Publiziert 10. Juni 2022, 07:00
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Winterthurer startet an den Bieler Lauftagen

Das Ziel, nach Kilometer 95 zum Genuss-Finish ansetzen zu können

Thomas Raths bestreitet am Wochenende seinen ersten 100 Kilometer-Lauf. Das Ziel des gebürtigen Winterthurers: Die letzten fünf Kilometer geniessen zu können.

G
George Stutz
Thomas Raths hat sich sechs Monate lang intensiv auf die Lauftage von Biel vorbereitet.

Thomas Raths hat sich sechs Monate lang intensiv auf die Lauftage von Biel vorbereitet.
zvg

Die grosse sportliche Leidenschaft Thomas Raths’ galt bis vor fünf Jahren primär dem Handballsport. Die langjährige Teamstütze der Letten Tigers merkte in den letzten Jahren aber, dass ihm sportlich etwas fehlte. «Vor gut fünf Jahren motivierte mich ein Handballkollege, der schon immer an Läufen teilgenommen hatte, etwas mehr zu joggen», erzählt Raths.

Das Laufen habe ihm schon immer Spass und Freude gemacht, für mehr als fünf bis sechs Kilometer am Stück reichte die Kondition des heute 47-Jährigen anfangs aber nicht. «Zu Beginn ging ich doch sehr planlos vor. Ich wollte einfach rennen und mich verbessern. Mit der Zeit merkte ich aber, das ich mit gezielterem Training doch eher weiter komme», erinnert sich der am Bodensee wohnende Winterthurer. Schnell einmal machte er läuferische Fortschritte, wenn auch der Muskelkater ständiger Begleiter war.

Der «Frauenfelder» als Anfang

Die Freude aber überwog, die Trainingsintensität stieg und erste Ziele wurden fixiert. «Auch dank wertvollen Tipps von meinem Nachbarn, der in den 80er-Jahren ein starker Waffenläufer war, bereitete ich mich 2017 auf meine Wettkampf-Premiere vor, den Frauenfelder Waffenlauf über die Halbmarathondistanz. Grosse Herausforderungen haben mich schon immer gereizt, daher musste mein erster Lauf auch gleich eine echte Challenge sein. Mit der Anmeldung stieg die Motivation zusätzlich, sodass ich über längere Zeit zwei- bis dreimal die Woche bis zu zehn Kilometer lief, als Hauptprobe dann 16 Kilometer am Stück», so Raths. Einfach durchkommen wollte er. Unvergessen blieb das Gefühl des Zieleinlaufs, der Stolz und die Glücksgefühle danach.

Dieses Erlebnis war die Initialzündung, um noch härter zu trainieren und den ersten Marathonlauf anzupeilen. Als ihm 2019 Kollegen den Startplatz für den Zürich Marathon zum Geburtstag schenkten, gabs auch hierfür kein Zurück mehr. Es folgten harte Trail-Läufe, wie der 40 Kilometer lange Rheinquellen-Trail mit 3000 Höhenmeter und im Herbst 2021 ein Marathon und Halbmarathon innert zweier Tage. «Es war brutal und doch wusste ich, da geht noch mehr», sagt Raths. Also meldete er sich für den am heute Freitag, 10. Juni, startenden 100 Kilometerlauf von Biel an.

Respekt und Vorfreude vor dem «Bieler»

Seit sechs Monaten trainiert der gebürtige Winterthurer gezielt darauf hin, überlässt wenig dem Zufall und lief zuletzt 67 Kilometer als Hauptprobe. Die letzten Tage und bis zum Start am Freitagabend um 22 Uhr sind nur noch Lockerungsläufe, viel Wasser trinken, Massage und das Auffüllen der Kohlenhydratspeicher angesagt. Wie bei seiner Laufpremiere will Raths in Biel einfach durchkommen. Seine Vorfreude, aber auch der Respekt vor der noch nie bewältigten Laufdistanz sind gross: «Ich werde mir etappenweise kleine Ziele setzen, mich ab Kilometer 20 von einem Freund per Velo begleiten lassen und am Wegrand von meiner Freundin, weiteren Freunden und Bekannten. Online werde ich über meine WhatsApp-Gruppe unterstützt. Ich hoffe, 95 Kilometer so zu schaffen, dass ich es bis zum Zieleinlauf im Stadion nur noch geniessen und mich auf ein grosses Bier und Pommes Frites freuen kann.»

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