Publiziert 15. Apr. 2023, 06:00
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Brauerei Hopfenfisch

Ein Bier, das auch ausserhalb der Grenze schmeckt

Pino und Fabienne Rubolino brauen in Neftenbach gemeinsam Bier. Bei einem internationalen Wettbewerb haben sie jüngst sechs Auszeichnungen gewonnen – eine wichtige Würdigung vor dem Umzug in die Tössallmend.

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Ramona Kobe
Fabienne und Pino Rubolino haben für ihre Craftbiere aus Neftenbach jüngst sechs Diplome an einem internationalen Wettbewerb erhalten.

Fabienne und Pino Rubolino haben für ihre Craftbiere aus Neftenbach jüngst sechs Diplome an einem internationalen Wettbewerb erhalten.
Ramona Kobe

30 Quadratmeter. Mehr Platz brauchte Pino Rubolino in den letzten vier Jahren nicht, um über 20 verschiedene Biere zu brauen. Weil seine grosse Leidenschaft mittlerweile mehr ist als nur ein Hobby und er mit 15'000 Litern pro Jahr die Kapazitätsgrenze seiner kleinen Craftbier-Brauerei Hopfenfisch in Neftenbach längst erreicht hat, wird er expandieren. Auf diesen Schritt wartet er schon seit zwei Jahren, allerdings fand er nicht die richtige Location. «Unser Craftbier kommt aus Neftenbach. Deshalb wollen wir in der Gemeinde bleiben», erzählt Rubolino. Fündig wurden er und seine Frau Fabienne, die ihn tatkräftig unterstützt, nun in der Tössallmend. Im Juni beginnen sie mit dem Umbau. Der wird dauern. «Nur schon bis die ganze Brauanlage eingerichtet ist, brauchen wir einen Monat.»

Diese zügelt er aber nicht aus dem Untergeschoss seines Einfamilienhauses. Der 43-Jährige hat den Gewinn der letzten Jahre stetig in die Brauerei investiert und sich noch nie einen Lohn ausbezahlt. Mit einer neuen Brauanlage kann er jährlich bis zu 150'000 Liter Bier produzieren, also 10-mal so viel wie heute. «Das ist aber nicht unser Ziel», winkt Rubolino gleich ab. Jede Woche 3000 Liter Bier zu brauen, liege zeitlich nicht drin, zumal der Neftenbacher in einem 90-Prozent-Pensum als Maschinenbauingenieur arbeitet. «Wir möchten die Kosten decken und weiterhin Freude am Brauen haben. Das steht im Vordergrund.»

Mehr Platz, weniger Sorten

Am neuen Standort wollen Pino und Fabienne Rubolino aber nicht einfach nur Bier brauen. Geplant ist zusätzlich ein sogenannter «Tap Room», wo sie das Hopfengetränk frisch ab Tank ausschenken. Diesen Raum teilen sie mit zwei Kollegen, die mit speziellen Spirituosen wie exotischen Gins handeln. Geöffnet sein die Bar voraussichtlich an zwei Abenden pro Woche. «Ich denke, dass wir eine Bewilligung für 100 Personen erhalten», sagt der gebürtige Winterthurer. Er hat verschiedene Ideen im Kopf, wofür sich der rund 140-Quadratmeter grosse Raum alles eignet. Viel verraten will er noch nicht. «Sonst schauen alle vorbei, bevor wir offiziell eröffnen.»

Pino Rubolino

«Wir wissen mittlerweile, welche Biere ankommen und welche wir in grösseren Mengen verkaufen können»

In der Tössallmend wird das Hopfenfisch-Sortiment wesentlich kleiner sein als bisher. Zwischen fünf fixen Sorten können Bierliebhaberinnen und -liebhaber aussuchen, hinzu kommen eine saisonale Rezeptur, die rotiert, und verschiedene Spezialitäten aus dem Holzfass. «Wir wissen mittlerweile, welche Biere ankommen und welche wir in grösseren Mengen verkaufen können.» Dass sich seine Kreationen grosser Beliebtheit erfreuen, zeigen verschiedene Auszeichnungen, die er an regionalen Wettbewerben abstaubte. Aber auch im internationalen Vergleich kann das Neftenbacher Craftbier mithalten: Die Rubolinos erhielten jüngst am Concours International de Lyon 2023, einem weltweit anerkannten Wettbewerb für die Sparten Bier, Wein und Käse, für sechs der acht eingereichten Biere Diplome – dreimal Gold und dreimal Silber. «Mit dieser Ausbeute hätten wir nicht gerechnet», zeigt sich Pino Rubolino sichtlich erfreut über die Würdigung. Dass gerade das reine Lager-Bier mit Gold ausgezeichnet wurde, überrascht ihn. «Bei dieser Sorte schmeckt man nur schon die kleinste Unstimmigkeit.»

An Hopfen wird nicht gespart

Das gute Abschneiden zeigt auch, dass sich der Fleiss und Ehrgeiz der Neftenbacher Familie lohnt. Bei ihr steht Qualität an höchster Stelle. Aber auch mit den Zutaten heben sich die Hopfenfisch-Biere vom Massenprodukt ab. «Wir sparen nicht an den Rohstoffen», erzählt Pino Rubolino. Er verwendet mehr Hopfen als ein Standardbier enthält und bezieht dieses, wenn nicht aus Stammheim, über einen Schweizer Importhändler, etwa aus Australien oder Neuseeland. Das Wasser entsalzt er komplett, bevor die Mineralien in verschiedenen Mengen wieder hinzugefügt werden. So kann er das Brauwasser bierstilgetreu aufbereiten. «Ein Bier besteht zu 90 Prozent aus Wasser», sagt Rubolino. «Das ist die wichtigste Zutat, wenn man runde und stimmige Biere herstellen will.»

Fabienne Rubolino

«Vom Bau der Abfüllanlage über die Etiketten bis hin zur Steuerung – bei uns ist jeder Schritt Handarbeit»

Zudem erhält das Craftbier die nötige Zeit, um zu gären, ehe es gelagert und anschliessend unpasteurisiert abgefüllt und in der Flasche endvergoren wird. «Auch das macht uns so besonders», wendet Fabienne Rubolino ein. «Vom Bau der Abfüllanlage über die Etiketten bis hin zur Steuerung – bei uns ist jeder Schritt Handarbeit.»

Logistik als grosse Herausforderung

Auch wenn Pino und Fabienne Rubolino extrem zufrieden sind damit, was sie seit der Inbetriebnahme im März 2019 auf so wenig Platz alles erreicht haben, freuen sie sich auf den Umzug. «Die Logistik zwingt uns zu vielen Leerläufen, wir arbeiten nicht sehr wirtschaftlich», erzählt die 41-Jährige. Ihr Mann ergänzt: «Ich muss die Brautage teilweise bis zu sechs Monaten im Voraus planen, damit ich alle Zutaten im Haus habe und die Tanks leer sind.» Sie sind gespannt, wo die Reise noch hinführt. «Können wir in der Tössallmend die ersten Jahre die dreifache Menge bei gleichem Aufwand produzieren und verkaufen, sind wir absolut zufrieden.»