Publiziert 31. Okt. 2022, 09:50
8400

Um rund 33 Prozent

Stadtrat erhöht Gaspreise nun doch

Nachdem vor einem Jahr gegen eine Erhöhung der Gaspreise rekurriert wurde, ist es nun so weit: Die Preise für Gas in Winterthur steigen um 3,19 Rappen pro Kilowattstunde. Als Grund nennt der Stadtrat eine mögliche Strom- und Gasmangellage.

r
red
Nachdem vor einem Jahr noch rekurriert wurde, ist es nun so weit. Die Gaspreise in Winterthur steigen. Und zwar deutlich.

Nachdem vor einem Jahr noch rekurriert wurde, ist es nun so weit. Die Gaspreise in Winterthur steigen. Und zwar deutlich.
84XO

Ende November 2021 entschied der Stadtrat, die Gaspreise in Winterthur zu erhöhen. Rund 30 Prozent hätten damit ab Januar mehr für das verbrauchte Gas an Stadtwerk bezahlt werden müssen. Als Grund nannte die Exekutive den «ausserordentlich starken Anstieg der europäischen Gaspreise auf dem Handelsmarkt» seit Ende August letzten Jahres. Gegen diesen Beschluss reichte eine Person einen Rekurs beim Bezirksrat Winterthur ein (84XO berichtete). Bemängelt wurde, dass der Stadtrat den Preisüberwacher vor der Tariferhöhung nicht konsultiert hat. Der Bezirksrat hiess den Rekurs gut, weshalb die Gaspreise für das laufende Jahr unverändert auf dem Stand von 2021 geblieben sind.

Wie der Stadtrat mitteilt, sind die Gaspreise auf dem Handelsmarkt jedoch weiterhin massiv gestiegen. Die Gefahr einer möglichen Strom- und Gasmangellage würden die angespannte Preissituation zusätzlich verschärfen. Deshalb sollen die Gaspreise nun doch steigen – durchschnittlich um 3,19 Rappen pro Kilowattstunde (kWh). Per 1. Januar 2023 bezahlt die Winterthurer Kundschaft folglich rund 33 Prozent mehr für Gasprodukte. «Würde die aktuelle Preissteigerung vollständig auf die Kundschaft überwälzt, hätte dies eine Preiserhöhung von über 4 Rappen pro kWh zur Folge», schreibt der Stadtrat weiter. Die Erhöhungen würden je nach Produktzusammensetzung (Anteil Biogas) und Kundengruppe unterschiedlich ausfallen: Je höher der Anteil Biogas am Produkt ist, umso moderater ist die Preiserhöhung.

630 Franken mehr für vierköpfigen Haushalt

Ein vierköpfiger Winterthurer Haushalt mit Gasheizung, der das Standardprodukt «e-Gas.Bronze» bezieht, bezahlt für 20'000 kWh Jahresverbrauch knapp 35 Prozent mehr. Dies entspricht einer Erhöhung von rund 630 Franken pro Jahr. Da sich der Gastarif 2023 stark erhöhen wird, beantragt der Stadtrat mit separater Weisung ans Parlament gemäss Mitteilung keine Vergütung an den steuerfinanzierten Haushalt aus dem Eigenwirtschaftsbetrieb Gashandel. Das lokale Netznutzungsentgelt und der Beitrag für die Pflichtlagerhaltung blieben unverändert. Die vom Bund festgelegte CO2-Abgabe für Erdgas sowie die Mineralölsteuer würden vom Bund zu einem späteren Zeitpunkt bekanntgegeben.

  • Zusammensetzung des Gaspreises
    Der Gaspreis setzt sich zusammen aus dem Preis für die Energie (Erdgas, CO2-Kompensation, Herkunftszertifikate für erneuerbares Gas), dem lokalen Netznutzungsentgelt und den vom Bund festgelegten Steuern und Abgaben.

1,8 Millionen Franken im Minus

«Obwohl Stadtwerk Winterthur das Gas für die Kundschaft frühzeitig – gestaffelt über mehrere Jahre verteilt – einkauft, wirken sich die um ein Vielfaches gestiegenen Gaspreise inzwischen auch massgeblich auf den durchschnittlichen Beschaffungspreis aus», heisst es seitens Stadt. Die Einkaufspreise für Gas würden heute deutlich über den an die Winterthurer Kundschaft verrechneten Gaspreisen liegen. Die finanziellen Auswirkungen auf den Eigenwirtschaftsbetrieb Gashandel von Stadtwerk Winterthur seien erheblich. Aufgrund des Preisanstiegs sei bereits das Rechnungsjahr 2021 mit einem negativen Ergebnis von 1,8 Millionen Franken für den Eigenwirtschaftsbetrieb zulasten der Betriebsreserve abgeschlossen worden. 2022 werde der Eigenwirtschaftsbetrieb voraussichtlich einen Verlust in der Höhe von mehreren Millionen Franken ausweisen.

Das könnte Sie auch interessieren