Publiziert 30. Nov. 2021, 16:18
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Kritik von den Bürgerlichen

Stadt Winterthur erhöht für 2022 die Gaspreise

Der Winterthurer Stadtrat entschied am Dienstag, 30. November, dass die Gaspreise 2022 um rund 30 Prozent steigen werden. Die bürgerlichen Parteien kritisieren diesen Beschluss.

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Michael Hotz
Die Gastarife von Stadtwerk Winterthur steigen für kommendes Jahr.

Die Gastarife von Stadtwerk Winterthur steigen für kommendes Jahr.
Talina Steinmetz

Der Stadtrat hat beschlossen, die Gastarife in Winterthur per 1. Januar 2022 zu erhöhen – und zwar um 1,5 Rappen pro Kilowattstunde (kWh) für alle Kundengruppen und Gasprodukte. Das teilt er in einem am Dienstag, 30. November, verschickten Medienschreiben mit. Gleichzeitig werde der für dieses Jahr gewährte einmalige Bonus auf die Gaspreise auf das nächste Jahr hin wegfallen.

Für einen vierköpfigen Haushalt mit Gasheizung, der das Stadtartprodukt «e-Gas.Bronze» von Stadtwerk Winterthur bezieht, bedeutet das folgendes, wie die Stadt vorrechnet: Bei einem Jahresverbrauch von rund 20'000 kWh bezahlt er knapp 30 Prozent mehr für das verbrauchte Gas. Das entspricht einer Erhöhung von rund 480 Franken pro Jahr. Bei 15'000 kWh Jahresverbrauch sind es rund 360 Franken mehr.

Seit August steigen die europäischen Gaspreise

Grund für die Gastarif-Erhöhung ist laut dem Stadtrat der «ausserordentlich starke Anstieg der europäischen Gaspreise auf dem Handelsmarkt» seit Ende August. Dies wegen Unsicherheiten betreffend die Gaspipeline Nordstream 2, knappen Lagerbeständen in Westeuropa aufgrund einer langen Kälteperiode im Frühjahr 2021, einem hohen CO2-Preis und dem Wirtschaftswachstum, das zu einer erhöhten Energienachfrage führt.

Stadtrat Winterthur

«Die stark steigenden Einkaufspreise belasten die Erfolgsrechnung und können zu Verlusten führen»

Stadtwerk Winterthur kauft das Gas für die Kundschaft frühzeitig über mehrere Jahre gestaffelt ein. Aber: «Inzwischen wirken sich die stark gestiegenen Gaspreise auf dem Handelsmarkt massgeblich auf den durchschnittlichen Beschaffungspreis aus», so der Stadtrat. Dieser liege für die kommenden Jahre über den Gaspreisen, die Stadtwerk den Kundinnen und Kunden aktuell verrechne, was grosse finanzielle Auswirkungen auf den Eigenwirtschaftsbetrieb Gashandel haben. «Die stark steigenden Einkaufspreise belasten die Erfolgsrechnung und können zu Verlusten führen.» Aufgrund des guten Gashandel-Ergebnisses 2020 gebe Stadtwerk lediglich einen Teil der Preissteigerung an die Kundschaft weiter.

«Unsolidarische indirekte Steuererhöhung»

Die Parteien der Allianz «Team Freiheit» reagierten umgehend mit Kritik auf den Beschluss des Stadtrates. Die Erhöhung der Gaspreise sei eine «unsolidarische indirekte Steuererhöhung», schreiben EDU, FDP, Die Mitte und SVP in einer gemeinsamen Medienmitteilung. Dem Stadtrat wird finanzpolitisches Führungsversagen vorgeworfen. In der Ratssitzung am Montag, 29. November, konnten die Bürgerlichen nicht verhindern, dass 14,7 Millionen Gewinn von Stadtwerk im kommenden Jahr abgeschöpft werden. Die links-grüne Mehrheit im Stadtparlament lehnte einen von der SVP eingebrachten Änderungsantrag ab. Im Geschäftsfeld Gashandel ist eine Gewinnentnahme von 4,3 Millionen Franken budgetiert, was einer Erhöhung um 50 Prozent entspricht – «trotz Verlust im Gashandel und schlechten Marktaussichten», wie die vier Parteien kritisieren.

«Team Freiheit»

«Trotz höheren Steuereinnahmen und einem zusätzlichen Soziallastenausgleich von über 20 Millionen Franken bedient sich der Stadtrat mit beiden Händen im Gebührentopf»

Nur einen Tag nach dem Entscheid im Stadtparlament über die Erhöhung der Gaspreise für 2022 zu informieren zeuge von einer intransparenten Kommunikation, so die Bürgerlichen. Diese indirekte Steuererhöhung treffe alle gleichermassen – KMU, Gewerbe, den Mittelstand, die finanziell nicht so gut Situierten und vor allem die Mieter. «Trotz höheren Steuereinnahmen und einem zusätzlichen Soziallastenausgleich von über 20 Millionen Franken bedient sich der Stadtrat mit beiden Händen im Gebührentopf – macht trotzdem weiter Schulden.»

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