Publiziert 21. Apr. 2022, 10:50
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Auch Zunahme von Gewalttaten

Kriminalität von Zürcher Jugendlichen hat erneut zugenommen

2021 ist die Kriminalität unter Zürcher Jugendlichen um 14,5 Prozent gestiegen. Zugenommen haben auch die Jugendgewalt, und zwar zum sechsten Mal in Folge.

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red
Die Jugendkriminalität im Kanton Zürich hat in den letzten Jahren stetig zugenommen. Erneut ist auch ein leichte Zunahme an Gruppendelikten zu beobachten.

Die Jugendkriminalität im Kanton Zürich hat in den letzten Jahren stetig zugenommen. Erneut ist auch ein leichte Zunahme an Gruppendelikten zu beobachten.
Symbolfoto: pixabay.com

Es ist ein unschöner Trend: Seit 2013 lässt sich ein kontinuierlicher Anstieg der Jugendkriminalität im Kanton Zürich beobachten. 2021 hat die Anzahl an von Jugendlichen verübten Straftaten erneut zugenommen, wie aus der entsprechenden Statistik hervorgeht, welche die fünf kantonalen Jugendanwaltschaften am Donnerstag publizierten. Demnach eröffneten diese im vergangenen Jahr ein Strafverfahren gegen 5961 Jugendliche, 2020 waren es 5208. Somit nahm die Zahl der beschuldigten Minderjährigen im Vergleich zum Vorjahr um 14,5 Prozent zu.

Angestiegen sind auch die Gewaltstraftaten – zum bereits sechsten Mal in Folge. 2021 sahen sich 1014 Jugendliche mit dem Vorwurf konfrontiert, eine Gewaltstraftat begangen zu haben. Im Vergleich zum Vorjahr ist dies ein Plus von 10,9 Prozent. Jugendgewalt habe viele Gesichter, heisst es in einer Medienmitteilung der Direktion der Justiz und des Innern: «Darunter fallen Tätlichkeiten wie eine Ohrfeige aber auch schwere Körperverletzungen mit bleibenden Schäden für das Opfer. Minderschwere Gewalt kommt bei Jugendlichen glücklicherweise deutlich häufiger vor.»

Anstieg auch bei leichten und mittelschweren Delikten

Gemäss Mitteilung betrifft die Zunahme der Kriminalität von Jugendlichen nicht nur die Jugendgewalt, sondern zeigt sich auch bei den leichten und mittelschweren Delikten. Alleine in den letzten fünf Jahren hat die Zahl der beschuldigten Minderjährigen um rund 25 Prozent zugenommen. Im Vergleich zu 2013 beträgt der Anstieg sogar knapp 60 Prozent. Deutlich zugenommen haben die Verzeigungen wegen Vermögensdelikten wie geringfügiger Diebstahl, Diebstahl, Sachbeschädigung oder Hausfriedensbruch.

Kontinuierlich abgenommen haben hingegen die Verzeigungen wegen Verstössen gegen das Betäubungsmittelgesetz. Sie haben sich in den letzten fünf Jahren halbiert. Hauptgrund für diesen Rückstand ist, dass der Besitz von geringfügigen Mengen an Cannabis bis zehn Gramm bei Jugendlichen seit einem Bundesgerichtsentscheid von 2019 nicht mehr strafrechtlich geahndet wird.

Gewalttäter werden jünger

Bei der Jugendgewalt handelt es sich um ein primär männliches Phänomen, wie die Analyse der begangenen Jugendgewaltstraftaten durch die Oberjugendanwaltschaft zeigt. Der Anteil an männlichen Beschuldigten lag 2021 bei 88,1 Prozent (2020: 91,3 Prozent). Knapp drei von fünf Beschuldigten waren nicht vorbestraft, gut jeder siebte wies jedoch bereits eine Vorstrafe wegen einer Gewaltstraftat auf. Im Vergleich zu den Vorjahren gesunken ist das Durchschnittsalter der Beschuldigten zum Tatzeitpunkt, dieses lag bei 15,5 Jahren (2020: 15,7). «Auffällig ist, dass die Zahl der 13- bis 15-jährigen Beschuldigten in den letzten fünf Jahren überdurchschnittlich stark zugenommen hat», heisst es in der Mitteilung. Der Anteil dieser Alterskategorie bei den Gewaltstraftaten betrug 2021 fast 50 Prozent.

Weitere Erkenntnisse der Analyse: Erneut ist eine leichte Zunahme an Gruppendelikten zu beobachten. Zugleich kam es zu mehr Vorfällen am Tag und am Abend. Als Tatort weiterhin an Bedeutung gewonnen hat der öffentliche Raum. Der Anteil an Gewaltstraftaten an Schulen ist hingegen seit Jahren rückläufig. Auch im vergangenen Jahr richtete sich Jugendgewalt vornehmlich gegen andere Jugendliche. Bei den über 16-Jährigen kam es jedoch sowohl auf Täter- als auch Opferseite vermehrt zu einer Vermischung mit jungen Erwachsenen. Bei den Jugendlichen über 16 Jahren spielte Alkohol zudem in einem Drittel der Fälle nachweislich eine Rolle. Gefährliche Gegenstände, ob eingesetzt oder als Teil der Drohkulisse, bleiben weiterhin ein Thema.

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