Publiziert 24. Aug. 2022, 08:44
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Velotour wird zur Spendenaktion

Für einen guten Zweck durch Südamerika radeln

Carmen Knöpfel fährt ab Oktober von Kolumbien in den Süden Argentiniens – auf dem Velo. Zusammen mit drei Kollegen will sie damit Spenden sammeln für eine Schule in Nairobi, die sie 2016 in ihr Herz schloss.

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Ramona Kobe

Von Bogotà in Kolumbien über Ecuador, Peru, Bolivien und Chile bis ganz in den Süden Argentiniens nach Ushuaia. Die rund 10’000 Kilometer mit Auto, Wohnmobil oder öffentlichen Verkehrsmitteln zurückzulegen, ist bereits ein Abenteuer. Mit dem Velo quer durch den Kontinent zu fahren, ist kaum in Worte zu fassen. Doch genau das tut Carmen Knöpfel mit ihrem Freund und zwei Kollegen. Damit verfolgt sie ihren Traum, die Welt auf zwei Rädern zu bereisen. Gleichzeitig setzt sie sich mit der Velotour für die spendenfinanzierte Schule Safisha Africa im Slum Mowlem in der kenianischen Hauptstadt Nairobi ein.

Dort hat die 28-Jährige nach ihrem Studium an der Pädagogischen Hochschule drei Monate als Lehrerin unterrichtet. Und hat sich in die Kinder, das Land, die Kultur verliebt, wie sie erzählt. «Es war definitiv ein unbeschreibliches Erlebnis. Jedes einzelne der damals 37 Kinder eroberte mein Herz.» Entsprechend schwer sei ihr der Abschied gefallen. So beschloss Knöpfel die NGO auch in Zukunft zu unterstützen und den kenianischen Kindern die Tür zur Bildung weiterhin offen zu halten. Die Vision der Schulleiterin, eine eigene, richtige Schule zu bauen, wurde zu ihrer eigenen. Insgesamt 30’000 Franken für den Bau kriegte Knöpfel zusammen. Dafür fuhr sie vor fünf Jahren 6000 Kilometer von Windhoek, der Hauptstadt Namibias, nach Nairobi. Ebenfalls mit einer Gruppe Kollegen. Und auch auf dem Fahrrad.

Mehr Respekt als in Afrika

Das neue Schulhaus steht mittlerweile, und es braucht nur noch einige Feinschliffe, bis der Betrieb der Schule aufgenommen werden kann. Was noch fehlt, ist die Innenausstattung, die Finanzierung der zusätzlichen Lehrpersonengehälter und weiteres Schulmaterial. Der dafür notwendige Betrag – rund 50’000 Franken – soll nun auf der zweiten Spendenfahrt durch Südamerika zusammenkommen. Im Oktober geht’s los. Wie bereits 2017 verladen die vier ihre Bikes und reisen mit je vier Velotaschen. Übernachtet wird auch diesmal in Zelten. Ob sie keine Angst haben? Knöpfel schüttelt den Kopf. «Aber ich habe viel mehr Respekt als auf unserer ersten Tour. Damals kannte ich die afrikanische Kultur bereits. Südamerika ist für uns alle komplettes Neuland.»

Carmen Knöpfel

«Ich habe viel mehr Respekt als auf unserer ersten Tour. Damals kannte ich die afrikanische Kultur bereits. Südamerika ist für uns alle komplettes Neuland»

Deshalb setzt sich die Gruppe bestimmte Regeln. «Wir fahren nicht im Dunkeln und sind nie allein unterwegs», erzählt die Pädagogin. Ausserdem würden sie in den Städten und Dörfern jeweils so viele Leute wie möglich über ihr Projekt informieren. Damit habe man bereits in Afrika gute Erfahrungen gemacht. «Die Einheimischen waren extrem hilfsbereit. Wir konnten jeweils in Schulen, Spitälern oder auf dem Polizeiposten übernachten und dadurch einen gewissen Schutz der Community geniessen.»

Spielverderber Regenzeiten

Wie lange die vier unterwegs sein werden, wissen sie noch nicht. «Wir planen mit rund einem halben Jahr», so Knöpfel. «Mit grösster Wahrscheinlichkeit werden wir nicht bis ganz in den Süden nach Ushuaia fahren, da der Winter in Patagonien Einzug halten wird und die ganze Route doch einige Kilometer zählt.» Dementsprechend fahre man so weit man komme. Zwischen 80 und 100 Kilometer sind täglich geplant, je nach Wind und Steigung. In Afrika hatten die Reisebegeisterten am meisten mit den hohen Temperaturen zu kämpfen, in Südamerika könnten die Regenzeiten zum Spielverderber werden. «Das Klima genauer zu studieren, steht noch auf meiner To-Do-Liste», erzählt Knöpfel, die in Stammheim aufgewachsen ist.

Carmen Knöpfel fuhr 6000 Kilometer durch Afrika, um Gelder für eine Schule zu sammeln. Nun startet sie ihre nächste Spendenfahrt durch Südamerika.

Carmen Knöpfel fuhr 6000 Kilometer durch Afrika, um Gelder für eine Schule zu sammeln. Nun startet sie ihre nächste Spendenfahrt durch Südamerika.
zvg

Etwas Kopfzerbrechen bereitet ihr zudem die Sprache – einer der Gründe, weshalb sie sich nach dem Studium für ein Semester in Afrika und nicht in Südamerika entschieden hatte. «Mittlerweile ist mein Spanisch aber so gut, dass ich mich verständigen kann. Aber bis zum Start unserer Reise muss ich es noch etwas aufbessern.»

Nachhaltige Unterstützung

Um eine gewisse Stabilität in die Finanzierung der Safisha-Schule bringen zu können, gründete Carmen Knöpfel zusammen mit ihrem Freund im Oktober 2019 den Verein Support For Safisha Africa. «Wir haben gemerkt, dass die zahlreichen Aktionen, wie Vorträge über unsere Velotour oder Kooperationen mit Schweizer Schulen, mehr Struktur erforderten», nennt sie weitere Gründe für die Schaffung des Vereins, der mittlerweile aus 35 Mitgliedern besteht. «Ausserdem ist es uns ein grosses Anliegen, die Schule nachhaltig und nicht nur durch eine einmalige Spendenaktion zu unterstützen.» Und sie ergänzt: «Uns ist bewusst, dass auch in anderen Ländern extrem viel Armut besteht. Wir hoffen, mit unserem Engagement auf die kulturellen Brücken zwischen Nord und Süd aufmerksam zu machen und das Bewusstsein für lokale Unterschiede und Ungerechtigkeiten zu fördern.»

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