Publiziert 20. Apr. 2022, 08:10
8543

Neuer Standort in ehemaliger Gemeindekanzlei Bertschikon

Der Tierschutzverein Winterthur hat nun endlich seine Tierstation

Nach dem «unglücklichen Kapitel ‹Grundstein›» hat der Tierschutzverein Winterthur eine Bleibe für sein Tierheim gefunden. In der ehemaligen Gemeindekanzlei Bertschikon sollen künftig Katzen untergebracht werden. Im Herbst soll der Betrieb aufgenommen werden.

M
Michael Hotz

Diesmal ist der Tierschutzverein Winterthur und Umgebung von bösen Überraschungen verschont geblieben. Nach jahrelanger Standortsuche hat er nun endlich eine geeignete Lokalität gefunden, in der er seine Tierstation betreiben kann. Gemeinde und Kanton erteilten dem Verein Mitte März die Baubewilligung für die Umnutzung der ehemaligen Gemeindekanzlei Bertschikon. Im vergangenen Spätsommer hatte er den Zuschlag für die Liegenschaft bekommen, Anfang Dezember hatte der zuständige Gemeinderat Wiesendangen den Antrag mit Baugesuch und Mietvertrag genehmigt.

Damit zeichnet sich nun endlich das Happy End für den Tierschutzverein ab, nachdem er das aus seiner Sicht unglückliche Kapitel «Grundstein» letztes Jahr abschliessen konnte. Ursprünglich war das Tierheim in einem alten Bauernhof bei Gundetswil geplant. Aber Anwohnerinnen und Anwohner wehrten sich dagegen, weil sie Hundelärm befürchteten. Die unterschiedlichen Auffassungen führten zu einem rund fünf Jahre dauernden juristischen Streit. Mitte Februar 2021 entschieden sich die Vereinsmitglieder dann, die Liegenschaft zu verkaufen. Im Oktober übernahm die Käuferin das Bauernhaus.

Gute Beziehungen zur Nachbarschaft

Der neue Standort am Rande von Bertschikon ist nicht im Besitz des Tierschutzvereins, er hat sich dort eingemietet. Seine flüssigen Mittel sollen nicht überstrapaziert werden. Anfang Jahr begann der Fünf-Jahres-Mietvertrag mit der Gemeinde zu laufen. Die Lage der Gemeindekanzlei sei sehr gut, sagt Erick Bonnard, Präsident des Tierschutzvereins. «Wir haben auch gute Beziehungen zu unserer Nachbarschaft.» Diese seien letztes Jahr zu einem Fest eingeladen worden, um das Projekt vorzustellen. Dazu habe der Verein auch ein Adventsfenster geschmückt, bei dessen Präsentation Anwohnerinnen und Anwohner sowie auch Gemeinderatsvertretende vorbeigekommen seien.

Anders als im «Grundstein» ist in Bertschikon ein Tierheim ausschliesslich für Katzen vorgesehen. Das ehemalige Verwaltungsgebäude soll nun für die Bedürfnisse dieser Haustiere umgerüstet werden. Die entsprechende Baubewilligung ist laut Bonnard nur mit kleinen Auflagen versehen, die ohne grossen Zusatzaufwand eingehalten werden können. So muss etwa der Grossteil des Rasens rund ums Gebäude bestehen bleiben und die Aussenwandfarbe darf nicht verändert werden. Für die drei geplanten Aussengehege fordert der Kanton einen Sichtschutz, dem Vereinspräsidenten schwebt eine Hecke vor. Ein noch ungelöstes Problem für Bonnard ist, wie die zwei Katzengehege hinter dem Gebäude zum Feld des nachbarschaftlichen Landwirts hin vor Pflanzenschutzmitteln abgeschirmt werden können. «Das bereitet mir noch etwas Sorgen», gibt er zu, wobei er auch die nötige Sicherheit ausstrahlt, eine gute Lösung zu finden. Mit rund drei Monaten Umbauzeit rechnet er, spätestens Anfang Herbst soll die Katzenstation ihren Betrieb aufnehmen, geht alles nach Plan.

Auch Ferienkatzen sind willkommen

Im Innern der ehemaligen Gemeindekanzlei sind insgesamt drei Räume für die Katzen vorgesehen. Bei gut 30 Tieren sieht Bonnard die maximale Aufnahmekapazität. Einer der Räume soll Katzen übergangsmässig beherbergen, deren Besitzer in die Ferien verreisen. «Wir haben festgestellt, dass die Nachfrage dazu gestiegen ist», so der Präsident. Der Verein werde aber auch viele scheue, halb wilde Katzen aufnehmen. Diese sollen im Zimmer untergebracht werden, das an das geplante Büro der Tierpflegerinnen und -pfleger angrenzt. «So gewöhnen sich die Tiere langsam an Menschen», erklärt Bonnard. Unter der Woche seien stets zwei ausgebildete Tierpflegende vor Ort. Für die Nächte und die Wochenenden gelte ein Pikettdienst mit Kontrollgängen samstags und sonntags – auch, um die Katzen zu füttern. Je nach Auslastung werde noch eine dritte Fachperson angestellt, so Bonnard.

Die Konzepte für die Inneneinrichtung und den Betrieb erarbeitete der Verein zusammen mit einem Fachmann vom Tierheim des Zürcher Tierschutzes. «Er ist spezialisiert auf das Verhalten von Katzen und kreiert wunderbare dreidimensionale Katzenräume, in denen die Tiere rumklettern und sich austoben können», schwärmt Bonnard. Als er das Tierheim in der Nähe des Zoos Zürich besucht habe, habe er ganz viele glückliche Katzen angetroffen. «Genau das wünsche ich mir auch für unsere Katzenstation.» 

Das könnte Sie auch interessieren