgebaut hatten. SRF hat das Spektakel vor knapp 30 Jahren filmisch festgehalten und 2020 als «Weisch no?»-Beitrag 2020 auf Facebook nochmals veröffentlicht.

In klassischem 90er-Outfit: Jörg Stucki bei seiner Tumbling-Vorführung 1993 im Oberen Graben.

In klassischem 90er-Outfit: Jörg Stucki bei seiner Tumbling-Vorführung 1993 im Oberen Graben.
Screenshot: Facebook / SRF

Die Idee für die Aktion stammte von Jörg Stucki. Der damalige Maschinenbaustudent hatte die Idee, die Sprungbahn aus alten Skis und Paletten selber zu bauen. «Wir bekamen ausrangierte Modelle von Völkl Schweiz gratis zur Verfügung gestellt. Einzige Bedingung war, dass wir sie nicht mehr zum Skifahren nutzen», erinnert sich Stucki, der jüngst für seine Verdienste für den Turnsport ausgezeichnet wurde. Der Panathon-Club Winterthur ehrte ihn letzte Woche als Sportförderer des Jahres 2021. «Das ist eine grosse Anerkennung meines ehrenamtlichen Engagements während dreier Jahrzehnte», sagt der Vollblutsportler dazu.

Zweitletzter Schweizer WM-Teilnehmer

Dem heute 53-jährigen Winterthurer ist zu verdanken, dass sich Akrobatik Anfang der 90er-Jahren in der Schweiz zu etablieren begann. Darum wird er gerne auch «Akro-Guru» oder «Akro-Papa» der Schweiz genannt. Zusammen mit Peter Grämiger gründete er 1992 den Schweizer Sportakrobatik-Verband. Und im gleichen Jahr entstand auch die Akrobatik- und Geräteriege Winterthur als eigenständiger Verein, dessen Präsident Stucki immer noch ist. Das Aushängeschild von Wintiakro, das Mixed-Paar Cécile Schön und Dario Speidel, sorgte letztes Jahr für einen Vereinshöhepunkt. Das Duo vertrat die Schweiz zum ersten Mal nach 24 Jahren wieder einmal an einer Weltmeisterschaft. Der letzte Teilnehmer aus unserem Land an einer WM war natürlich: Jörg Stucki, 1997 in Manchester mit seiner Akro-Partnerin Nelly Spielmann-Köpfer.

Angesprochen auf ein mögliches Ziel für dieses Jahr, muss der engagierte Turner kurz überlegen. Dann fällt ihm aber etwas ein: «In meinen 30 Jahren habe ich eigentlich schon alles gesehen. Aber an einem Weltcup-Wettkampf haben wir noch nie teilgenommen. Das wäre selbst für mich eine neue Erfahrung.» Neues lernt Stucki auch weiterhin dazu, so ist er seit rund drei Jahren Assistenztrainer am Regionalen Leistungszentrum der Disziplin Trampolin in Rüti, wo seine beiden Kinder Ladina und Floris Stuck trainieren. «Weil ich regelmässig vor Ort in der Halle war, kam man auf mich zu und fragte, ob ich mithelfen will», erzählt er. Selbstverständlich sagte Stucki zu. Wie hätte es auch anders sein können für einen wie ihn, der durch und durch Turner ist.

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