Publiziert 27. Apr. 2022, 08:15
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Laura Matter erklärt ihre Dating-App

«Wir können es kaum erwarten, die erste ‹noii›-Hochzeit zu crashen»

Jeden Montagabend Singles per Video-Speeddating kennenzulernen – das ermöglicht die neue Dating App «noii». Mitgründerin Laura Matter aus Dinhard erklärt das Konzept.

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George Stutz
Die Dinharderin Laura Matter ist Mitgründerin von «noii».

Die Dinharderin Laura Matter ist Mitgründerin von «noii».
zvg

Vor einem Jahr war über die Dating-App «noii» erstmals zu lesen. Die «Bleibt zu Hause»-Devise der Corona-Task-Force, die es beinahe verunmöglichte, Leute in der Öffentlichkeit neu kennenzulernen, brachte Laura Matter, Marketing und Social Media Managerin aus Dinhard, auf den Plan. Dating-Plattformen florierten zwar, das unpersönliche Online-Kennenlernen, das ständige Wegwischen von möglichen Kandidaten – in der Meinung man finde noch etwas Besseres – störte die 22-Jährige. «Mit meinen Mitgründern Thomas Kuschel und Vladislav Lisavcov wollten wir deshalb Menschen nicht primär online zusammenführen, sondern ihnen dank unserer App den Anstoss und die nötige Zeit für ein möglichst erfolgreiches Date im richtigen Leben geben», so Matter.

Gesagt, getan. Seit letztem Sommer bietet «noii» jeden Montagabend von 20 Uhr weg eine Stunde Video-Speed-Datings an. Interessierte eröffnen auf noii.ch ein Konto. Wer kostenlos einen Dating-Platz möchte, rutscht in eine Warteschlaufe. Wer hingegen für 19.90 Franken ein Premium-Abo löst, hat einen Platz und damit ein Video-Treffen mit sechs bis acht passenden Singles auf sicher.

Passende? Laura Matter erklärt den Auswahlprozess: «Wir haben einen Algorithmus, welcher die Basisdaten – wie beispielsweise Alter, Wohnort, Kinder – auswertet, dazu fliesst eine persönlich kuratierte Auswahl von uns. Jetzt am Anfang ist dies noch möglich und notwendig. Mit der Zeit soll aber unser Matching, in Zusammenarbeit mit den Singles, optimiert werden, so dass ich an einem Dating-Abend auch wirklich auf passende Singles treffe und mich eben nicht durch hunderte quälen muss.»

Treffen nach erfolgreichem Video-Dating

Kommt es an besagten Montagabenden zu Matches, so erhalten die entsprechenden Personen die Handynummer des Gegenübers. Gemäss Laura Matter vereinbaren 78 Prozent der per Video fündig gewordenen Singles nach dem Handynummern-Austausch ein reales Treffen. Matter und ihr Team sind ständig daran, den Service für die User zu verbessern: «Wichtig ist, dass unser Fokus zurzeit darauf liegt, das Erlebnis im Online-Dating zu verbessern. Dabei messen wir uns noch nicht daran, wie viele Paare tatsächlich entstanden sind. Wir können es trotzdem kaum abwarten, die erste ‹noii›-Hochzeit zu crashen.»

Singles aus der erweiterten Region

Um die Dating-Qualität zu verbessern, wurde das «noii»-Gebiet, das zuerst die gesamte Deutschschweiz umfasste, auf die Kantone Zürich, Thurgau, St. Gallen und die beiden Appenzell begrenzt. «Wir haben gemerkt, dass Dating einfach extrem regional und lokal ist, die allermeisten möchten jemanden kennenlernen, der sehr nahe wohnt. Obwohl Bern und Zürich nur eine Stunde voneinander entfernt sind, ist es für viele ein No-Go. Das Gute: Je näher zwei Personen wohnen, umso schneller kommt ein Date im echten Leben zustande.»

Eine Stunde am Montagabend muss reichen

Rund 4000 Singles haben sich bei «noii» bereits registriert, die an insgesamt 3000 Video-Dates teilgenommen haben. Muss deshalb der einstündige Event am Montagabend bald schon ausgeweitet oder auf weitere Wochentage erweitert werden? Laura Matter winkt ab: «Wir werden beim Montagabend bleiben. Aktuell müssen wir natürlich auch Singles auf den nächsten Montag verweisen, weil die Plätze begrenzt sind. Dadurch ist die Teilnahme aber sehr exklusiv.

Laura Matter

«Eine Stunde pro Woche bei uns Online-Daten, that's it. Den Rest der Woche soll man ja noch Zeit haben für Dates im echten Leben»

«Die zukünftige Skalierung findet durch die im Moment durch unsere Partner in der Ukraine entwickelte Technologie statt und nicht durch die Erweiterung der Dating-Tage», erklärt die DInharderin. Es spiele keine Rolle, ob an einem Abend 10’000 Singles oder zehn Singles daten, solange die Technik mitmache. «Eine Stunde pro Woche, that's it. Den Rest der Woche soll man ja noch Zeit haben für Dates im echten Leben.»

«Heimvorteil» für Winterthurer Singles

«noii» will weiter wachsen. Vor einem Monat wurde dazu die «noii land AG» gegründet, eine erste Finanzierungsrunde durch externe Investoren in der Höhe von 300’000 Franken wurde soeben abgeschlossen. Damit soll auch die erwähnte, in der Ukraine zu entwickelnde eigene Videotechnologie und App vorangetrieben werden. Geld wird aber auch durch regelmässig stattfindende, innovative Events generiert.

‹Noii» organisiert auch einmal im Monat reale Treffen für Singles, wie zuletzt im «Zum Wiedehopf» im Haldengut-Areal Winterthur.

‹Noii» organisiert auch einmal im Monat reale Treffen für Singles, wie zuletzt im «Zum Wiedehopf» im Haldengut-Areal Winterthur.
zvg

So fand am Rhinerhorn in Davos im März das erste Skilift-Dating mit 300 Teilnehmenden statt. Nicht von ungefähr steht aber auch Winterthur im Fokus von «noii». Am Untertor wurde kürzlich der vielbeachtete Single-Automat aufgestellt, zudem findet am Donnerstag, 28. April, von 19 bis 24 Uhr, ein Rooftop-Event in der «Zum Wiedehopf»-Bar im ehemaligen Haldengut-Areal statt. Laura Matter verrät: «Es geht nicht unbedingt um das Speeddating, viel mehr bringen wir Singles an speziellen Orten zusammen und sorgen für einen unvergesslichen Event mit der richtigen Prise Bauchkribbeln.»

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