Publiziert 29. Apr. 2022, 14:53
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Neueröffnung am 1. Mai

Museum Neftenbach erstrahlt in neuem Glanz

Neues Outfit, neue Ausstellung, neuer Name: Am kommenden Sonntag, 1. Mai, feiert das Museum Neftenbach Neueröffnung. Presse, Behörde und Verwaltung erhielten am vergangenen Donnerstag einen ersten Einblick in die ehemalige Weintrotte. 84XO war vor Ort.

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Ramona Kobe

Der Geruch von Lack und Farbe liegt in der Luft, am Boden liegen vereinzelt Werkzeug und Kabel, Bauerarbeiter und Techniker wirbeln herum. Fertig ist hier längst nicht alles. Macht nichts, findet die Kulturkommission Neftenbach. Sie hat am vergangenen Donnerstag, 28. April, Presse, Behörde und Verwaltung zur Voreröffnung ins neue Dorfmuseum eingeladen, das nun ganzjährig geöffnet ist. Nicht nur wurde das Bistro komplett umgebaut, auch die alte Hanf- und Flachsausstellung ersetzte die Kulturkommission durch eine neu konzipierte Dauerausstellung und gab der ehemaligen Weintrotte an der Huebstrasse 1 einen neuen Namen: Museum Neftenbach – Kultur und Begegnung.

«Und die erste Begegnung haben wir heute», begrüsst Daniel Spiegel, Mitglied der Kulturkommission, die rund 30 Gäste im neuen Bistro, das nun wie ein solches aussieht. Dass dieses pünktlich fertig wird, daran zweifelte Fränzi Eggenberger. «Ich bin froh, dass heute alle sitzen können», gesteht die neue Pächterin, die das kleine Lokal zusammen mit ihrem Partner Markus Sahli führt und Unterstützung von Schwester Arlette Steiner erhält. «Wir hoffen, dass viele den Weg hier rauf finden», fährt Eggenberger fort.

Museumsbesucher, Spaziergänger und Velofahrer will das Wirtepaar künftig mit Flammkuchen, «Chalte Plättli» und diversen Desserts kulinarisch verwöhnen. Zudem sind verschiedene Veranstaltungen im Gewölbekeller geplant. Ein Jazz-Matinée mit einem passenden Drei-Gang-Menü etwa. Oder ein Märli-Zmorge mit Märchenerzählerin Beatrice Künschner. Auch draussen sollen die Gäste neu «ihre Seele baumeln lassen». Und: «Im Winter wollen wir ein gemütliches Fondue-Stübli einrichten», verrät Eggenberger.

Zeitkapseln als Metapher

Wie das Bistro ist auch die Wechselausstellung des Hettlinger Künstlers Urs Kerker im ersten Obergeschoss praktisch fertig eingerichtet und bereit für die offizielle Neueröffnung am kommenden Sonntag, 1. Mai. Anders sieht es im Dachstock aus, dem Kernstück des neuen Museums. Die hölzernen Zeitkapseln, die die Besucherinnen und Besucher durch die regionale Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts führen, stehen zwar, ihr Inhalt aber fehlt noch. «Wir wollten nicht 17 Heugabeln ausstellen», erklärt Urs Müller, Mitglied der Kulturkommission, die Idee hinter dem neuen Konzept. «Wir wollten etwas Neues machen, das die Leute interessiert.» Die einzelnen Kapseln liessen sich verändern, so dass die Ausstellung nicht zehn Jahre gleich aussehen müsse. «Das macht es spannend», findet Müller.

Die Zeitkapseln werden in Form von Weinkristallen dargestellt und sollen an das ehemalige Flachs- und Weinbaumuseum erinnern.

Die Zeitkapseln werden in Form von Weinkristallen dargestellt und sollen an das ehemalige Flachs- und Weinbaumuseum erinnern.
Ramona Kobe

Inszeniert wurde die Dauerausstellung vom Studio Speck in Winterthur unter der Leitung von Anita Bättig und Nina Langosch. «Bei den Zeitkapseln handelt es sich um eine Metapher», sagt Bättig. «Diese werden mit dem Zweck vergraben, zeittypische Dinge für die Nachwelt zu bewahren. Werden sie wieder hervorgeholt, machen sie nur einen Teil der damaligen Zeit sichtbar.» Auch die Ausstellung habe keinen Anspruch auf Vollständigkeit. «Es handelt sich nicht um eine historische Ausstellung, sondern um die Themenvermittlung.» Und was hat es mit der speziellen Form der Zeitkapseln auf sich? «Das sind Weinkristalle», erklärt die Szenografin. Diese fänden sich in den alten Weinfässern und würden an das ehemalige Flachs- und Weinbaumuseum erinnern. «Sie sind ein schöner Gegensatz zum alten Dachstock und eignen sich gut für die Themeninhalte.»

Eine Kapsel ist der Gemeinschaft gewidmet und zeigt einen Ausschnitt der 800-Jahre-Feier in Neftenbach. Eine andere stellt «Pioniere» des Dorfs vor, den Salz-Baron Heinrich Sulzer zum Beispiel oder Jakob von Wart, ein berühmter Minnesänger. Auch das Gewerbe wird in einem hölzernen Weinkristall in Szene gesetzt. «Wir heben Sterne der Industrialisierung hervor», betont Anita Bättig, und nennt die alte Ziegelei als ein solcher.

Kulturkommission ist begeistert

Noch sind nicht alle Themen fertig gestaltet. Denn: «Viele Geschichten wurden noch nicht komplett aufgearbeitet», sagt Bättig, die das Museum nach Abschluss des Projekts wieder in die Hände der Kulturkommission übergeben wird.

Diese zeigt sich vom neuen Konzept beeindruckt. «Es ist eine ganz neue Art, etwas zu präsentieren», freut sich Daniel Spiegel. «Früher waren hier starre Stellwände.» Er hofft, durch die «riesige Aufwertung» das Interesse bei der Bevölkerung für die Dorfgeschichte zu wecken. «In meinen Augen ist das neue Museum einmalig.»

  • Die offizielle Neueröffnung des Museum Neftenbach findet statt am Sonntag, 1. Mai, von 10 bis 17 Uhr; mit Festwirtschaft und musikalischer Unterhaltung. Anschliessend ist das Museum am ersten und dritten Samstag sowie am zweiten und vierten Sonntag im Monat geöffnet, jeweils von 10 bis 17 Uhr. Bistro-Öffnungszeiten: Donnerstag bis Sonntag, ab 10 Uhr.

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