Publiziert 21. Juli 2022, 06:30
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Spitzensegler Christian Scherrer im Interview

«Als Aktiver ist für mich der Olympia-Zug abgefahren»

2003 gewann der Winterthurer Spitzensegler Christian Scherrer den America's Cup, heute ist er Unternehmer im Segelsport.

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George Stutz

Seine grosse Erfahrung und Erfolge als Profisportler bringt der 52-jährige Winterthurer Spitzensegler Christian Scherrer heute in seinen Funktionen als Organisator und Team Leader ein.

Christian Scherrer, an welchem Gewässer sind Sie zurzeit bei welcher Tätigkeit anzutreffen?

Christian Scherrer: Aktuell bin ich in Lagos, Portugal für die WM der Katamaranen. Also als Organisator der GC32 Racing Tour, beziehungsweise der entsprechenden Weltmeisterschaft.

Sind Sie immer noch der aktive Profisportler, der hart am Wind mit grossem Erfolg die namhaftesten Regatten der Welt segelt?

Heute bin ich klar mehr Unternehmer und Manager als Sportler. Ich bin nur noch wenig aktiv selber an Regatten mit dabei. Aber natürlich bleibt man im Geist ein Sportsmann. Meist bin ich nun bei Projekten im Hintergrund oder wie bei den GC32 Racing Tour im Vordergrund bei der Organisation tätig. Seit Anfangs Januar 2022 ist ja noch meine neue Tätigkeit dazugekommen: Ich arbeite – wenn auch nur Teilzeit – als CEO und Team Leader um das Swiss Sailing Team, die Organisation, die sich für das Olympische Segeln in der Schweiz kümmert. Mit Swiss Sailing unterstützen wir Schweizer Segler auf ihrem Weg vom Junior zur Elite bis zu den Olympischen Spielen. Um so mehr sind die paar Regatten, die ich noch segle, eine schöne Abwechslung. Gerade vor zwei Wochen war ich mit der J-Class Topaz am Superyacht Cup in Palma. Solche Erlebnisse sind dann immer sehr erfrischend.

Wachsen Ihre Töchter – zumindest solange sie noch nicht zur Schule gehen – auf allen Wässern und Booten der Welt auf oder sind Sie seither jeweils temporärer Hausmann?

Wir leben seit gut acht Jahren in Uerikon am Zürichsee und dort wachsen auch unsere Kinder auf. Das ist unser Zuhause und wir fühlen uns dort sehr wohl. Abgesehen davon, dass ich öfters beruflich unterwegs bin, versuchen wir möglichst viel Zeit gemeinsame als Familie zu verbringen. Zum Hausmann reicht das nicht, aber ich bin gerne daheim.

Apropos Töchter. Womöglich werden diese vom Seglerfieber ihres Vaters eines Tages angesteckt, bis hin zu Wettfahrten. Gilt der Segelsport, gerade in Bezug auf die grossen Regatten, immer noch als Männerdomäne oder sind auch hier die Frauen im Vormarsch?

In den letzten Jahren ist einiges passiert beim Segelsport. Beim Olympischen Segeln gibts Geschlechtergleichheit. Beim Ocean Race und anderen Regatten wird die Teilnahme von Frauen gefördert. Und gerade auch bei Hochsee-Regatten erzielen Frauen tolle Resultate. Trotzdem ist der Weg noch weit und so bleibt der Sport immer noch etwas stark von den Männern dominiert.

Sie haben schon an allen namhaften Regatten teilgenommen, nur an den Olympischen Spielen noch nie. Könnten die Olympischen Wettkämpfe 2024 vor der Küste Marseilles eine Option sein, auch diesen Traum noch zu erfüllen?

Für eine olympische Kampagne ist der Zug bei mir wohl klar abgefahren. In meiner neuen Funktion als Team-Leader vom Swiss Sailing Team darf ich aber bei den nächsten Olympischen Spielen dabei sein und unsere Athletinnen und Athleten unterstützen.

Christian Scherrer segelt noch ab un zu Regatten der J-Class.

Christian Scherrer segelt noch ab un zu Regatten der J-Class.
zvg

2024 soll auch Alinghi wieder am Americas Cup teilnehmen, kaum vorstellbar, dass dazu auf direkte oder indirekte Dienste von Christian Scherrer verzichtet werden kann und sei es als TV-Kommentator?

Ich war zwar letztes Jahr in Gesprächen mit Bertarellis Team. Primär freue und konzentriere mich nun aber auf die Olympischen Spiele für die Schweiz und werde dann mal sehen, ob sich bei SRF wieder eine Möglichkeit ergibt, unseren Sport dem Publikum näher zu bringen.

Hätte ein 52-Jähriger überhaupt Chancen auf einem Boot wie Alinghi noch einmal teilzunehmen, oder ist der Zug abgefahren?

Der eine oder andere ältere Segler ist beim Cup noch dabei als Steuermann oder Taktiker. Ansonsten sind die Mannschaften doch einiges jünger geworden, besonders in der Power Gruppe, das heisst bei den Grindern beziehungsweise «Radfahrern».

Windkraft liegt im Trend, dazu ist die Verschmutzung der Meere ein grosses Thema. Rücken Klimafragen den sauberen Segelsport in den Fokus. Wie kann dieser dazu beitragen, damit auf das Problem der Verschmutzung aufmerksam gemacht wird?

Es gibt verschiedene Programme, welche auf die Verschmutzung der Meere aufmerksam machen. Diese werden entweder von Yacht Clubs, Regatta-Organisatoren oder unabhängigen Organisationen geleitet. Bei Regatten werden mit den Teilnehmern immer wieder die Strände von Abfall befreit um auch so auf die Verschmutzung der Meere hinzuweisen. Dies ist eine wichtige Aufgabe, die unser Sport wahrnehmen kann.

Wann waren Sie letztmals in Winterthur?

Gerne besuchen wir mit der Familie meine Tante in Winterthur. Ich habe auch noch einige alte Freunde in Winterthur, die sehe ich leider nur selten. Es ist Zeit, dass ich wieder mal auf Besuch nach Winterthur komme!

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